TSV Ginnheim

Ein Volltreffer für die Dartspieler

Als einziges Frankfurter Team spielt die erste Mannschaft der Dart-Abteilung des TSV Ginnheim in der Bundesliga. Heute trifft das Team auf den Lokalrivalen aus Darmstadt. Der aktuelle Dart-Hype lässt auch die Mannschaften des TSV wachsen.

Es dürfte nicht viele fast nur mit Männern gefüllte Räume geben, in denen es so ruhig zugeht wie im Dart-Raum des TSV Ginnheim. Dabei spricht die Kulisse dagegen: Billy Idol und andere Rockinterpreten laufen im Radio. Bierflaschen stehen auf den Tischen. Zur perfekten Kneipenatmosphäre fehlen nur der Wirt, eine Zapfanlage – und quasselnde Männer.

An anderen Tagen herrscht hier etwas mehr Ausgelassenheit und weniger Hochkonzentration. Doch am Samstag treffen die Herren in den blau-weißen Shirts ab 12 Uhr auf die Liga-Konkurrenz aus Darmstadt sowie aus dem württembergischen Huttenheim. Vor allem gegen die hessischen Lokalrivalen möchten sich Frankfurts Dart-Aushängeschilder im Vereinsheim Am Mühlgarten 2 keine Blöße geben.

Seit vergangenem Jahr spielt die erste Mannschaft der Dart-Abteilung in der Bundesliga Süd. Der TSV Ginnheim ist damit der einzige Verein aus der Mainmetropole, der in Deutschlands höchster Dart-Spielklasse vertreten ist.

Michael Kniehase gehört zu den Leistungsträgern des Bundesliga-Teams. Der kleine Bauchansatz des 35-jährigen ist nicht der Grund dafür, dass ihm zwischen Schlücken aus seiner Bierflasche die Schweißperlen von der Stirn rinnen. Kniehase ist für eine kurze Weile nicht ansprechbar, blendet Musik und manch neckischen Spruch seiner Mannschaftskameraden aus.

„Es ist wie bei einem Scharfschützen“, sagt Kniehase, nachdem er keinen besseren Vergleich gefunden hat. Auf den richtigen Stand komme es an, auf den passenden Schwung. Daraus resultiere die mentale Stärke, der Tunnelblick, mit dessen Hilfe sich das Hintergrundrauschen ausschalten lasse. „Stimmt das alles“, betont Kniehase, „steht dem Erfolg nichts mehr im Weg“.

Doch der hält sich seit dem mittlerweile zweiten Aufstieg der ersten Dart-Mannschaft des TSV in Grenzen. Der Verein ist Tabellenletzter. Weil aber kaum ein Fernsehzuschauer in den Wintermonaten an Dart vorbeikommt, profitiert davon auch die Ginnheimer Dartabteilung.

Kniehase hat bereits mit elf Jahren damit begonnen, Pfeile auf Scheiben zu werfen. Mit 13 gewann er sein erstes Turnier. Nach ein paar Jahren kehrte er der Sportart den Rücken, die Ausbildung nahm zu viel Zeit in Anspruch. Seit vier Jahren ist Kniehase nun Teil der Dart-Abteilung des TSV Ginnheim. „Das lag auch an den Fernsehübertragungen, die die Lust wieder geweckt haben“, erklärt er.

Der in den letzten Jahren vor allem durch die internationalen, prestigeträchtigen Dart-Turniere ausgelöste Hype hat auch im Vereinsheim für neue Gesichter verschiedenen Alters gesorgt. Drei Mannschaften zählt die Dart-Abteilung des TSV Ginnheim um deren Leiter Manfred Schmidt derzeit. Hält der Zulauf an, könnte eventuell bald ein viertes Team hinzukommen.

Als Mentoren für Neulinge können beim TSV so einige Spieler dienen: Michael Hellwig wirft Pfeile auf Scheiben seit seinem elften Lebensjahr. Er hat Dutzende Turniere gewonnen. Im Jahr 2005 wurde er in Las Vegas sogar Weltmeister im sogenannten E-Dart, einer Variante, bei der Pfeile mit Plastikspitzen geworfen werden, während man sich beim TSV dem Steeldart verschrieben hat, also dem Werfen mit Stahlpfeilen. In dieser Disziplin feiern die Ginnheimer schon seit mehr als zehn Jahren Erfolge: Im Jahr 2006 wurde die Dart-Abteilung des TSV Hessenmeister, stieg in der folgenden Aufstiegsrunde in die Bundesliga auf, und erst 2012 wieder ab. In den Jahren 2007 und 2008 wurde der Verein sogar Deutscher Pokalsieger, und im Jahr 2010 Deutscher Vizemeister.

Einige der Dartspieler kennen sich bereits seit Jahrzehnten. Stephan Schwalb war bereits Teil der DC Wanderers, die sich im Jahr 1995 dem TSV Ginnheim anschlossen. Wie die meisten anderen Dart-Haudegen im Verein hatte er zuvor bereits jahrelang Pfeile in Kneipen geworfen. „Dort wurde damals noch viel mehr Dart gespielt. Die Amerikaner waren noch hier, viele Briten, in deren Stammkneipen gespielt wurde. Daraus entstanden auch die ersten Vereine“, erinnert er sich.

Ambitionen, ähnliche Karrieren hinzulegen wie die prominentesten Vertreter ihrer Zunft, Phil Taylor oder Michael van Gerwen, hat aber keiner der Ginnheimer Dart-Spieler. „Wir sind reine Amateure, haben alle Jobs. Um davon leben zu können, braucht man große Sponsoren“, macht Schwalb klar. Deutsche Dart-Vereine hätten zudem mit einem Mangel an Spielstätten zu kämpfen. Wie Schwalb betont, müssten manche Vereine im Jahresrhythmus Spielstätten wie Vereinsheime oder Kneipen wechseln. „Im Gegensatz zur landläufigen Meinung sind wir nicht die umsatzstärksten Kunden“, ergänzt er. Denn übermäßiger Alkoholkonsum schade schließlich dem Tunnelblick.

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