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Vom Denken und Gedenken

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Von: Gernot Gottwals

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Theodor W. Adorno, der am 11. September 1903 ursprünglich als Theodor Ludwig Wiesengrund geboren wurde, gilt als Mitbegründer der Frankfurter Schule. FOTO: archiv
Theodor W. Adorno, der am 11. September 1903 ursprünglich als Theodor Ludwig Wiesengrund geboren wurde, gilt als Mitbegründer der Frankfurter Schule. © Adorno-Archiv

Bronzetafel soll an Adorno erinnern - Ursprüngliches Wohnhaus gibt es nicht mehr

Über Geschmack soll man nicht streiten. Aber wer auf die Graffiti in der Schönen Aussicht 9 blickt, dürfte nur schwer auf die Idee kommen, dass hier einmal das Geburtshaus des Frankfurter Philosophen von Theodor W. Adorno (1903 bis 1969) stand. Denn heute steht in der Schönen Aussicht eine eher schmucklose Häuserzeile im Stil der Nachkriegszeit.

Grund genug für den Ortsbeirat 1 (Altstadt, Bahnhofsviertel, Europaviertel, Gallus, Gutleutviertel, Innenstadt), besagte Adresse durch eine Gedenktafel für den Denker der Frankfurter Schule aufwerten zu lassen. Im Juni 2021 stellte er dazu einen Antrag.

Zahlen soll aber der Ortsbeirat

Diese Idee begrüßt der Magistrat zwar und ist auch gerne bereit, bei den Eigentümern zu vermitteln. Doch in seiner Stellungnahme bittet er den Ortsbeirat, mit dem eigenen Budget einzuspringen. Genau dies wollen die Grünen jetzt in einem Antrag für die heutige Sitzung beschließen.

"Das Kulturamt sieht sich außer Stande, die Kosten für eine Erstellung und Anbringung der Gedenktafel zu übernehmen und regt an, dass der Ortsbeirat 1 die Kosten von 5000 Euro für eine Bronzetafel übernimmt", heißt es im Antrag. Der Magistrat hatte in seiner Stellungnahme eine Bronzetafel zu besagtem Preis oder wahlweise eine Edelstahltafel für 1200 Euro vorgeschlagen.

Doch wieso begrüßt der Magistrat die Gedenktafel für Adorno und spielt für die Finanzierung den Ball an den Ortsbeirat zurück? Nein, so sei das nicht gemeint gewesen, stellt die Sprecherin des Kulturdezernats Jana Kremin auf Anfrage klar: "In der ersten schriftlichen Kommunikation zwischen Magistrat und Ortsbeirat gab es ein Missverständnis, das inzwischen aber ausgeräumt ist." Tatsächlich seien das Kulturamt und der Ortsbeirat bereits in guten Gesprächen. "Wir werden in den nächsten Wochen gemeinsam mit dem Kuratorium Kulturelles Frankfurt, das sich seit dem letzten Jahr für eine entsprechende Tafel einsetzt, die Umsetzung prüfen", verspricht Kremin. Dann werde man auch Klarheit haben, wo man am besten welche Form der Tafel anbringen könne. Andreas Laeuen von den Grünen hat sich zwischenzeitig nochmal vor Ort umgeschaut: "Rechts vor dem Hauseingang wäre wohl ein geeigneter Platz, damit sie gut zur Geltung kommt", findet er. Er geht davon aus, dass die Eigentümer des Hauses, offenbar die Verwaltungsgesellschaft einer Erbengemeinschaft, zwischenzeitig ihr Einverständnis signalisiert haben.

Eine Kindheit an der Schönen Aussicht

Theodor Wiesengrund, wie er gebürtig hieß, wurde am 11. September 1903 geboren und verbrachte an der Schönen Aussicht seine Kindheit, über die jedoch nur wenig bekannt ist. Die Buben einer Schreinerei aus einer benachbarten Mainstraße sollen ihm so manchen Streich gespielt haben. Sein Schulweg führte den jungen Theodor jedenfalls über die damalige Obermainbrücke (heute Ignatz-Bubis-Brücke) auf die Sachsenhäuser Seite, wo er die Deutschherrn-Mittelschule und später das Kaiser-Wilhelms-Gymnasium (heute: Freiherr-vom Stein-Schule) besuchte. 1914 zog die Famlie nach Oberrad in die Seeheimer Straße. Eine dortige Initiative für eine Gedenktafel scheiterte jedoch bisher am Hauseigentümer. "Die neue Gedenktafel könnte die Hauseigentümer dazu motivieren, das Gebäude mal zu sanieren", hofft Laeuen. Da vor ein paar Jahren wegen Namensverwechslungen mit dem Theodor-W.-Adorno-Platz die Initiative von Anwohnern nicht umsetzbar war, das Fischerplätzchen nach Adorno zu benennen, werde der Philosoph und Hauptvertreter der Kritischen Theorie nun auf anderem Weg geehrt. got

Der Ortsbeirat 1 tagt

Heute, 8. Februar, 19 Uhr im Rathaus Römer (Besuchereingang Römerberg 23).

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