Kennt sich aus, wie kaum ein Zweiter: Norbert Saßmannshausen von den Freunden Bockenheims. FOTO: rainer rüffer
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Kennt sich aus, wie kaum ein Zweiter: Norbert Saßmannshausen von den Freunden Bockenheims.

Frankfurt historisch

Vom Dorf zur Stadt auf rund 400 Seiten

  • VonGernot Gottwals
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Bedeutendes Geschichtsbuch wird neu aufgelegt - Mühevolle Korrekturen

Rund um den Kirchplatz schlägt das Herz des alten Bockenheims. Auch wenn der alte Ortskern in der heutigen Platzgestaltung nicht mehr wirklich gut ablesbar ist, wie Norbert Saßmannshausen von den Freunden Bockenheims findet. Dass das in den 1940er Jahren noch anders war, gehe aus Text und Bild in Heinrich Ludwigs 1940 erschienenem Buch "Geschichte des Dorfes und der Stadt Bockenheim" hervor, das jedoch seit vielen Jahren nur noch in Antiquariaten und Bibliotheken zu finden ist.

Der Ortsbeirat gibt 1200 Euro

Nicht nur deshalb streben die Freunde Bockenheims schon seit vielen Jahren eine erweiterte Neuauflage an, die jetzt auch der Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) unterstützt und in einem interfraktionellen Antrag beschlossen hat, dieses Vorhaben der Freunde Bockenheims und Saßmannshausens Institut für Selbstorganisation mit 1200 Euro aus dem eigenen Etat zu fördern. Es geht dabei um das bis heute wegweisende Bockenheimer Geschichtsbuch mit 388 Seiten, 81 Abbildungen und 48 Tafelseiten.

Das Buch ist nur noch antiquarisch zu erwerben, zu zahlen sind tendenziell Preise zwischen 80 und 100 Euro. "Hinzu kommt noch, dass das Buch in Frakturschrift geschrieben ist, die heute für viele jüngere interessierte Geschichtsfreunde nur noch schwer lesbar ist", erläutert Saßmannshausen. Außerdem erweiterte Ludwig sein 1940 erschienenes Werk später um einige Korrekturen und Ergänzungen, die nun bei der Neuauflage berücksichtigt werden sollen.

"Inzwischen haben wir einen Verlag gefunden, der das Buch Seite für Seite eingescannt hat, so dass es sich bearbeiten lässt", erläutert Saßmannshausen. Doch nun beginnt die aufwendige Arbeit erst, da durch den Neusatz die Seitenverweise beim Inhaltsverzeichnis und den Registern neu vorzunehmen sind.

Außerdem müssen die zahlreichen Korrekturen und Ergänzungen eingearbeitet werden: Dieser Aufgabe widmet sich Herrmann Ludwig, ein entfernter Verwandter von Heinrich Ludwig, der auch bei der Neuauflage der Bockenheimer Häuserchronik mitgearbeitet hat. Doch bei einem 1940 erschienenen Buch war zunächst noch eine andere Frage zu klären: "Der Verfasser hat keine antisemitischen Äußerungen einfließen lassen", stellt Saßmannshausen fest.

Umfangreiches Namensregister

Vielmehr geht aus dem Handexemplar hervor, dass Herrmann Ludwig die Namen vieler Bockenheimer Juden sorgfältig aufzeichnete. Wenn diese bei der Neuauflage alle berücksichtigt werden, wird ersichtlich, welchen Anteil jüdische Bürger damals an der Bockenheimer Geschichte wirklich hatten.

Die geschichtlichen Aufzeichnungen des Buches beginnen mit der Bockenheimer Landschaft in erd- und frühgeschichtlicher Zeit und schlagen über die irisch-schottische Missionierung einen Bogen in die frühmittelalterliche Zeit der Karolinger.

Über die mittelalterlichen Rittergeschlechter geht es weiter mit der Reformation und dem Dorf Bockenheim unter den Grafen von Hanau.

Weitere Kapitel sind die Zeit unter den Landgrafen von Hessen-Kassel und schließlich der Aufstieg zur Stadt unter kurhessischer Zeit ab 1819. Das Buch endet mit einem Ausblick auf die Eingemeindung zu Frankfurt ab 1895. Die Neuauflage soll im Dezember erscheinen und im Handel für 30 Euro erhältlich sein. got

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