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Vom Misthaufen auf den Frankfurter Thron

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Von: Holger Vonhof

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Theaterchef Michael Quast und Kulturdezernentin Ina Hartwig mit dem Plakat der neuen Saison: "Worschtmichels Traum - Der König von Frankfort" wird vom 21. Juli bis 14. August bei "Barock am Main" im Hof der Höchster Porzellan-Manufaktur gespielt.
Theaterchef Michael Quast und Kulturdezernentin Ina Hartwig mit dem Plakat der neuen Saison: "Worschtmichels Traum - Der König von Frankfort" wird vom 21. Juli bis 14. August bei "Barock am Main" im Hof der Höchster Porzellan-Manufaktur gespielt. © Maik Reuß

Im Juli kehrtdas Festival mit "Worschtmichels Traum" endlich zurück

Er steht nicht auf der Sonnenseite des Lebens, der Michel. Der ewige Metzgergeselle hat ein trostloses Leben und eine zänkische Frau. Also bleibt ihm nur der Alkohol. Wenn er getrunken hat, träumt er von Macht und Größe: "Wenn ich König von Frankfort wär, da dät sich mancher umgucke!" Als er im Suff auf einem Misthaufen einschläft, findet ihn ein Trupp ebenfalls nicht ganz nüchterner Frankfurter Patrizier und hat eine fiese Idee: Lasst ihn doch am nächsten Morgen als Herrscher von Frankfurt aufwachen! So geschieht es. Michel steckt plötzlich in vornehmen Kleidern, und alle tun, was er sagt. Das kann eigentlich nur ein Traum sein. Oder nicht? Der Worschtmichel beginnt, nach seinem Gutdünken zu regieren - erst zum Vergnügen der Patrizier, dann zu ihrem Schrecken. Dieser Kerl muss so schnell es geht zurück auf seinen Misthaufen! Aber was, wenn er nicht will?

Aktuelle Bezüge zur Römer-Politik

Wenn ich im Römer was zu saache hätt! Durchaus aktuelle Bezüge hat "Worschtmichels Traum - Der König von Frankfort", ein Mundart-Stück nach Motiven das dänischen Barockdichters Ludvig Holberg, das Rainer Dachselt in hessische Mundart übertragen, nach Frankfurt verlegt und etwas umgestrickt hat. Das Motiv selbst, so Dachselt, finde sich schon bei den alten Römern oder bei "Tausendundeiner Nacht": Da wird einer aus der Gosse gefischt und gelangt an die Macht. Er habe "ein neues Frankfurter Stück über das alte Motiv" geschrieben, sagt Dachselt, der derzeit zusammen mit Rhodri Britton, dem musikalischen Leiter von "Barock am Main", an der Musik zum Stück feilt. Michael Quast, Leiter der "Fliegenden Volksbühne" und Publikumsmagnet des Höchster Freilicht-Festivals, spielt wieder die Hauptrolle - diesmal keinen raffgierigen oder lüsternen Adligen oder einen nach Höherem strebenden engstirnigen Bürger wie bei Molière, dem das Festival am alten Spielort im Garten des Höchster Bolongaropalasts treu geblieben ist, sondern einen von "ganz unten".

Nach zwei Jahren Corona-Pause wird das Festival dieses Jahr an der Ausweichstätte, im Hof der Höchster Porzellan-Manufaktur, fortgesetzt, wohin Quasts Truppe mit Beginn der unendlichen Sanierung des Barockpalasts ausgewichen war. "Wir warten sehnsüchtig auf die Fertigstellung des Bolongaropalasts. Das wird noch eine Weile dauern, aber es gibt Hoffnungszeichen", sagt Quast. An der Ausweichstätte sei doch ein "erheblicher Mehraufwand" zu leisten. Mit dem Umzug zur Porzellan-Manufaktur 2017 hatte "Barock am Main" sein Repertoire erweitert, war von Molière auf Autoren des englischen und deutschen Barocks übergegangen. Nun ist's ein Däne.

Erhalten bleiben wird die stark überzeichnete Maske, die sich an der Commedia dell'arte orientiert; Quast wird nur diesmal nicht gleich die gepuderte Perücke tragen, sondern sie erst im Laufe der Handlung aufgestülpt bekommen. Rainer Dachselt hatte das Stück eigentlich schon für die Freilicht-Saison 2020 fertiggestellt - nun erlebt es seine Uraufführung zwei Jahre später.

Kein Vergleich zur Innenstadt

Mit der Wiederaufnahme von "Barock am Main" sei "Wiederaufbauarbeit" zu leisten, sagt Quast: "Es ist nicht mehr selbstverständlich, mal eben ins Theater zu gehen." Dass Theater eine Bereicherung fürs Leben sei, das müsse sich "wieder rumsprechen", so Quast. Was das Festival in Höchst vor der Corona-Auszeit geboten habe, sei in seinen Augen "wahres Volkstheater". Es sei "in der Innenstadt noch nicht gelungen, ein solch breites Publikum zu locken" wie in Höchst.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hat, wie sie sagt, "Barock am Main schmerzlich vermisst". Es sei Michael Quast und seiner Truppe mit dem Festival über die Jahre gelungen, generationsübergreifend erfolgreich zu sein; zudem komme das Publikum aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet und auch von weiter her: "Barock am Main ist längst Kult." Deshalb unterstützt die Stadt das Festival in diesem Jahr mit 25 000 Euro aus dem Kulturetat. Und das sei auch ein Gewinn für den Frankfurter Westen: "Höchst und die westlichen Stadtteile erfreuen sich erneut am Frankfurter Gebabbel."

Karten kaufen oder im Catering-Bereich Plätze reservieren

Premiere von Rainer Dachselts "Worschtmichels Traum - Der König von Frankfort" ist am Donnerstag, 21. Juli, im Hof der Höchster Porzellan-Manufaktur, Palleskestraße 32. Gezeigt wird das Stück bis zum 14. August jeweils dienstags bis samstags, jeweils um 20 Uhr sowie sonntags um 16 Uhr; der Montag ist spielfrei. Einlass auf das Gelände ist jeweils 90 Minuten früher; dort können Tische im Catering-Bereich unter www.barock-am-main.com/catering reserviert werden. Es gibt eine anspruchsvolle Gastronomie sowie "barocke Platzmusik". Die Eintrittskarten kosten in der 1.-3. Kategorie (Dienstag - Donnerstag) zwischen 29 und 35 Euro und für die Premiere sowie Freitag - Sonntag 30 bis 38 Euro. Sie sind unter Telefon (0 69) 4 27 26 26 49 oder www.barock-am-main zu haben. Ermäßigungen gibt es für Menschen mit Behinderung (ab 80 Prozent), Schüler, Studenten, Kinder und Hartz-IV-Empfänger: 10 Euro zahlen sie. Rollstuhlfahrer zahlen den ermäßigten Preis; Begleitpersonen haben kostenfreien Zutritt. Gruppen ab zehn Personen erhalten 10 Prozent Rabatt. Es gibt keine Ermäßigung für Rentner, die nicht schwerbehindert oder Hartz-IV-Empfänger sind. Gespielt wird unter freiem Himmel; alle Sitzplätze sind (außer in der ersten Reihe) überdacht. Das Theaterfestival wird, wie in der Zeit vor Corona, von dieser Zeitung unterstützt. Weitere Informationen gibt es unter www.barock-am-main.com.

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