Jürgen Schreiner führt das Familienunternehmen, das inzwischen in der Orber Straße zu Hause ist, bereits in der dritten Generation.
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Jürgen Schreiner führt das Familienunternehmen, das inzwischen in der Orber Straße zu Hause ist, bereits in der dritten Generation.

Fechenheim: Frankfurter Firmengeschichte

Vom Schildermaler zum Klebe-Profi

  • VonNiklas Mag
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Bekannte Werbetechnik-Firma gibt es bereits in der dritten Generation

Seit 75 Jahren sitzt Werbetechnik Schreiner in Frankfurt. In dritter Generation wird die Familienfirma mittlerweile geführt. Der Betrieb hat eine bewegte Geschichte hinter sich, hatte der Gründer Josef Schreiner die Firma doch aus Ruinen aufgebaut. Und die Werbetechnik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert. "Wir produzieren kleinere Dinge wie Fahrzeugbeschriftungen, aber auch Werbeanlagen für größere Objekte und Lichtwerbung", erzählt Jürgen Schreiner in den Räumen seines Betriebes in Fechenheim.

Löwenbus und Straßenbahn

Ein kurzer Blick auf das Portfolio von Schreiners Firma macht klar: Jeder Frankfurter läuft täglich an den Arbeiten der Werbetechniker vorbei. Da wären der Mannschaftsbus der Frankfurter Löwen, die Makkabi-Frankfurt-Straßenbahn oder auch die Werbung außen an den Passagierbrücken des Flughafens.

"Frankfurt war, so weit ich weiß, der erste Flughafen in Kontinentaleuropa, der diese Flächen für Werbung genutzt hat. Wir haben damals innerhalb von zwölf Wochen über 3000 Quadratmeter Folie geklebt und das natürlich nur nachts", erinnert sich Schreiner. 13 Mitarbeiter beschäftigt er, zwei davon sind auszubildende Werbetechniker.

"Mein Opa hat die Firma 1946 gegründet. Damals noch in den Trümmerbergen, die der Krieg hinterlassen hatte", sagt der Geschäftsführer, der zum 75. Jubiläum in diesem Sommer die Geschichte des Familienbetriebs nachverfolgt und niedergeschrieben hat. Schildermaler war sein Großvater damals und damit im Prinzip die Frühform des heutigen Werbetechnikers. "Da wurde gehämmert und handwerklich gearbeitet und alles per Hand gemalt." Metall und Glas mussten über die Besatzungsmacht beantragt werden. Mit Leiterwagen und Fahrrädern brachte Josef Schreiner seine gefertigten Werke zu den Kunden.

In den 1960er Jahren vergrößerte der Josef Schreiner den Betrieb und bezog Räume in Bornheim. Siebdruck und Klebefolien ersetzten das Malen von Schriften und Bildern per Hand. "Anfangs gab es nur sechs bis zehn Farben für die Folien. Aus diesen wurden dann Schriftzüge ausgeschnitten und konnten aufgeklebt werden." Wenn auch heute moderne Computer und Maschinen das Ausschneiden übernehmen, würden dennoch die auszubildenden Werbetechniker das exakte Ausschneiden lernen.

Tradition in der Ausbildung bewahren

"Es kann immer mal sein, dass etwas nicht funktioniert und dann muss beim Kunden vor Ort eventuell ein Buchstabe neu ausgeschnitten werden", berichtet Schreiner. Auch ein gewisser Traditionserhalt gehört dazu, weshalb die jungen Werbetechniker trotz aller modernen Annehmlichkeiten das Zeichnen von Schriften, das Vergolden von Buchstaben und Lackieren von Untergründen zu lernen hätten. Die verwendeten Materialien, Arbeitstechniken und Einsatzmöglichkeiten für Werbetechnik entwickelten sich im Verlauf der Jahrzehnte schnell weiter. "Beratungen werden heute ausführlicher geführt, weil es viel mehr Möglichkeiten gibt", erzählt Schreiner. Es sei eine fortwährende Herausforderung, den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden. Seit 1985 befindet sich der Familienbetrieb in der Orber Straße. Im Mai wurde Werbetechnik Schreiner 75 Jahre alt, seit 2012 leitet Schreiner das Unternehmen und hat es ausgerechnet im Jubiläumsjahr mit großen Hürden zu tun: "Wir haben die Corona-Pandemie schon stark gespürt." Sämtliche geplanten Feiern zum 75. Geburtstag mussten deshalb ausfallen. "Aber um etwas Gutes zu tun, haben wir für jedes der 75 Jahre 75 Euro an den Verein Hilfe für Krebskranke Kinder in Frankfurt gespendet", erzählt Schreiner. Niklas Mag

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