Für den Autor und Theologen Georg Magirius (54) ist jeder Aufbruch auch eine Rückkehr zu den fränkischen Wurzeln seiner Familie. FOTO:
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Für den Autor und Theologen Georg Magirius (54) ist jeder Aufbruch auch eine Rückkehr zu den fränkischen Wurzeln seiner Familie. enrico sauda

Autor aus Frankfurt-Sachsenhausen

Vom Südbahnhof ins Frankenland

  • VonGernot Gottwals
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Theologe hat neuen Wanderführer für spirituelle Tagestouren geschrieben

Was zieht den Frankfurter nach Mainfranken, wo er doch den Main quasi vor der Haustür hat? Eine Frage, der der Autor, Theologe und Journalist Georg Magirius regelmäßig nachsinnt, wenn er alleine, mit Familie oder geführten Gruppen vom Südbahnhof zum Wandern aufbricht, vorher noch Proviant auf dem Wochenmarkt besorgt und so gestärkt den Trubel der Großstadt hinter sich lässt. Und seine Eindrücke dann in Wanderführern verarbeitet.

Zwischen Spessart und Steigerwald

Zwar ist jeder Aufbruch für den 54-jährigen gebürtigen Rüsselsheimer, der in seiner Sachsenhäuser „Heilspraxis“ Menschen auf ihrem Lebensweg begleitet, auch eine Rückkehr zu den fränkischen Wurzeln seiner Familie. Doch um sich zwischen Main, Spessart und Steigerwald wohlzufühlen und zu sich zu finden, muss man nicht von dort kommen. „Wer durch Franken wandert, wird der Freude begegnen“, schreibt Magirius im Vorwort zu seinem neuen Wanderbuch „Frankenfreude“.

Nachdem er im Rahmen der Heilspraxis 2009 seine Reihe der spirituellen Tagestouren ins Leben gerufen und in den Vorgängern „Stilles Franken“ , „Frankenliebe“ und „Frankenglück“ mystische, charmante und geistig erbauende Orte wie die Klostermauern der Gotthardsruine und den schon in vorfränkischer Zeit heiligen Kreuzberg beschrieben hat, beginnt er seine neuen Wanderausflüge am Kahlgrund, wo der Spessart seinen Anfang nimmt und eine Hangsickerquelle erfreulich unaufgeregt vor sich hinplätschert.

Nicht gerade zackig genug, um für das UNESCO-Welterbe vorgeschlagen zu werden, wie Magirius augenzwinkernd anmerkt: „Denn die fränkischen Landschaftstypen haben die Größe, sich nicht lautstark in den Vordergrund zu spielen.“ Doch wer nicht gerade den Kontrast der Residenz und Kirchturmskyline Würzburgs vor dem Marienberg sucht, der findet in Franken auch sanfte Hügel, die ein wenig an die Toskana erinnern.

Über insgesamt 19 Stationen führt Magirius entlang am Mainviereck und -dreieck, vorbei an Aschaffenburg, Würzburg und Schweinfurt bis an die Ausläufer des Steigerwalds. Bei aller Freude über gute Tropfen, die der Theologe vor allem rund um Thüngersheim, Marktbreit und die Oberbreiter Kanzel im Steigerwald erfahren hat, muss jedoch der Sachsenhäuser keineswegs auf sein geliebtes Stöffche verzichten: Denn das findet sich in Breitenbuch im fränkischen Teil des Odenwalds, wo die gebürtige Frankfurter Schriftstellerin Katharina Hacker als Kind manchen Sommer erlebte. „Denn nichts fürchtete man so sehr wie Hausfeuer, die alle Vorräte vernichten würden“, so Magirius.

Apropos Katharina: Der Kirchenpatronin an der Hauptwache ergeht es im Hochspessart wie Karl dem Großen am Main, wenn er um sein Schwert fürchtet: „Dem Katharinenbild am Wanderweg im Spessartwald wurde nämlich schon zwei Mal das Geweih geklaut, das hier die Grenzen des Forstreviers der Stadtwälder von Lohr und Hammelburg markiert“, verrät Magirius.

Zwischendurch Schneewittchen

Die meisten Menschen mögen gerade Linien, aber bitte nicht zu streng. Magirius hat beides bei einer Gruppentour in den Fachwerkbalken von Rothenfels im Mainspessart entdeckt. „Und die dortige Burg als Hort der Geborgenheit und Gastlichkeit, im nahen Lohr gibt es sogar Schneewittchentorte“, erinnert er sich. Selbst die Burg Rieneck, die bei aller Ritterromantik doch recht schroff und trutzig wirkt, erfreut dank eines blühenden Kirschbaums als verspieltes Bollwerk.

„Stahlquelle“ klingt ebenfalls etwas hart und schroff für einen fröhlichen und gesunden Geist, der nur in einem gesunden Körper gedeiht. Dabei wirkt die Inschrift vor dem tempelartigen Gebäude verheißungsvoll: „Für das Beste der leidenden Menschheit, erbaut im Jahr 1787“. Dorthin führen alle Wege durch den herrlichen Park in der eigenwilligen Form einer Bischofsmütze: Die Rede ist von Bad Bocklet, das kleinere vom Bad Kissinger Bahnhof mit dem Bus zu erreichende Kurbad. „Die Balthasar-Neumann-Quelle ist reich an zweiwertig-aktivem Eisen, Kalzium und weiteren, wertvollen Mineralien, sie ist die konzentrierteste Eisenquelle in Deutschland überhaupt“, erklärt Magirius. Und wie alle anderen vorgeschlagenen Zielorte ist sie in einem Tagesausflug ab Südbahnhof mit Zug und dann Bus, Fahrrad oder zu Fuß erreichbar.

„Frankenfreude“ ist im Verlag Echter erschienen und im Buchhandel für 14 Euro erhältlich.

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