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Von einem, der auszog, um anderen zu helfen

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Von: Michelle Spillner

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Klaus Weisbecker überlässt vier Geflüchteten aus der Ukraine sein Haus. Nachschlüssel hat er für sie angefertigt, sogar Lehrbücher Deutsch-Ukrainisch gekauft und heute ist der Einzugstermin. Aber er hat gemerkt: Helfen ist gar nicht so einfach, es gibt vieles zu beachten.
Klaus Weisbecker überlässt vier Geflüchteten aus der Ukraine sein Haus. Nachschlüssel hat er für sie angefertigt, sogar Lehrbücher Deutsch-Ukrainisch gekauft und heute ist der Einzugstermin. Aber er hat gemerkt: Helfen ist gar nicht so einfach, es gibt vieles zu beachten. © Michelle Spillner

Wie ein Frankfurter sein Haus für Flüchtlinge räumte und fast scheiterte

Frankfurt -Klaus Weisbecker (75) ist erleichtert. Vor drei Tagen sah es noch so aus, als würden vier Frauen, die aus Kiew vor dem Ukraine-Krieg geflüchtet sind, von heute an auf der Straße sitzen, obwohl er ihnen sein Haus zum Wohnen angeboten hatte. Er wartete vergeblich auf eine Rückmeldung des Sozialamtes auf sein Unterbringungsangebot und entwickelte schon einen gehörigen Ärger. Dann stellte sich heraus: Es gab im Prozedere ein Missverständnis, das mit der Nachfrage durch unsere Zeitung schnell aufgeklärt werden konnte. Weisbeckers Zorn hat sich daraufhin in Lob für das Sozialamt gewandelt: "Jetzt ist die Kuh vom Eis. Die Frauen können heute in mein Haus einziehen. Alles hat nun beim Sozialamt schlagartig funktioniert. Das war beispielhaft." Seine Erfahrung ist ein Beispiel dafür, dass es gar nicht so einfach ist, zu helfen, wenn man sich nicht auskennt. Helfen kann frustrierend sein.

Ende gut,

alles gut

Da Weisbecker mehr Zeit im Haus seiner Partnerin verbringe als bei sich, hatte er sich gedacht, "dann ziehe ich ganz zu ihr, wir schränken uns eben entsprechend ein, um Menschen aus der Ukraine zu helfen, weil diese Hilfe wichtig ist." Er sei also bereit, Menschen unbefristet seinen persönlichen Bereich zur Verfügung zu stellen, und dann fahre ihm die Stadt in die Parade, "durch Nichtstun", ärgerte er sich noch am Montag. Und es war Eile geboten: Vier Flüchtlinge durften nur noch bis heute in ihrer Übergangsunterkunft in einem Hotel bleiben. Klaus Weisbecker hatte für sie alles vorbereitet: Die Betten in den beiden Schlafzimmern frisch bezogen, Schrankfächer geräumt, zwei Kleiderständer dazugestellt. Das Haus bietet "alles, was man eben so hat", zeigt der pensionierte Gymnasiallehrer: Möbel, Geschirr, Fernseher, Internetanschluss, Garten, Balkon, Bad, Küche, Putzmittel, Waschmaschine und Trockner im Keller bis hin zu Dosenravioli und Nudeln, die gerne gegessen werden dürfen. "Es ist alles da", sagt er. Natürlich ist das so, weil Klaus Weisbecker ja bis jetzt selbst in dem Haus wohnte.

Vier Frauen, zwei Katzen und ein Hund

Schon Mitte März hatte er sein unbefristetes Wohnangebot für Geflüchtete aus der Ukraine beim Evangelischen Verein für Wohnraumhilfe gemeldet. "Da kam auch jemand vorbei und hat geschaut, ob das hier alles passt - was ja gut ist - und für gut befunden", schildert Weisbecker. Dann meldete er sein Angebot auf der Plattform nebenan.de, und so fanden Weisbecker und die Frauen in Not zueinander: zwei Mütter im Alter von 53 und 68 Jahren aus Kiew, die sich kennen, mit ihren Töchtern (24 und 46 Jahre alt) - eine von ihnen ist im siebten Monat schwanger. Und einen Hund und zwei Katzen haben sie auch dabei. "Sie sind hergekommen, haben sich alles angeschaut. Es gefällt ihnen", schildert Weisbecker. Und sie vereinbarten den heutigen Donnerstag als Einzugstermin. Dem Wohnhilfeverein meldete er, dass er nun Mieter habe, worauf der Verein das Angebot aus der Kartei genommen hat.

Vergangene Woche dann hat Weisbecker beim Sozialamt der Stadt das Mietbedingungsangebot eingereicht und alle Fragen ordentlich beantwortet: Haus, Baujahr 1956, 90 Quadratmeter, 3 Zimmer, Küche, Bad, unterkellert, mit Garten und allen Küchengeräten von Kaffeemaschine über Herd bis Wasserkocher; Gasheizung und was man noch alles angeben muss. 750 Euro Miete hat er an der entsprechenden Stelle eingetragen, die auf zwei Parteien - da es ja nicht verwandte Mieter sind - zu 350 und 400 Euro aufgeteilt würden. Dazu kommen insgesamt 100 Euro Neben- und Heizkosten.

Aber die Zusage der Kostenübernahme vom Sozialamt kam nicht, und Weisbecker wusste nicht, was er nun tun sollte. Sollte er die Damen einziehen lassen und dann eventuell erleben, dass er der Gelackmeierte ist, weil das Sozialamt die Kosten nicht übernimmt? Oder sollte er die Damen im Regen stehen lassen? Er ärgerte sich darüber, dass persönliches Engagement durch die Mühlen der Bürokratie gebremst oder gar gestoppt werde. Und: "Es ging mir vor allem um eine Lösung für die Frauen." Gut, dass er sich bei unserer Zeitung gemeldet hat und sich nun geklärt hat, woran es hing (siehe Box), sonst hätten die Geflüchteten von heute an keine Bleibe mehr gehabt, Weisbecker hätte sich noch mehr geärgert - und dem Jugend- und Sozialamt Unrecht getan. michelle spillner

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