Im Bahnhofsviertel in Frankfurt sind Drogen und Kriminalität keine Seltenheit. (Archivbild)
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Im Bahnhofsviertel in Frankfurt sind Drogen und Kriminalität keine Seltenheit. (Archivbild)

Junkies, Dealer und Prostitution

Neue Drogenszene in Frankfurt: Verschiebt sie sich in ein anderes Viertel?

  • VonGernot Gottwals
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Anwohner des Gutleutviertels in Frankfurt haben Angst, dass sich Drogenszene und Kriminalität aus dem Bahnhofsviertel zu ihnen verlagern. Die Polizei nimmt Stellung.

Frankfurt – Seit gut einem Jahr fühlt es sich für Bewohner des Gutleutviertels so an, als würden sich Frankfurter Sicherheitsprobleme verlagern und bei ihnen konzentrieren. Ein Brennpunkt: der Schönplatz, wo sich Kinder mit Wohnsitzlosen, Drogendealern und rücksichtslosen Autofahrern den Raum teilen müssen. Zwar betonen Polizei und Präventionsrat, es gebe keine Verlagerung von Kriminalität vom Frankfurter Bahnhofsviertel ins Gutleutviertel, doch jetzt luden beide und das Nachbarschaftsbüro in die Werner-von Siemens-Schule zum Sicherheitsgespräch mit über 70 Bewohnern und Stadtteilpolitikern ein.

Wobei illegales Graffiti, wilder Sperrmüll, Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie Fahrraddiebstähle rund um den Schönplatz inzwischen auch Bahnhofspersonal auffallen, wie ein Mitarbeiter des Security-Managements der Deutschen Bahn betonte. Mehrere Anwohnerinnen berichteten, hochprozentiges werde nahezu durchgehend in großen Mengen getrunken, mit Drogen gedealt.

Frankfurt: Polizeikontrollen und Festnahmen gegen Drogendealer

"Oft muss ich meine Tochter vor Glasscherben in Sicherheit bringen. Und als Radlerin gefährden mich rücksichtslos fahrende und parkende Autos", klagte eine Mutter. Den Kindern werden immer mehr Platz und Spielgeräte genommen. "Da die kleineren Ecken den Gästen des Kiosks nicht genügten, wurde der Platz zur Hälfte zwischen ihnen und den Kindern aufgeteilt", bestätigte Antje Arold-Hahn, ehemalige Kinderbeauftragte im Ortsbeirat 1.

"Gegen die Drogendealer gab es mehrfach Kontrollen und Festnahmen durch Polizisten in Uniform und Zivil", erklärte Tarik Chaikhoun, Schutzmann vor Ort. Auch sonst habe man das Verhalten durch suchtkranke Menschen im Blick und könne zeitnah eingreifen. "Aber wir können nicht an jeder Ecke einen Schutzmann abstellen, auch Platzverweise sind nur das letzte Mittel", betonte Chaikhoun.

Polizei in Frankfurt äußert sich zu Ängsten der Anwohner im Gutleutviertel

"Verglichen mit dem Bahnhofsvorplatz ist der Schönplatz nicht das Hauptproblem. Bewohner in prekären Situationen gehören zum Platz und zum Viertel und sollten integriert werden", forderte ein anderer Nachbar. Quartiersmanagern Amanda Bruchmann warb für eine bessere Einbindung dieser Gruppen etwa bei Putz- und Verschönerungsmaßnahmen. Auch am Rottweilerplatz und Mainufer wurde über vermehrte Einbrüche, illegale Geschäfte und Raser geklagt, ein Bewohner des Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrums beschwerte sich über lautstarke Besucher des Tanzhauses West.

"Das Gutleutviertel liegt zwischen dem schwierigen Bahnhofsumfeld und vielbefahrenen Verkehrsachsen, darunter leidet die Wohnlichkeit", stellt Stefan Zerch fest, Moderator vom Amt für Multikulturelle Angelegenheiten. Mehrere Anwohner forderten ein Sicherheitskonzept, zumal die illegale Straßenprostitution auch in der Wurzelsiedlung zunehme und die Werftstraße nahe des Lokals Deutscher Michel in "Anarchie verfalle", wenn Partygäste aus anderen Stadtteilen kämen.

Polizeibeamter über Frankfurter Drogenproblem: „Konzepte brauchen fünf bis zehn Jahre“

"Eine generelle Sperrstunde ist nicht möglich und muss individuell für die Lokale geregelt werden", erklärte Peter Bühner, stellvertretender Leiter der Stadtpolizei. "Ordnungskräfte gehen die Probleme aktuell vor Ort an, Politiker und Stadtplaner brauchen für Konzepte einen Zeitrahmen von fünf bis zehn Jahren", so Klaus Strittmatter, ehemaliger Polizeibeamter und Geschäftsführer des Präventionsrats Frankfurt.

Für seine Bekräftigung, es gebe keine nennenswerte Verdrängung von Problemen und Kriminalität aus dem Bahnhofsviertel, gab es heftige Einsprüche aus dem Plenum. Spätestens dann, wenn Polizisten die Verantwortung auf Vermieter und Mieter abschöben, weil vertriebene Dealer sich für ihre Geschäfte in deren Hinterhöfe im Gutleutviertel zurückziehen, höre jedes Verständnis auf.

Die Veranstaltung endete mit dem Versprechen einer Evaluierung der Beschwerden und dem Aufruf von Ortsvorsteher Michael Weber (CDU), Probleme auch im Ortsbeirat vorzutragen. "Bei weiteren Gesprächsrunden sollten auch wir auf dem Podium vertreten sein", forderte seine Stellvertreterin Petra Thomsen. (got)

Erst kürzlich widmeten sich zwei Anfragen der FDP demselben Thema. Das Ergebnis: der Drogentourismus im Frankfurter Bahnhofsviertel floriert.

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