Gregor Praml ist nicht nur ein gefragter Bassist, sondern auch ein kultureller Tausendsassa. Morgen, 11. März, feiert auf dem Youtube-Kanal der Fabrik in Sachsenhausen sein Musikvideo zum 100. Geburtstag von Astor Piazzolla Premiere. Beginn ist um 20 Uhr. Foto:
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Gregor Praml ist nicht nur ein gefragter Bassist, sondern auch ein kultureller Tausendsassa. Morgen, 11. März, feiert auf dem Youtube-Kanal der Fabrik in Sachsenhausen sein Musikvideo zum 100. Geburtstag von Astor Piazzolla Premiere. Beginn ist um 20 Uhr. Foto:

Hommage an einen Tango-Pionier im Nordend

Von neuen Saiten in diesen Zeiten

  • vonDetlef Kinsler
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Bassist Gregor Praml entdeckt die digitale Welt für sich.

Der Name Praml hat in der Frankfurter Kulturlandschaft einen guten Klang. Vater Willy bespielt mit seinem Ensemble seit dem Jahr 2000 die Naxoshalle und nutzt das Industrie-Ambiente für Raum-, Körper- und Sprach-Theater. Seinen Sohn Gregor lobte die künstlerische Leiterin der Fabrik in Sachsenhausen jüngst als einen "interdisziplinär arbeitenden Künstler". Als Musiker sorgte Gregor Praml mit der mehrfach ausgezeichneten Gruppe Mi Loco Tango für Furore, mit dem Trio tri.of.us führte Praml den Piano-Jazz in neue Sphären. Als Journalist bestückt der gebürtige Frankfurter im Team von hr2-Kultur zum Beispiel die allabendliche Stunde "Musik grenzenlos" in der Sendung "Hörbar". Just im Januar konnte er HR-Bigband-Manager Olaf Stötzler überzeugen, die Songwriterin Fee für einen Auftritt einzuladen. Gerade im Lockdown, in dem die Menschen nach Live-Musik darben und nur zu gerne wieder Clubs und Konzerthallen besuchen würden, ist Kreativität im Netz besonders gefragt.

Premiere in der IGS

"Eigentlich war ich im Frühjahr 2020 gerade sehr erfolgreich mit einer neuartigen Konzert-Lesung ,In Auschwitz gab es keine Vögel' unterwegs", erinnert Praml an den Beginn der Corona-Krise. "Gemeinsam mit der Autorin Monika Held hatte ich ein Format zwischen Lesung und Konzertereignis für Schulen entwickelt, das auf Basis ihres Romans ,Der Schrecken verliert sich vor Ort' mit Kompositionen für Kontrabass mit Loops und Effekten entstanden war." Die Premiere fand in der IGS Nordend statt, danach waren sie schon an vielen Schulen in ganz Hessen zu Gast.

"Mit dem ersten Lockdown kam dann erst einmal die Vollbremsung", bedauert der 46-Jährige. Davon betroffen war ebenso sein monatlicher Termin "The LOKAL Listener" im Künstlerhaus Mousonturm. "Ich habe dennoch schnell einen Weg gefunden, auch in der digitalen Welt einen Platz zu finden." Zwei Mal konnte er in der Phase der Lockerungen den Gastgeber vor Publikum und zu den gültigen Hygiene-Standards geben. Aktuell wird die nächste Ausgabe mit dem Jazzsaxofonisten Heinz-Dieter Sauerborn am 21. März digital aus dem Mousonturm live gestreamt.

Sessions und Gespräche

Zusammen mit Christian Richter, der die kleine, feine Konzertreihe "Sugar Mama Sessions" im gleichnamigen Café in der Nähe der Alten Brücke ins Leben rief, realisiert er zudem monatlich Gespräche mit Künstlern unter dem Namen "9PM" via Instagram. Und für das Programm der Fabrik im Mittleren Hasenpfad produziert er Videos, die auf dem YouTube-Kanal des Kulturwerks Uraufführung feiern.

Am 11. März darf man sich dort über eine Hommage zum 100. Geburtstag des Tango-Nuevo-Pioniers Astor Piazzolla freuen. Praml schwärmt "von der Magie, die seine Stücke und Melodien umgibt". Auf deren Spur begibt er sich nun mit der Schauspielerin und Sängerin Katharina Bach, Vassily Dück (Akkordeon), Laurent Weibel (Violine) und Andreas Hepp (Marimba). Fabiana Jarma und Julio Gordillo (Academia de Tango) unterstützen die Fünf bei "Yo Soy Maria" aus der Oper "Maria de Buenos Aires" tänzerisch. Praml brennt darauf, noch viele neue Projekte an den Start zu bringen, quasi neue Saiten aufzuziehen.

Praml lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern mitten im Nordend, zwischen Eckenheimer- und Friedberger Landstraße. Der passende Ort für einen Netzwerker wie ihn. "Ich bin von Hause aus sehr Gastronomie-affin. Meine Großeltern hatten in Bayern immer große Gasthäuser und ich habe es geliebt, hinter dem Tresen zu stehen und Bier auszuschenken", erzählt er. "Bis heute sitze ich gerne in Kneipen und Bars, weil dort viel Kommunikation möglich ist." Das Viertel sei ihm und seiner Familie zum Zuhause geworden. "Egal ob am Matthias-Beltz-Platz, auf der Berger Straße oder am Fein-Kiosk, der aber genau genommen knapp hinter der Stadtteilgrenze liegt - ich bin überglücklich über die Möglichkeiten, die mir dieser Stadtteil bietet."

Er hoffe, das Nordend bleibe so bunt. "Aber was die Mietpreise gerade tun, ist die völlig falsche Richtung." DETLEF KINSLER

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