1. Startseite
  2. Frankfurt

Vor 100 Jahren begann Ludwig Erhard sein Studium am Main

Erstellt:

Kommentare

Ludwig Erhard 1963 in Bonn. Der erste Wirtschaftsminister im Nachkriegsdeutschland und zweite Bundeskanzler steht wie kaum ein anderer für eine Ära deutscher Wirtschaftspolitik.
Ludwig Erhard 1963 in Bonn. Der erste Wirtschaftsminister im Nachkriegsdeutschland und zweite Bundeskanzler steht wie kaum ein anderer für eine Ära deutscher Wirtschaftspolitik. © picture alliance / dpa

Der Altkanzler promovierte auch in Frankfurt

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Ludwig Erhard (1897-1977) einer der wichtigsten Männer der Bundesrepublik. Sein Wissensfundament über die Wirtschaft baute er auch in Frankfurt auf. Denn vor genau 100 Jahren, am 4. November 1922, immatrikulierte sich der spätere Wirtschaftsminister und Kanzler an der Universität der Mainstadt, um Betriebswirtschaftslehre und Soziologie zu studieren.

Erhard hatte sich für Frankfurt entschieden, weil es weder in Erlangen noch in Nürnberg damals möglich war, ohne Abitur promoviert zu werden. In Frankfurt begann Erhard, sich für Nationalökonomie zu interessieren. Auf diese Weise begegnete Erhard auch seinem späteren Doktorvater Franz Oppenheimer, der der Ordinarius für Soziologie und theoretische Nationalökonomie war. Erhard schrieb über die Zeit, dass es Glück gewesen sei, „schon bald zu dem engen Kreis“ von Oppenheimer gezählt zu haben.

Es müssen sehr enge Bande gewesen sein, denn zum Ende seines Promotionsstudiums wurde es ungewöhnlich: Im Sommer 1924 gab Erhard seine Arbeit mit dem Titel „Wesen und Inhalt der Werteinheit“ ab. Neun Monate später lud ihn sein Doktorvater mit einer Postkarte zu einer Bergwanderung in die Schweiz ein. Diese nahm Erhard im Februar 1925 an. „Die Disputatio fand auf einer Bergwanderung statt, das war in der Tat eine Besonderheit“, schreibt der Archivar der Goethe-Universität, Dr. Michael Maaser. Dass diese in der Schweiz ohne Dekan stattfand, war auch eigentlich gleichzeitig ein Verstoß gegen die Promotionsordnung. Eine Erklärung, warum es so lange gedauert hatte (neun Monate) bis Oppenheimer Erhard einlud, ist in der Literatur nicht zu finden. Am 15. Dezember 1925 wurde Erhard in Frankfurt offiziell zum Dr. rer. pol. promoviert.

Zuvor studierte Erhard von 1919 bis 1922 an der Handelshochschule in Nürnberg. Dort schloss er als Diplom-Kaufmann ab. „Diplomkaufmann zu werden war gar nicht meine Absicht, und das Studium hat mir auch in den Anfängen nicht sehr viel bedeutet“, schrieb Erhard in den Sechzigern. An der Hochschule lernte er auch seine spätere Ehefrau Luise Schuster kennen. Nach einem Semester in Erlangen zog es Erhard nach Frankfurt.

Von 1949 an war „der Dicke“ erster Wirtschaftsminister nach dem Krieg. Mit seiner Unterstützung der Sozialen Marktwirtschaft und dem Ziel „Wohlstand für alle“ gilt der Christdemokrat vielen als Schöpfer des deutschen Wirtschaftswunders. Seinen politischen Karrierehöhepunkt erlebte Erhard von 1963 bis 1966 als Kanzler. In dieser Zeit schrieb er 1964 über seinen Doktorvater: „Ich werde glücklich sein, wenn die soziale Marktwirtschaft - so vollkommen oder so unvollkommen sie auch sein mag - weiter zeugen wird auch für das Werk, für den geistigen Ansatz der Gedanken und die Lehre von Franz Oppenheimer.“

Auch interessant

Kommentare