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Mit der Wiederentstehung des Hühnermarkts kehrte auch Stoltze zurück an seinem angestammten Platz.

Geschichte

Vor 125 Jahren wurde das Frankfurter Stoltze-Denkmal eingeweiht

  • vonJürgen Walburg
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Er war Frankfurts mutiger Freiheitskämpfer, streitbarer Demokrat, gefürchteter Satiriker und populärer Mundartdichter: Friedrich Stolze. Am 21. November vor 125 Jahren wurde sein Denkmal zwischen dem Frankfurter Dom und dem Römer eingeweiht.

Der Hühnermarkt ist das Herz der Ende September 2018 festlich eröffneten neuen Frankfurter Altstadt. Auf dem traditionsreichen Platz am historischen Krönungsweg zwischen Kaiserdom und Römer steht auch wieder der Denkmalbrunnen zu Ehren des Schriftstellers Friedrich Stoltze (1816-1891). Frankfurts mutiger Freiheitskämpfer, streitbarer Demokrat, gefürchteter Satiriker und populärer Mundartdichter wurde im Gasthaus "Zum Rebstock" geboren, wenige Meter vom Hühnermarkt entfernt. Heute vor 125 Jahren, am 21. November 1895 (Stoltzes Geburtstag), wurde das Denkmal eingeweiht.

Denkmal überstand den Feuersturm des Zweiten Weltkriegs

Die Frankfurter Altstadt mit ihren rund 1000 Fachwerkhäusern war eine der schönsten in Deutschland. Bis zum März 1944. Bei den verheerendsten Bombenangriffen auf Frankfurt im Zweiten Weltkrieg ging das historische Zentrum der Stadt im Feuersturm unter. Inmitten der Trümmerberge am Hühnermarkt stand 1945 das nahezu unversehrte Stoltze-Denkmal. Der Blick des Bronze-Poeten ging ungehindert hinüber zur Ruine der Paulskirche, wo 1848 die erste deutsche Nationalversammlung tagte. Mit ihr hatte Stoltze viele Hoffnungen verknüpft und war am Ende schwer enttäuscht worden vom Scheitern des Parlaments.

In den 1950er Jahren wurde das Stoltze-Denkmal abgebaut und eingelagert. 1981 ließ die Stadt das zuvor vom Frankfurter Bildhauer Edwin Hüller restaurierte Kunstwerk auf dem unscheinbaren Platz hinter der Katharinenkirche aufstellen. Zugleich wurde der bis dahin namenlose Platz nach Friedrich Stoltze benannt. Dieser Standort war durchaus passend gewählt, war die Katharinenkirche doch das Gotteshaus der Familie Stoltze. Hier wurde Friedrich getauft und konfirmiert, hier heiratete der Schriftsteller 1849 seine Frau Marie.

Zurück ins Zentrum der Stadt Frankfurt

Den Weg aus dem versteckten Denkmal-Dasein zurück ins Zentrum ebnete der Beschluss des Römer-Parlaments, die Altstadt mit insgesamt 35 rekonstruierten und neuen Häusern zu bebauen. Voraussetzung für die Realisierung dieser Pläne war der Abriss des Technischen Rathauses aus den 1970er Jahren. Der wuchtige Betonklotz hatte fast 40 Jahre lang den Hühnermarkt unter sich begraben, jetzt konnte der Platz nach historischem Vorbild neu entstehen.

Sechs mittelalterliche Fachwerkhäuser wurden am Hühnermarkt originalgetreu rekonstruiert, das Stoltze-Denkmal kam an seinen ursprünglichen Standort zurück - nach vorhergehender Schönheitskur beim Restaurator Hans-Michael Hangleiter im Odenwald. Am 29. September 2017 weihte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) den runderneuerten, wieder fließenden Brunnen ein.

Wenn das Stoltze-Denkmal heute 125 Jahre alt wird und niemand feiert, dann liegt das an der Corona-Pandemie. Noch vor vier Jahren, zum 200. Geburtstag Friedrich Stoltzes, hat die Stadt ihren prominenten Bürger auf vielfältige Weise hochleben lassen. Für 2020 hatte das Stoltze-Museum der Frankfurter Sparkasse, das seine neue Heimat ebenfalls in der Altstadt gefunden hat, eine Ausstellung über den Denkmalbrunnen geplant. Museumsleiterin Petra Breitkreuz hatte Ausstellung und Begleitheft im März fertig, wollte am 20. April eröffnen. Doch daraus wurde nichts, denn das Museum ist wegen Corona seit dem Frühjahr geschlossen.

Er galt als eine moralische Instanz

Verdient hat der Schriftsteller die Würdigung allemal. Petra Breitkreuz: "In seiner Heimatstadt und darüber hinaus galt Friedrich Stoltze als moralische Instanz. Seine Stellungnahmen zu Problemen der Zeit waren gefragt und wurden gehört." Die Frankfurter verehrten ihn schon zu Lebzeiten, sprach er ihnen doch aus der Seele.

Vor allem in seiner satirischen Wochenzeitschrift "Frankfurter Latern" schreckte er vor niemandem und nichts zurück, attackierte mit beißendem Spott und präzisen Analysen. Seine bekanntesten Verse hat er im Juli 1880 als Willkommensgruß für die Teilnehmer und Zuschauer des 5. Deutschen Turnfests veröffentlicht. Stoltze, selbst ein begeisterter Turner, hat im Gedicht "Frankfurt" gereimt: "Un es will merr net in mein Kopp enei: Wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!"

Weil Stoltze so populär war, brachte der Bezirksverein Alt-Frankfurt am 70. Geburtstag des Dichters im Jahr 1886 eine Gedenktafel an seinem Elternhaus an. Hier hatte der junge Stoltze seinem Vater, Wirt im Gasthaus "Zum Rebstock", oft als Kellner geholfen, um "zuhörn zu derfe bei dene Demagogenversammlungen". Im Lokal trafen sich Liberale und Demokraten des sogenannten Vormärz. Das Gasthaus wurde 1904 beim Durchbruch der Braubachstraße abgerissen.

Halb Frankfurt zog bei seiner Beerdigung zum Hauptfriedhof

Friedrich Stoltze starb am 28. März 1891 im Alter von 74 Jahren in seinem Wohnhaus im Grüneburgweg 128. Zur Beerdigung drei Tage später zog halb Frankfurt mit Oberbürgermeister Franz Adickes an der Spitze vom Westend zum Hauptfriedhof. In der trauernden Menschenmenge war auch eine berühmter Nachbar Stoltzes: der Arzt und Struwwelpeter-Autor Heinrich Hoffmann (1809-1894). Das Stoltze-Museum und das Struwwelpeter-Museum sind sich heute in der neuen Altstadt ganz nah.

Bereits wenige Wochen nach Stoltzes Tod regte der Bezirksverein Alt-Frankfurt den Bau eines Denkmals an. In einem Aufruf heißt es: "Dem treuen Sohne und Bürger Frankfurt's, dem hervorragenden Dichter und Humoristen, dem freigesinnten deutschen Patrioten soll ein würdiges Denkmal entstehen, ihm zu Ruhm und dauerndem Gedächtniß, der Vaterstadt zur Zierde und zum Zeugniß ihrer Verehrung und Dankbarkeit."

Zuschlag für Frankfurter Bildhauer

Drei Wettbewerbs-Entwürfe wurden dem Denkmal-Ausschuss eingereicht. Die Experten entschieden sich für den Vorschlag des Frankfurter Bildhauers Friedrich Schierholz (1840-1894). Sein Kunstwerk im Stil der Neo-Renaissance steht auf einem dreiseitigen Sandsteinsockel mit drei Wasserbecken in Form von Muscheln, in die drei Bronzetauben Wasser sprühen. Drei Relieftafeln und die Büste Stoltzes auf einer Säule aus rotem Mainsandstein wurden ebenfalls aus Bronze angefertigt. Am 23. Oktober 1894 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, den Brunnen auf dem Hühnermarkt aufzustellen.

Obwohl die Bombenangriffe das Stoltze-Denkmal verschonten, hätte es den Zweiten Weltkrieg dennoch beinahe nicht überstanden: Auch dieses Kunstwerk stand auf der langen Liste der möglichen "Metallspenden des deutschen Volkes". Eine Kommission um Nazi-Oberbürgermeister Friedrich Krebs entschied schließlich, das Denkmal zu erhalten, "weil es heimatlichen Wert" habe. Dagegen wurden 1940 die drei aus Bronze gegossenen überlebensgroßen Figurengruppen des Einheitsdenkmals vor der Paulskirche eingeschmolzen. Sie sind bis heute nicht ersetzt worden.

Das Stoltze-Denkmal vor der Zerstörung der Altstadt im Zweiten Weltkrieg.
Stoltze schaut fast unversehrt aus den Trümmern der Altstadt hervor.

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