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Als gäbe es kein Corona: Am Samstagabend bevölkerten Heerscharen das Bahnhofsviertel, hier vor dem Kultkiosk Yok-Yok in der Münchener Straße. Während die Stadtpolizei am Freitagabend noch Abstände und Maskenpflicht intensiv kontrolliert hatte, war sie am Samstag stadtweit kaum zu sehen.

Gedränge in Frankfurt

Vor dem Kneipen-Lockdown fliegen wieder Flaschen und Steine auf Polizisten

  • vonSabine Schramek
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Am vorerst letzten Party-Wochenende überschreiten viele Feierwütige in Frankfurt etliche Grenzen. Die Polizei nimmt neun Personen fest.

Frankfurt - Massentrinken dicht an dicht auf der Münchener Straße im Bahnhofsviertel und Gewaltszenen, die an die Ausschreitungen auf dem Opernplatz erinnern, in der Innenstadt. Das letzte Wochenende vor dem vierwöchigen „Lockdown Light“ treibt bitterböse Blüten. In Alt-Sachsenhausen haben viele Wirte vorsorglich früher geschlossen als sie mussten.

Gewalt vor dem Teil-Lockdown in Frankfurt: Steinwürfe, Pfefferspray und Flaschenwürfe

Am Freitagabend wurde eine Polizeistreife mit Steinwürfen, Pfefferspray und Flaschenwürfen auf der Zeil angegriffen, als sie einen Streit geschlichtet hat. Ein Beamter wurde dabei verletzt.

Am Samstagabend ging die Aggression weiter. Menschenmassen an der Hauptwache, in der Brönnerstraße und auf der Zeil. Die Stimmung ist angespannt. Geparkte Autos in der Innenstadt kommen aus ganz Hessen und aus Bayern. Vierspurig geparkt in der Brönnerstraße. „Bruda, was willst du?“, „Haut ab!“, „Hurensöhne!“, rufen angetrunkene Männer in schwarzen Parkas mit Fellkragen und Flaschen in der Hand den Beamten zu. Sie pfeifen, brüllen und provozieren. Chinaböller krachen, Leute schreien, rennen angstvoll weg. Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten kreisen Grüppchen ein, nehmen einzelne Männer rund um die Hauptwache fest. Sie werden ausgebuht. Es sind Hunderte, die versuchen, sich zusammenzutun. Es gelingt nicht. „Gehen Sie lieber weg. Das ist richtig gefährlich hier. Glauben Sie mir“, sagt ein Mann im Parka freundlich zu einigen Frauen. Sie gehen zurück.

Gewalt vor dem Kneipen-Lockdown: „So etwas kenne ich nicht in Frankfurt“

„So etwas kenne ich nicht in Frankfurt. Ich verstehe nicht, warum die Leute alles noch schlimmer machen, als es ohnehin schon ist. Ja, der neue Lockdown ist schlimm, und die Leute sind sauer, aber hier sieht man, warum er nötig ist. Bei solchen Szenen dauert er doppelt so lange“, sagt der Mann. „Am Opernplatz hat die Eskalation es ja gezeigt, dass es schlimmer wird, und wieder kommen alle nach Frankfurt, um Stunk zu machen. Ich verstehe die Welt nicht mehr.“

Kaum ausgesprochen, werden einige Polizisten angespuckt. Andere versuchen, die Einsatzleitung zu provozieren. Immer näher treten vermeintlich ruhige Männer an die Beamten und wollen diskutieren. Sie werden mit unmissverständlich scharfem Ton weggeschickt. Mitten auf der Zeil verwässern drei große Blutlachen im Regen. Die Spuren einer Schlägerei. Vor Clubs stehen Leute dicht an dicht, wollen feiern. Das klappt auch. Wenn sich Polizei nähert, wird innen zweimal kurz mit dem Licht geblinkt. Das Tanzen hört auf. Wenn die „Luft rein ist“, blinkt es wieder zweimal, die Partygäste tanzen weiter.

Frankfurt: Die Stadtpolizei scheint sich zurückzuziehen

Wo am Freitag noch unzählige Stadtpolizisten in der Innenstadt kontrollieren, ob Masken getragen werden, sind sie am Samstag nirgendwo in der Stadt zu sehen. Weder tagsüber noch abends.

In Alt-Sachsenhausen schließen viele Lokale um 23 Uhr, obwohl die Sperrfrist aufgehoben ist. Die „Klapper 33“ bleibt offen, überprüft penibel die Zahl der Besucher und deren Daten. Ein Mann wird sauer, weil er nicht rein darf. Er schreit den Türsteher an: „Du Nazi, du Faschist! Heil Hitler!“ Er rennt weg. Ein Gast, der es mitbekommen hat, nimmt seine Jacke von der Garderobe, verfolgt ihn kurz danach, um ihn zu stellen. Der Mann entkommt. Auf der Kleinen Rittergasse prügeln sich zwei Männer, eine Glasflasche fliegt und zerspringt auf dem Kopfsteinpflaster. Die Männer werden von einem beherzten Gast getrennt.

Im Bahnhofsviertel sind die Lokale auf der Kaiserstraße nur spärlich mit Gästen besetzt. Mindestens 100 Straßenprostituierte belagern hier und in der Elbestraße Hauseingänge und Straßenecken und warten auf Kundschaft. In der Münchener Straße ist es voll.

Frankfuer: Feiern, als gäbe es kein Corona

Vor dem Kult-Kiosk Yok-Yok stehen Hunderte dicht an dicht, trinken und lachen, als gäbe es kein Corona. Auch die Nachbarlokale sind voll. Auch hier ist keine Stadtpolizei unterwegs, um die Maskenpflicht zu kontrollieren.

Die Feuerwehr rückt mit mehreren Einsatzfahrzeugen und Blaulicht an. Fehlalarm. In der Moselstraße verfolgen zwei Polizisten einen roten Golf aus Offenbach und stoppen ihn. Drogenkontrolle bei der Fahrerin. In der Innenstadt bleibt die angespannte Stimmung. Trotz Regens. Junge Leute torkeln über die Zeil und schreien und rempeln sich an. Nicht mehr in Großgruppen. Die Polizei hat ganze Arbeit geleistet mit neun Festnahmen. (Sabine Schramek)

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