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Ruth Stoll und Jana Heusel halten Papiertüten bereit, während Ursula Steuer (von links) selbst eine Stofftasche dabei hat.

Aktion Stofftasche statt Plastiktüte in Oberrad gestartet

Vorbildliche Marktbesucher: Stoff statt Plastik

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Wer auf dem Wochenmarkt einkauft, ist oft ohnehin schon an Nachhaltigkeit interessiert. Viele der Kunden bringen auch in Oberrad schon eigene Stofftaschen oder Körbe mit zum Wochenendeinkauf. Mit einem gemeinsamen Projekt von Regionalrat, Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“ und den Frankfurter Marktbetrieben soll auch der Rest vom Verzicht auf Plastiktüten überzeugt werden.

„Im Vergleich gehört Oberrad sicher zu den sauberen Stadtteilen der Stadt“, sagt Regionalratsvorsitzender Frank Goldberg, als er seinen Blick über den Buchrainplatz schweifen lässt. Hier sieht es an diesem Ostersamstag aus wie im Vorstadtidyll, mit dem kleinen Wochenmarkt und seiner Handvoll Stände und den Kunden, die sich noch mit den letzten frischen Lebensmitteln für die bevorstehenden Feiertage eindecken. Viele von ihnen haben ihre eigenen Einkaufstaschen aus Stoff mitgebracht. Vorbildlich – obwohl viele gar nichts wussten von der gemeinsamen Aktion, die Regionalrat, Marktbetriebe und die Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“ für diesen Tag geplant haben. Sie machen Werbung für einen Einkauf ohne Plastiktüten, verteilen Flyer, die die Vorteile erklären und Stofftaschen für all jene Kunden, die einen Beitrag für die Umwelt leisten wollen.

„Wir sind heute mit unserem Stand vertreten, weil wir die Kunden zu nachhaltigem Einkaufsverhalten motivieren wollten“, sagt Stabsstellenleiterin Claudia Gabriel, die neben etlichen Stofftaschen auch einen Stapel mit Beuteln für Hundehinterlassenschaften und einen Korb mit streichholzschachtelgroßen Aschenbechern für unterwegs vor sich liegen hat. Zu dem Einkaufsverhalten, das Gabriel dabei vor Augen hat, gehört auch, dass die Menschen sich nicht an jedem Stand eine neue Plastiktüte geben lassen.

Die sind an diesem Tag zwar nicht verboten, aber dennoch ein eher seltener Anblick: Am Obst und Gemüsestand der Oberräder Gärtnerei Stoll wurde erst Anfang des Jahres zum großen Teil auf Papiertüten umgestellt. „An unseren Standorten in Wiesbaden versuchen wir die Kunden sogar seit einiger Zeit zu motivieren, ausschließlich eigene Gefäße und Taschen für die Einkäufe mitzubringen“, sagt Standchefin Ruth Stoll. Das funktioniere sehr gut, obwohl die Kunden faktisch nur mit einem kleinen Centbetrag fürs Mitbringen von Vorratsdosen und Taschen belohnt werden. „Uns zeigt es, dass ohnehin schon ein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet.“

Auch in Oberrad treffen Gabriel, Goldberg, und Thomas Tischler, von den Frankfurter Marktbetrieben (HFM) vor allem auf vorbildliche Kunden wie Brigitte Neckel, die mehrere Taschen, oder Marianne Schu, die sogar der Bequemlichkeit halber ein Einkaufstrolley mitgebracht hat. „Es ist einfacher praktisch, nach dem Einkaufen, nicht auch noch eine Menge Müll entsorgen zu müssen“, sagt Neckel, die sich auch wünschen würde, dass bei den Kaufhäusern in der Innenstadt mal ein Umdenken stattfindet: „Denn während ich mich auf meinen Besuch hier ja mit Taschen vorbereiten kann, tätige ich wie viele in der Stadt ja eher Spontankäufe und gehe doch wieder mit Plastiktaschen nach Hause.“

Trotz dieser positiven Tendenz hat Goldberg, dessen Idee der Aktionstag auf dem Markt gewesen ist, das Gefühl auch viele Menschen erreicht zu haben, die nicht immer über die Nachhaltigkeit ihres Verhaltens nachdenken: „Es sind trotz allem viele Taschen über unseren Tisch gewandert an Menschen, die uns auch auf die Aktion angesprochen und gelobt haben und doch die eigenen Einkaufstaschen zu Hause vergessen hatten.“ Claudia Gabriel würde sich wünschen, dass mehr lokale Initiativen wie Ortsbeiräte oder Vereine auf ähnliche Ideen kämen. „Für Aktionen dieser Art sind wir jederzeit offen“, betont auch Tischler von der Marktaufsicht, der zwar dafür sorgen kann, dass etwa bei den Weinständen richtige Gläser statt Plastikbecher ausgegeben werden, aber keinem Kunden sein Einkaufsverhalten vorgeben kann und will: „Das hindert uns aber nicht daran, regelmäßig mit solchen Aktionen, positiven Einfluss zu nehmen.“

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