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Vorm Apfelsaft ist Teamarbeit gefragt

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Von: Katja Sturm

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Und jetzt wird gepresst: Schüler der 2b der Zentgrafenschule übten sich auf dem Heiligenstock im Keltern.
Und jetzt wird gepresst: Schüler der 2b der Zentgrafenschule übten sich auf dem Heiligenstock im Keltern. © Enrico Sauda

Zentgrafenschüler war beim Verein Umweltlernen aktiv

An der Presse wird getanzt. „Da kommt der Apfelsaft!“, posaunen Lucas (8), Boris (8) und Hira (7) immer wieder in rhythmischem Sprechgesang heraus und hüpfen dazu wild herum. Dabei sind bislang nur ein paar Tropfen in dem bunten Becher angekommen, der unter dem Hahn steht. Der eigentliche Vorgang, bei dem aus der Maische, die aus gevierteltem Obst am Häcksler entstanden ist, per Muskelkraft die Flüssigkeit herausgequetscht wird, hat noch gar nicht angefangen. Anja Broszinski vom Verein Umweltlernen in Frankfurt muss die mechanische Apparatur noch präparieren, indem sie die Obstmasse zudeckt und mit verschiedenen Holzelementen beschwert. Dann kann das erste Kind mit der Arbeit beginnen und sich an der Kurbel ins Zeug legen.

Seit dem frühen Morgen sind die Schüler der Klasse 2b der Zentgrafenschule auf der Streuobstwiese auf dem Heiligenstock damit beschäftigt, einen eigenen Obstsaft zu keltern. Fast drei Stunden wird es dauern, vom Sammeln übers Schnippeln bis hin zum Häckseln und Pressen, bis sie das Ergebnis aus Äpfeln und Birnen probieren dürfen. „Schmeckt wie Cola“, wird dann ein Vorwitziger feststellen. Vermutlich, weil das Produkt auch ohne Zuckerzusatz sehr süß schmeckt. „Das sind die Birnen“, sagt Projektleiterin Barbara Clemenz. Die verleihen dem Ganze eine sanfte Nuance. Zudem haben die Trockenheit und die intensive Sonnenbestrahlung in den vergangenen Monaten zu besonders süßen Früchten geführt,

Zum dritten Mal bereits sind die Jungen und Mädchen mit ihrem Lehrer Dennis Gilbert draußen, um im Frankfurter Grüngürtel Neues zu entdecken, zu forschen und zu lernen. Im Frühling ging es um die Bäume, im Sommer um die Tiere, und an diesem Montagmorgen wird eben klimafreundlicher Saft hergestellt, ganz ohne Maschinen und den Verbrauch fossiler Energie.

Seit 2013 schon bietet der Verein solche lehrreichen Erlebnisse für Schulklassen und Kindertagesstätten an. Nach den starken Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie seien die Offerten umso beliebter, sagt Clemenz. Zu lange seien solche Ausflüge nicht möglich gewesen, bedauert Gilbert. Es mache einen riesigen Unterschied, ob man eine Pflanze oder ein Insekt auf einem Bild sehe oder in der Natur.

Im Sachkundeunterricht bereitete der Pädagoge seine Schützlinge auf die Herausforderung vor, besprach mit ihnen beispielsweise, wie eine Apfelblüte aussieht. Unter den Bäumen durften sie das Fallobst dann nicht nur aufsammeln, sondern auch nach Lust und Laune probieren.

Zum Waschen wurden die Übrigen per Zielwurf in einen großen Bottich befördert. „Wir haben immer versucht, Inseln daraus zu bauen“, beschreibt Henri die spielerische Komponente. Jetzt steht der Siebenjährige am Tisch und versucht, mit einem Messer die Früchte zu zerteilen. Obwohl er das zu Hause lieber seine Mutter überlässt, scheint ihm das richtig Spaß zu machen. Nur dass Broszinski immer wieder die Schüssel „klaut“, um sie bei der Mühle auszuleeren, ruft bei Henri lautstarke Proteste hervor.

Zweimal müssen die Betreuer zum Pflaster greifen, weil sich Kinder trotz vorheriger Einführung in die sichere Technik in die Finger schneiden. Gefährlich sehen die Wunden nicht aus. Aber man müsse da immer aufpassen, sagt Clemenz.

Wenn die Jungen und Mädchen beim nächsten Einkauf im Supermarkt nicht mehr zu Produkten aus weiter Ferne greifen, sondern lieber zu heimischen, ist viel erreicht. „Wir in Frankfurt mit unseren Streuobstwiesen brauchen wirklich kein Apfelsaftkonzentrat aus Südafrika“, sagt Clemenz.

Doch neben Nachhaltigkeit und gesunder Ernährung geht es an diesem Tag auch noch um etwas ganz anderes, was seit Beginn der Coronavirus-Krise gelitten hat: das Soziale. Apfelkeltern ist klassische Teamarbeit, und zusammen schmeckt’s am Ende auch viel besser. Katja Sturm

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