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Wachstum ja, aber nicht auf Kosten anderer

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Blick in das 5G Rechenzentrum von Vodafone in Rödelheim.
Blick in das 5G Rechenzentrum von Vodafone in Rödelheim. © christoph boeckheler*

Konzept für Rechenzentren liegt vor. Neubauten sollen nur im Umfeld bestehender erlaubt sein.

Frankfurt -Das Wachstum der Rechenzentren soll in Frankfurt geregelt werden, ohne die wichtige Zukunftsbranche auszubremsen. Das sieht das Rechenzentrumskonzept der Stadt vor, das nun vorliegt. Mit ihm soll sich die von Rechenzentren bebaute Fläche bis 2030 auf 135 Hektar noch mehr als verdoppeln können.

Diesen Bedarf erwartet die Branche selbst. 2020 waren in Frankfurt laut Stadt 64 große Rechenzentren auf 60 Hektar Fläche angesiedelt. In der Stadt gibt es den größten Internetknoten der Welt und, noch wichtiger, den größten Standort von Rechenzentren in Kontinentaleuropa, in denen sich Unternehmen direkt miteinander verbinden. Die Branche erwartet in den nächsten Jahren in Frankfurt das größte Datenwachstum im gesamten Bereich Europa/Afrika/Naher Osten.

Frankfurt sei "der Garant für die zunehmend digitale Welt", sagt Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP). Die Infrastruktur der Rechenzentren sorge zudem für viele Ansiedlungen anderer Unternehmen mit vielen Arbeitsplätzen, betont Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Der Flächenbedarf der Datenburgen dürfe aber nicht zu Lasten der kleinen und mittelständischen Unternehmen in den Gewerbegebieten gehen, unterstreicht Wüst.

Flächenkonkurrenz mit anderen Betrieben

Die Gefahr der "Flächenkonkurrenz" besteht: Das Drei- bis Vierfache des bisherigen Bodenpreises zahlten Rechenzentrumsbetreiber, sagt Martin Hunscher, Leiter des Stadtplanungsamtes. "Wir müssen jetzt steuernd eingreifen", damit andere Branchen nicht das Nachsehen hätten. Die Stadt wolle "eine Monokultur verhindern in unseren Gewerbegebieten", sagt Stadtrat Josef.

Das Konzept hatte der Planungsdezernent 2020 angekündigt. Seit dem Regierungswechsel im vorigen Sommer beriet die neue Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt darüber. Besonders bei den Grünen gab es Diskussionen über das Wachstum der Datenburgen, etwa wegen deren Energieverbrauch. Letztlich votierte die Partei für das Konzept, verbunden mit Forderungen etwa nach Begrünung und Abwärmekonzepten. Letztere soll nun das Umweltdezernat von Rosemarie Heilig (Grüne) erarbeiten.

Bebauungspläne sind zu aktualisieren

Die Bauten der Rechenzentren in den Gewerbegebieten seien "ungewohnt im Auge des Betrachters", räumt Stadtplaner Hunscher ein. Deshalb will die Stadt Vorgaben etwa zur Gestaltung machen. Mit dem Konzept will die Stadt vor allem vorgeben, wo weiterhin Rechenzentren gebaut werden dürfen - und wo ausdrücklich nicht. Da solche Vorgaben bisher fehlten, hätten Betreiber sogar ein Recht auf Genehmigung, erinnert Dezernent Josef.

Weiteres Wachstum soll prinzipiell überall dort möglich sein, wo es heute schon Rechenzentren gibt: In den Gewerbegebieten Seckbach/Fechenheim etwa, in Sossenheim, Rödelheim, Gallus, Griesheim und an der Hanauer Landstraße im Ostend. Diese Clusterbildung ist für die Rechenzentren wichtig, damit die Daten nur kurze Wege zurücklegen müssen.

Ausgenommen werden sollen dagegen beispielsweise Flächen, deren Infrastruktur für andere Betriebe wichtig ist wie Am Martinszehnten in Kalbach, an der Wächtersbacher Straße in Fechenheim oder für hafenaffine Firmen "mit Blaumannarbeitsplätzen" (Josef) am Osthafen. Ebenso sollen in den Industrieparks in Höchst und Griesheim prinzipiell Rechenzentren gebaut werden können.

Da die Dezernate von Heilig, Josef und Wüst das Konzept gemeinsam erarbeitet haben, gilt die Zustimmung der Koalition als sicher. Das Konzept ist aber nur ein Grundsatzbeschluss ist. "Jetzt kommen einige Hausaufgaben auf uns zu", sagt Amtsleiter Hunscher. So müssen diverse Bebauungspläne angepasst oder neu erstellt werden. In jüngeren Plänen, etwa für Seckbach/Fechenheim, sei der Verweis bereits enthalten.

Sputen muss sich die Stadt, weil die Betreiber prinzipiell ein Recht auf Genehmigung eines Rechenzentrums hätten, erinnert Dezernent Josef. Nur vorübergehend könne die Stadt Baugesuche zurückstellen oder eine Veränderungssperre erlassen, erklärt Martin Hunscher - so wie gerade für Seckbach/Fechenheim. Dem Vernehmen nach stehen dort aber aktuell keine neuen Bauanträge an, sondern es sind mehrere Neubauten längst genehmigt.

Die Nachfrage nach weiteren Neubauten sei allerdings groß, räumt Mike Josef ein. Doch berücksichtigten die Betreiber bereits die städtischen Wünsche, betont Martin Hunscher. "Das ist ein lernender Prozess für beide Seiten." Dennis Pfeiffer-Goldmann

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