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Diese Familie lebt für den Kaffee: Angelika Zülch-Busold und ihr Neffe Nikolas.

Frankfurter Traditions-Kaffeehaus

Wacker erobert auch Dribbdebach - neue Filiale in Sachsenhausen eröffnet

Das Frankfurter Traditions-Kaffeehaus Wacker hat nun eine neue Filiale in Sachsenhausen. Doch bis nach Dribbdebach war es ein langer Weg.

FRankfurt - Nikolas Zülch hat gut zu tun. Unermüdlich arbeitet der Juniorchef an der großen Espressomaschine auf der Theke, bereitet Milchkaffee, Cappuccino, Espresso zu, während immer neue Bestellungen eintrudeln. Die meisten der gut 60 Sitzplätze in der neuen Filiale von Wacker’s Kaffee sind an diesem sonnigen Nachmittag besetzt, ebenso die Stühle vor der Tür. Seit der Eröffnung ist das etwa 80 Quadratmeter große Kaffeehaus an der Ecke Schweizer Straße/Städelstraße „ziemlich voll“, sagt Angelika Zülch-Busold. Mit ihrem Bruder Hans-Walter Zülch führt sie das Stammhaus von Wacker’s Kaffee am Kornmarkt, die mittlerweile vier Filialen sowie die Rösterei in Fechenheim. „Für uns ist das ein ganz großes Kompliment, wir sind total gerührt.“

Schon länger hatten sie mit der Idee geliebäugelt, jenseits des Mains eine neue Filiale des Traditionshauses zu eröffnen, sagt Hans-Walter Zülch. Da kam ihnen der Zufall zu Hilfe – in Gestalt eines Vermieter-Ehepaars, das ihnen Räume anbot. Der vorherige Mieter, ein Reformhaus, hatte aufgegeben, nun suchte man einen Nachfolger. Am liebsten ein Tages-Café. „Wir waren oft am Stammhaus von Wacker am Kornmarkt und haben uns gedacht, dass das auch hier passen würde“, sagt die Vermieterin, die ihren Namen nicht nennen will. „Wir haben das auch gemacht, um das Viertel aufzuwerten. So ein Café wie das finden Sie überhaupt nicht in Sachsenhausen. Jetzt sind wir ganz glücklich damit.“

Sonne auf der Terrasse

Auch deshalb, weil das Café zur Städelstraße hin eine Terrasse hat. An warmen Vorfrühlingstagen genießen dort etliche Gäste ihren Kaffee mit einem Stück Kuchen, einem Glas Wein oder auch kleinen Speisen wie Suppe und Salat.

Dank der neuen Filiale öffne sich die Schweizer Straße inzwischen wieder mehr in Richtung Main, sagt Hans-Walter Zülch: „Früher ist da eigentlich keiner hingelaufen.“ Das sei jetzt anders. Zu dieser Tendenz könnte auch der Eissalon ein paar Häuser weiter beitragen, der momentan umgebaut wird, dem Vernehmen nach aber weitergeführt wird.

Hohe Hürden

Bevor sich die Türen des Sachsenhäuser Kaffeehauses zum ersten Mal öffneten, gab es einige Hürden zu überwinden. Ein Jahr lang habe der Umbau gedauert, sagt Angelika Zülch-Busold: „Der Laden wurde komplett entkernt. Das war wie ein Rohbau.“ Böden, elektrische Leitungen, Fenster, alles musste erneuert werden. Unter den kritischen Augen der Behörden, schließlich steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Vor allem die Forderung nach einem Fluchtweg bereitete den Inhabern Kopfzerbrechen. „Aber wir hatten das Glück, dass während der Bauphase der Senfladen nebenan frei wurde“, erinnert sich Hans-Walter Zülch. So konnte man den Raum hinzunehmen und einen zweiten Ausgang schaffen. Zu den Baukosten will er sich nicht näher äußern. Nur so viel: Hoch seien sie gewesen. Aber da die Vermieter eine für den Standort relativ günstige Miete angeboten haben, rechne sich das dennoch.

Zufrieden blickt sich Angelika Zülch-Busold in der neuen Filiale um. „Dieses Geschäft hat Seele“, sagt sie. Dank der großen Fenster, die – ähnlich wie am Stammhaus am Kornmarkt – mit schmalen Metallrahmen eingefasst sind, wirkt das Café hell und einladend. Die mit Kaffeebohnen gefüllten altertümlichen Schütten hinter der Theke sorgen ebenso für Kaffeehaus-Atmosphäre wie die goldschimmernden Kaffee-Verpackungen in den Regalen. Nicht zu vergessen die hübschen Details: die Kaufmannswaage auf dem Tresen, die altertümliche Registrierkasse auf einem Sims, die Familienfotos. Letztere zeigen unter anderem Firmengründerin Luise Wacker und die legendäre Seniorchefin Margarete Zülch, die vor knapp zwei Jahren mit 95 Jahren starb. Als Blickfang thront auf einem breiten Mauervorsprung eine grün-metallisch schimmernde Vespa, Baujahr 1951. „Die stand früher in der Rösterei“, sagt Hans-Walter Zülch. „Bis wir sie mit sechs Mann da hochgehievt haben.“

Dem Ursprung treu

Das Kaffeehaus in Sachsenhausen ist nicht die einzige Neuerung. Im vergangenen Jahr hatte man auch das Stammhaus am Kornmarkt umgebaut. Nun soll erst einmal Ruhe einkehren. „Wir wollen nicht unendlich expandieren, wir sind ganz gut ausgelastet“, sagt Hans-Walter Zülch. „Wir wollen bei dem bleiben, was unser Ursprung war.“

Info: Schon 1914 gab's die erste Rösterei

Das Frankfurter Familienunternehmen Wacker’s Kaffee blickt auf eine lange Tradition zurück. 1914 eröffnete Firmengründerin Luise Wacker ein Feinkostgeschäft mit eigener Rösterei. Ursprünglich war die gebürtige Schwäbin nur nach Frankfurt gekommen, um hier Englisch zu lernen und dann in die USA auszuwandern, erzählt ihre Enkelin Angelika Zülch-Busold. Doch dann gefiel es ihr so gut am Main, dass sie blieb.

Im Ersten Weltkrieg hielt sie sich mit einem Fuhrunternehmen über Wasser. Danach aber ging es mit dem Feinkostgeschäft aufwärts. Das Stammhaus am Kornmarkt wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört.

1955 erfolgte die Wiedereröffnung. Seit damals arbeitete auch Luise Wackers Tochter Margarete Zülch täglich mit in dem Kaffeehaus, das sie in den darauffolgenden Jahrzehnten entscheidend prägte.

Seit ihrem Tod vor knapp zwei Jahren führen ihre Kinder Angelika Zülch-Busold und Hans-Walter Zülch das Unternehmen, zu dem neben dem Stammhaus am Kornmarkt die Filialen am Grüneburgweg, am Mittelweg, in der Berger Straße und jetzt in der Schweizer Straße gehören sowie die Kaffeerösterei in Fechenheim mit mehr als 50 Sorten Kaffee.

Und auch die nächste Generation ist in den Betrieb eingebunden, der mittlerweile mehr als 80 Mitarbeiter beschäftigt: Hans-Walter Zülchs Kinder Nikolas und Anja ebenso wie Angelika Zülch-Busolds Tochter Nicole.

(bd)

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