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Studentin Ingalisa hat nicht nur leckeren Salat auf dem Tablett, sondern auch für jeden der Gäste ein gutes Wort. foto: Rainer rüffer

Bockenheim: Hilfsaktion

Wärmendes für Bauch und Seele

  • vonSabine Schramek
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In der Ada-Kantine bekommen Bedürftige mit viel Liebe drei Gänge serviert

In der Kantine der ehemaligen Akademie für Arbeit gibt es von Freitag bis Sonntag warmes Mittagessen. Zubereitet von Ehrenamtlichen aus acht sozialen Organisationen, Nachbarn, Gästen und Freunden, die aus gespendeten veganen Lebensmitteln ganze Menüs zaubern. Für alle, die Hunger haben oder sich kein Essen kochen oder leisten können. Wegen Corona wird in Zelten serviert und gegessen. Jetzt waren die "Guerilla Chefs" zum Kochen da.

Ein Ort der Ruhe und Entspannung

Besteck ist in weiße Servietten mit aufgedruckten Christsternen eingewickelt. Drei große Zelte mit Holztischen und Polsterstühlen auf Abstand laden zum Verweilen ein. Ein paar Sterne hängen am Eingangsstand, an dem die Besucher Karten ausfüllen und Nummern ziehen. Aus der großen Küche duftet es nach Gebratenem und Geschmortem. Die "Ada-Kantine" hat wie jedes Wochenende von 13 bis 15 Uhr geöffnet. Längst hat es sich herumgesprochen, dass hier ein Ort der Ruhe, der Entspannung und des Genusses ist. In schöner Handschrift steht auf der Tafel "Antipasti-Salat mit Brot", "Black Bean Burger" und "Apfelkuchen" - alles vegan.

Seit fünf Stunden stehen sieben Männer und Frauen in der Küche und bereiten alles zu. Ehrenamtlich. Es sind "Guerilla-Chefs", ein Zusammenschluss von Kochjunkies, die das Arbeiten in der Gastronomie respektvoller und moderner gestalten wollen. Michael Götz-Pijl (40) trägt eine bordeauxfarben Kochjacke. Der Frankfurter ist Berater für Zoll- und Außenwirtschaft und er ist TV-Koch-Junky. Auf das Guerilla-Chef-Netzwerk kam er durch Zufall. Der einzige Gastronom ist Simon Kolar (30), der mit seiner Mutter das Restaurant Landhof Oftersheim bei Mannheim betreibt. "Die Welt hat sich verändert", sagt er. "Der Beruf muss modern werden, auch ein Azubi verdient Respekt, die Zeit des Pfannenwerfens in der Küche ist vorbei."

Das Koch-Netzwerk aus ganz Deutschland tauscht nicht nur Tipps und Tricks aus, sondern kocht ehrenamtlich auch für Suppenküchen und jetzt zum ersten Mal in der Ada-Kantine. Die Zutaten sind Spenden. Mehl, Gemüse, Nüsse, Obst, Gemüse, Limonaden, Wasser und Kaffee. Für 150 Leute, die sie heute verwöhnen.

250 Helfer stehen bereit

Normalerweise kümmern sich Ehrenamtliche der 250-Mann großen Helferliste um das Kochen von Freitag bis Sonntag. Jetzt decken sie Tische, rollen warme Decken zusammen, packen Tüten mit selbst belegten Brötchen und plaudern fröhlich mit ihren Gästen. Wegen Corona ist Essen in den gemütlichen Räumen nicht möglich.

Da die Gäste Bedürftige sind, dürfen sie - mit Genehmigung vom Gesundheitsamt - in Zelten und im Hof auf Bierbänken sitzen. Studentin Ingalisa (20) fragt jeden, wie es ihm geht, ob er etwas braucht. Eine junge Familie aus Japan füllt dampfenden Kaffee in Tassen. "Wir sind noch nicht lange in Frankfurt, haben von dem Projekt hier gehört und wollten sofort mitmachen", erzählt der Vater eines neunjährigen Sohnes. Tim Schuster (43) ist einer der Gründer der Ada-Kantine. "Wir wollen allen ein gutes Gefühl geben. Wir wollen, dass sie genießen und dass ganz unterschiedliche Leute Zeit miteinander verbringen können", erzählt er. "Gesundes Essen mit Respekt" nennt er die wöchentlichen Angebote, die die Gäste nichts kosten. "Wer kann und will, spendet, was er mag. Mittlerweile helfen uns auch viele unserer Gäste. Sie mögen das, was wir tun und wollen etwas zurückgeben", so Schuster stolz.

Wer hilft ist glücklich

Die Initiative bekommt viel Unterstützung. Lebensmittel von der Tafel, von Food-Sharing und Geschäften, der Ortsbeirat, das Sozialrathaus und das Stadtteilbüro helfen bei der Miete. Jeder, der mitmacht, tut es unentgeltlich. Ein Urban Garden, Projekte und Diskussionen zu sozialen Themen, über Ernährung, und viel Miteinander verbinden die Menschen. Wer hilft, ist glücklich, wer isst, ebenfalls.

Saeed Sedaghad (37) ist seit Anfang an dabei und hat ein Auge darauf, dass alles rund läuft. Es läuft rund, friedlich und entspannt. Er verbringt seine Freizeit im Projekt, ansonsten lernt der qualifizierte SAP-Anwender. "In Corona-Zeiten ist es schwieriger. Aber auch noch nötiger, anderen zu helfen und ihnen das Gefühl zu geben, gut aufgehoben zu sein", sagt er, während junge Frauen wie Profis Teller voller veganer Burger servieren. Mit freundlichem Lächeln unter den Masken. Auf Dauer möchten sie das Angebot auf täglich ausweiten. Weitere Helfer sind jederzeit willkommen.

Wer das Angebot der Ada-Kantine nutzen möchte, kann freitags, samstags und sonntags von 13 Uhr bis 15 Uhr zum Essen in die Mertonstraße 30 kommen. Auf Spenden ist das Projekt angewiesen. Das geht vor Ort oder unter https://www.betterplace.me/ada-kantine-ein-restaurant-fuer-alle .

SABINE SCHRAMEK

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