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Kurioser Fall vor Gericht

Wärter versorgen Knackis mit Schnitzel und Pornos

  • VonMatthias Gerhart
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Korruptionsskandal in der Frankfurter Untersuchungshaft: Zwei Vollzugsbeamte mussten 2014 gehen. Sie hatten von vier Gefangenen Geld kassiert – für regelmäßige Lieferungen von Hackfleisch und Schnitzeln sowie Pornofilmen. Morgen beginnt der Prozess vor der Korruptionsstrafkammer des Landgerichts.

Den tristen Speiseplan der Haftanstalt etwas aufmotzen, das wollten die vier Gefangene und gaben dafür laut Anklage auch viel Geld aus. Hackfleisch, verzehrfertige Dönerprodukte und unpanierte Schweineschnitzel wurden über die beiden Justizobersekretäre, heute 35 und 26 Jahre alt, in die Untersuchungshaftanstalt (JVA I) geschmuggelt. Für die dortigen Insassen, die nach dem Gesetz ja als unschuldig gelten, besteht die Möglichkeit, in einer Anstaltsküche das Essen selbst zuzubereiten. Nun ist allerdings das Angebot in dem Lebensmittellädchen der JVA eher mau – vor allem Frischfleisch, aber auch Gewürze sind dort offenbar nicht zu haben.

Appetit auf mehr

Bei den vier U-Häftlingen handelt es sich um bereits seit längerer Zeit einsitzende Gefangene, die ein entsprechendes Vertrauensverhältnis zum Personal aufbauen konnten. So lernte dieses im Laufe der Zeit den Geschmack der Häftlinge kennen. Die zwei Angeklagten lieferten Hackfleisch und unpanierte Schnitzel zur Eigenzubereitung, aber auch bereits fertig gegrillten Döner in den Knast. Einer der Häftlinge hatte Appetit auf etwas anderes – für ihn war gar ein Pornofilm dabei.

Die Essenslieferungen wären vielleicht als Gefälligkeiten bei der Anstaltsleitung durchgegangen. Entscheidend für die Tatsache, dass sie jetzt Gegenstand eines größeren Strafverfahrens beim Landgericht wurden, war die Tatsache, dass sich die Justizbeamten ihre Dienste kräftig bezahlen ließen. Die offenbar betuchten Häftlinge zahlten laut Anklage bis zu 400 Euro für die Lebensmittel, 50 Euro erhielt einer der Beamten für den Pornofilm. Insgesamt beläuft sich die Bestechungssumme auf knapp 1000 Euro und zwei Eintrittskarten für ein Fußballspiel, die einer der Gefangenen wohl aus der Haft heraus organisieren konnte.

Von Häftling angeschwärzt

Während man das Hackfleisch und die Schnitzel also auf dem Herd der Anstaltsküche brutzelte, hatte man offenbar keine Befürchtungen, dass dies jemand der JVA-Bediensteten bemerken könnte. Es soll ein anderer Mithäftling gewesen sein, der bei der Anstaltsleitung eines Tages im Oktober 2014 plauderte. Man nahm die Bediensteten schließlich näher ins Visier und deckte die Ungereimtheiten auf. Kurze Zeit später wurden die jeweiligen Dienstverhältnisse aufgelöst – einer der Beamten befand sich damals noch in der Probezeit.

Ursprünglich kam die Anklage in dem gegen die beiden Beamten und die vier zwischen 44 und 59 Jahre alten U-Häftlinge vor das Amtsgericht. Bei Sichtung der Akten fiel jedoch dem Amtsrichter auf, dass zumindest einer der Häftlinge ein „schwerer Junge“ war, der in anderer Sache bereits rechtskräftig zu acht Jahren Haft verurteilt wurde. Weil aus dieser und einer möglichen neuen Verurteilung eine Gesamtstrafe zu bilden sein wird, reicht die Strafgewalt des Amtsgerichts nicht aus – die Richter der Korruptionsstrafkammer des Landgerichts hatten die Akten auf ihren Schreibtischen. Von den vier angeklagten Häftlingen werden am Mittwoch nur zwei auf der Anklagebank sitzen – die Verfahren gegen die beiden anderen sollen später nachgeholt werden.

Mit fünf Verhandlungstagen hofft man bei Gericht, den Prozess bis Ende März zu Ende führen zu können.

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