+
Der Frankfurter Grundwasserhaushalt weist ein großes Defizit auf, das die 2019er Regenfälle bislang bei Weitem nicht ausgleichen konnten.

Pflanzen leiden unter Trockenheit

Dürre in Frankfurt: Wässern, bis der Herbst kommt

Bei der Hitze leiden die Pflanzen in Frankfurt unter Trockenheit und Dürre. Um Bäume und Grünanlagen zu retten, wird die Stadt aktiv. 

Am Mittwoch wäre eigentlich ein Besuch beim Blumendoktor angesagt gewesen. Was braucht meine Pflanze jetzt, wie kann ich ihr helfen bei dieser Hitze, was tut ihr gut? Aber der Blumendoktor hat keine Zeit, Klaus Kuglers Sprechstunde ist bis auf Weiteres gestrichen – er spurtet mit langen Schläuchen durch den Bethmannpark und wässert die Botanik. Erste Hilfe geht vor.

Ein Sonderfall, dass sich eine Stadt eine eigene regelmäßige Pflanzenberatung für ihre Bürger leistet, drei Mal die Woche zwei Stunden, sagt Stephan Heldmann, Leiter des Grünflächenamts und Vorgesetzter des Blumendoktors. Aber sie will es sich weiterhin leisten, auch nach der Sanierung der Orangerie im Bethmannpark. „Das ist eine Frankfurter Tradition, die wir beibehalten wollen, auch wenn sie sich nicht unbedingt wirtschaftlich lohnt.“

Grundwasserpegel noch immer nicht ausgeglichen 

Apropos wirtschaftlich: Der Frankfurter Grundwasserhaushalt weist ein großes Defizit auf, das die 2019er Regenfälle bislang bei Weitem nicht ausgleichen konnten. „Der Winter war mild, es gab fast keine Niederschläge wie schon von Mai bis November des vergangenen Jahres“, sagt Heldmann. „An einen vergleichbar langen Zeitraum fast ohne Regen kann ich mich nicht erinnern. Die Auswirkungen sind in Summe sehr, sehr heftig.“

Wässern, wässern, wässern

Frankfurt erlebt einen Hitzerekord nach dem anderen, war 2018 heißeste Stadt Deutschlands, hatte den wärmsten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen. Was tut das Grünflächenamt? Wässern, wässern, wässern. Alle Bäume bis zum fünften Standjahr erhalten regelmäßig Besuch von Leuten mit Fahrzeugen, die 2000 Liter fassen und eine Gießlanze an Bord haben. Fünftes Standjahr bedeutet: Die Bäume sind nicht fünf, sondern bis zu 15 Jahre alt, weil sie die ersten acht, neun Jahre in der Baumschule vorgewachsen sind, erläutert Heldmann.

4800 Bäume sind in diesem Versorgungsprogramm, sie erhalten 150 bis 200 Liter pro Woche, macht zusammen 720 Kubikmeter Minimum. „Nach dem fünften Standjahr gehen wir davon aus, dass sie genug Wurzelwerk entwickelt haben, um selbst über die Runden zu kommen“, sagt der Amtschef. Aber: Bei einer so ausgeprägten Trockenheit seien auch ältere Bäume anfälliger für den Einfluss von Schädlingen, Pilzen, Wind und Hitze. Darum sind übrigens Baumstämme inzwischen oft weiß getüncht – die Farbe hilft, Hitze abzuhalten.

30 Personen mit Gießen beschäftigt 

Wird diese Woche wegen der hohen Temperaturen besonders intensiv gewässert in Frankfurt? Nein, sagt Heldmann, es seien ohnehin gut 30 Personen damit beschäftigt, und den Ausschlag fürs Wohlbefinden der Bäume gebe weniger die Temperatur als vielmehr der Grad der Trockenheit. Zusätzliche Mitarbeiter habe die Stadt nicht in Dienst gestellt, sondern Personal von anderen Aufgaben abgezogen. „Wir können auch noch zulegen, wenn nötig.“

Abgesehen von den Bäumen bewässert das Amt die Mainufer, Taunus-, Gallus- und Bockenheimer Anlage, den Holzhausen- und Teile des Hafenparks. Am Main wird Uferfiltrat aus Flusswasser verwendet. Die beregnete Fläche dort, ursprünglich nur der Grundriss des Museumsuferfests, ist inzwischen größer geworden – weil es sich positiv aufs Mikroklima auswirke. Gleiches gilt für die Parks in den Stadtteilen.

Grundsätzlich wird sich wegen des Klimawandels vieles an der regionalen Flora verändern. Von 770 Baumarten, die Experten für Deutschlands Zukunft empfehlen, eignen sich in Frankfurt rund 130. Einige davon testet das Grünflächenamt im Straßenbild. „Wir sind zuversichtlich, dass wir welche finden, die mit den Umständen klarkommen“, sagt Stephan Heldmann. Er will aber noch keine Favoriten ausrufen.

Hessen und Hitze 

Die Hitze ist momentan eines der beherrschenden Themen in Hessen. Hessen hat kürzlich die Hitzewarnstufe 2 ausgerufen. Arbeitgeber und Pflegeeinrichtungen treffen Vorkehrungen. Für manche Beschäftigte gibt es hitzefrei. 

Wenn es richtig heiß wird, ist man für jeden Ratschlag für eine Abkühlung dankbar. Doch aufgepasst: Diese vermeintlichen Tipps gegen die Hitze helfen nichts - sie bringen Sie eher ins Schwitzen

Ein überraschender Einwurf kommt von Jörg Kachelmann: „Die Hitze ist eigentlich immer weniger ein Problem“, sagt der Meteorologe in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Die Hitze sei seiner Auffassung nach für Menschen und Natur auszuhalten, wenn alles richtig gemacht würde. Eine andere Sache besorgt Kachelmann viel mehr.   

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare