Sophia (15) und ihre Mutter Grit-Anja Horst machen in den Sommerferien eine Spendenwanderung von Hessen nach Thüringen.
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Sophia (15) und ihre Mutter Grit-Anja Horst machen in den Sommerferien eine Spendenwanderung von Hessen nach Thüringen.

Mutter und Tochter suchen noch Sponsoren für ihre Aktion im Sommer

Sie wandern für kranke Kinder

Ronja Horst bekam vor vier Jahren die Schock-Diagnose Krebs. Operationen, Chemotherapie, Schmerzen. Heute gilt sie als geheilt. Ihre Mutter, ihre Schwester und Hündin Trixi wollen im Sommer für krebskranke Kinder wandern.

„Wenn die mir das Bein abmachen, springe ich aus dem Fenster“, hat Ronja (22) vor der Operation gesagt. Sie war gerade 18 Jahre alt, besuchte die 12. Klasse, hatte den Führerschein gemacht und liebte ihr Hobby Showtanz. „Ich hatte nur etwas Bewegungsprobleme im Knie“, erinnert sich die junge Frau mit den großen, grünen Augen und langen Wimpern.

Die Diagnose war erschütternd: Knochenkrebs im linken Bein. „Ein kleiner Weltuntergang“, sagt Ronja. Sie kam in die Kinderkrebsklinik der Uni Frankfurt.

Ihr Bein konnte teilweise erhalten werden, das Kniegelenk und der Oberschenkelknochen sind durch künstliche ersetzt worden. Schmerzen, Chemotherapie und Nebenwirkungen folgten. „Für mich war es schlimm, für meine Familie noch schlimmer“, sagt sie rückblickend.

335 Kilometer

Ihre Mutter Grit-Anja Horst und ihre Halbschwester Sophia (15) nicken. „Man steht am Bett und kann nichts tun, ist hilflos“, so die Lehrerin an der Rackow-Schule in Eckenheim. „Unterstützt hat uns der Verein Hilfe für krebskranke Kinder. Das möchte ich zurückgeben.“ Am 2. Juli wird sie mit Sophia und Hündin Trixi 335 Kilometer weit wandern. Von Hessen nach Thüringen zu Ronjas und Sophias Oma. Geübt seien sie nicht, sagt die Mutter, „aber wir wollen die Natur mit Feldern, Wälder und Bergen erleben und den Verein unterstützen“. Dafür haben sie sich etwas ausgedacht: Jeder, der sie motivieren will, kann spenden. Für jeden Kilometer, den sie schaffen. Schon ab 1 Cent pro Person pro Kilometer. Wer diesen Cent einsetzen möchte, zahlt maximal 6,70 Euro, wenn Sophia und Grit-Anja Horst die gesamte Strecke schaffen. Schaffen sie es nicht, verringert sich der Einsatz. Im Moment kämen bereits mehr als 730 Euro zusammen, wenn Mutter und Tochter die Tour durchhalten. Der Gesamterlös kommt dann dem Verein für krebskranke Kinder Frankfurt zugute.

Die Wanderstrecke ist minutiös geplant, täglich zwischen zehn und 20 Kilometer weit. 18 Übernachtungen in 20 Tagen sind vorgesehen. Selbst die Hotels unterstützen ihr Vorhaben mit kostenfreier Übernachtung für alle, inklusive Hund Trixi, mit einem Essen oder Vergünstigung.

„Ohne den Verein hätten wir das nicht durchgehalten mit Ronja“, so die Mutter. Der Vorstand des Vereins besteht ausschließlich aus selbst betroffenen Mitgliedern. „So wissen wir, was nötig ist“, erklärt Geschäftsführer Rudolf Starck.

Seine eigene Tochter hat die Krankheit nicht überlebt. „Wir finanzieren Arztstellen in der Kinder-Onkologie, Schwestern, Schullehrer für die Patienten, Spielmöglichkeiten, eine eigene Küche auf Stationen, Krebsforschung, Übernachtungs- und Gesprächsmöglichkeiten für Angehörige, Ausflüge für die Kinder und mehr.“

Mit Galgenhumor

Ronja hat selbstbewusst ihren Kampf gemeistert. Sogar ihr Abitur hat sie während der Krankheit geschafft und macht jetzt ein Jahr lang Bundesfreiwilligendienst beim Verein für krebskranke Kinder Frankfurt. „Ich betreue Eltern und Kinder, die Krebs haben, berichte von meinen Erfahrungen und wie ich damit umgegangen bin. Mit Galgenhumor“, sagt sie lachend. „Mein Bein habe ich Hackfleischbein genannt.“ Jetzt ist sie über den Berg, kann trotz 100-prozentiger Behinderung sogar wieder tanzen.

Wer die Wanderung von Ronjas Mutter und Halbschwester finanziell für den „Verein für krebskranke Kinder Frankfurt“ unterstützen möchte, kann das auf der eigens eingerichteten Website der Familie Horst tun. Unter finden sich alle Informationen.

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