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Nicola Marjanovic (links) und Trainer Thomas Aniolek sind mit der Kehrmaschine in Bornheim unterwegs.

Stadtreinigung

Wir waren mit Mitarbeitern der FES in einer Kehrmaschine auf Tour

46 kleine Kehrmaschinen hat die Frankfurter Entsorgung und Service GmbH (FES) für saubere Straßen im Einsatz. Unser Redakteur Thomas J. Schmidt hat sich zeigen lassen, was der Reiz und die Schwierigkeiten eines solchen Fahrzeuges sind.

Sie sind schmal, nur 1,30 Meter breit. Und hoch. Fast zwei Meter messen die kleinen Kehrmaschinen „Hako Citymaster 2000“ der Frankfurter Entsorgung und Service GmbH (FES). „Wenn man zu schnell in die Kurve fährt, können sie umkippen“, sagt Fahrer Alessandro Capaldi. Sein Kollege Hakim Akaouch ergänzt: „Besonders, wenn sie voll sind.“ Denn dann liegt der Schwerpunkt weiter oben. Und voll sind sie schnell: „In der Laubzeit dauert es kaum zehn Minuten“, sagt Akaouch. 30, 35, 40 Mal pro Schicht muss er die Ladung kippen, damit sie in den Kleinlaster fällt.

Straßenreiniger sind immer in Vierer-Teams unterwegs. Zwei Kehren beziehungsweise nutzen elektrische Bläser, um Laub oder sonstigen Schmutz unter den Autos hervorzuholen. Ein Fahrer im Kehrfahrzeug und einer im Lastwagen ergänzen das Team. Von den rund 300 Mitarbeitern der Straßenreinigung haben bei der FES 120 die Berechtigung, die Kehrmaschinen zu bedienen. Weitere 48 besitzen die Lizenz, eine der acht Großmaschinen zu steuern.

„Es ist wie Go-Cart-Fahren“, sagt Capaldi. „Ich versuche immer, es mir so angenehm wie möglich zu machen.“ Je weniger Arbeit er mit dem Fahrzeug hat, um so besser kann er sich auf die Außenwelt konzentrieren. Und das muss er.

Eben gerade versucht ein Auto, aus einer Parklücke auszuscheren. Berger Straße, eng, viel Verkehr. Capaldi lässt ihn heraus. „Wenn ich freundlich bin, begegnet man mir freundlich.“ Dabei ist der Job nicht immer einfach. Am schwierigsten, darin sind sich Capaldi und Akaouch einig, sind die Radfahrer. Leise, schnell, übersieht man sie leicht. „Sie kommen mir in der Einbahnstraße entgegen und erwarten von mir, dass ich Platz mache“, berichtet Akaouch. Sein Kollege Capaldi ergänzt: „Hier, die Fahrradspur. Da kommt oft einer nach dem anderen. Da muss ich aufpassen.“ Erst recht, wenn Radfahrer an engen Stellen überholen, weil sie erwarten, dass die Kehrmaschine Rücksicht nimmt.

Ein anderes Problem ist die Frankfurter Straßenplanung. Die Straßen würden immer enger, die Autos immer größer und breiter, der Platz immer spärlicher. „Wenn es dann noch Falschparker gibt, kann es sein, dass ich nicht herum komme“, so Akaouch.

Er ist Springer im Team, sitzt nicht täglich in der Kehrmaschine. Gerade jetzt ist er bereits einige Monate nicht mehr gefahren. „Ich muss besonders vorsichtig sein“, murmelt Akaouch und gibt leicht Gas. Er sitzt rechts im Fahrzeug, also dort, wo sich die Hindernisse befinden: Fußgänger, Radfahrer, parkende Autos, Bürgersteige.

Zwei Knöpfe – bebildert mit einem Hasen und einer Schildkröte – bestimmen die Arbeitsweise der Maschine: Fahrt oder Arbeit. Akaouch drückt auf die Schildkröte. Vorne trennen sich die beiden routierenden Besen, senken sich ab, beginnen, sich zu drehen. Wie schnell und mit welchem Druck auf die Straße gekehrt wird, das können die Fahrer für jeden Besen getrennt festlegen. Auch wie stark der Schmutz ins Innere der Maschine gesaugt wird. Denn im Grunde ist die Kehrmaschine nur ein Staubsauger auf Rädern, angetrieben von einem Diesel-Motor.

Im Fahr-Betrieb schafft es das kleine Fahrzeug auf 50 Kilometer in der Stunde. Lenkung und Gas sind sehr direkt, bei jedem Lastwechsel ruckelt das Maschinchen ein wenig, und jedes Schlagloch ist zu spüren. Fast so wie bei einem Go-Cart, da hat Capaldi recht.

Die Kehrmaschine benötigt Kraftstoff. Die FES hat vor zwei Jahren ein Projekt gestartet. Erfahrene Fahrer wie Capaldi bringen weniger erfahrene wie Akaouch bei, sparsam zu fahren, vorausschauend, mit gleichmäßiger Geschwindigkeit. „Es geht damit los, dass sie den Saugmotor immer auf volle Leistung stellen, obwohl ,Eco‘ ausreicht“, schildert Capaldi. Braucht man mehr Leistung – etwa, wenn das Laub sehr nass ist – kann man höher schalten. Auch in der Kabine ist es viel leiser, wenn die Turbine auf schwacher Leistung steht. „Ich bin den ganzen Tag in der Kabine. Ich bin manchmal froh, wenn meine Schicht zu Ende ist“, sagt Capaldi. Als größten Erfolg seiner Trainer-Tätigkeit betrachtet er, dass ein Kollege, der den Saugmotor bei der ersten Fahrt auf voller Leistung laufen hatte, diesen bei der Kontrollfahrt zwei Wochen später auf „Eco“ laufen ließ. „Ich musste gar nichts sagen, er hatte selbst bemerkt, wie angenehm leise es in der Kabine war.“

152 solcher Trainingsfahrten haben Capaldi und die anderen Trainer bereits mit ihren Kollege unternommen. Die Teilnahme ist freiwillig, die Ergebnisse werden nicht an die Geschäftsleitung weitergegeben. Ein erstes Ergebnis: „Die Beiträge zur Haftpflichtversicherung sind spürbar abgesenkt worden, weil besser geschulte Fahrer weniger Unfälle verursachen“, berichtet Peter Kaiser, bei der FES stellvertretender Leiter der Stadtreinigung und Leiter des Training-Projekts. Die FES erwartet, so langfristig zwei Prozent Kraftstoff und 42 Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß pro Jahr einzusparen.

Video: Ex-Junkies sammeln im Bahnhofsviertel Spritzen ein

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