Der Streik am 10. Dezember sorgte für massiven Zugausfall.

Warnstreik

Wartechaos wegen Bahnstreiks bleibt aus

Wegen des Bahnstreiks wurde heute Morgen großes Chaos am Hauptbahnhof erwartet. Viele hatten rechtzeitig von der Bahn vom Streik erfahren und haben sich Alternativen gesucht. Einige Fahrgäste sind dennoch verärgert.

Bereits um 6 Uhr morgens stehen rund 100 Bahnmitarbeiter in gelben und orangefarbenen Westen mit Fahnen, Trillerpfeifen und Rasseln vor dem Haupteingang des Hauptbahnhofs und machen Krach, den man bis in weit in die Kaiserstraße hört. „Einer für alle, alle für einen“ steht auf den Flaggen der Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft EVG. Die Bahnsteige sind leer, auf den Anzeigetafeln steht auf Deutsch und Englisch geschrieben „Streik bis voraussichtlich 9 Uhr – momentan kein Zugverkehr“. Vereinzelt stehen leere rote Züge auf den Gleisen.

Am Reisezentrum der Deutschen Bahn reicht eine Menschenschlange bis quer durch die Halle. Menschen mit Koffern und Taschen telefonieren, während sie warten und erzählen ihren Chefs, dass sie für einige Stunden gestrandet sind. Sie sind müde und ruhig, nur vereinzelt wird geschimpft. Einige versuchen, mit der vollen S-Bahn Richtung Bad Homburg weiterzukommen, steigen flink in die Wagen, deren Türen sich öffnen lassen. Dennoch bleibt sie stehen. „Herrgott“, schimpft ein Mann mit Rollkoffer. „Bis 9.02 Uhr fahren auch keine S-Bahnen. Er geht festen Schrittes aus der Bahn und flucht ironisch: „So, ich geh mir jetzt mal ne Bombe kaufen“, während er auf die Rolltreppe steigt.

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Die Geschäfte im Bahnhof sind leer, Mitarbeiter haben auch um 8 Uhr Zeit, sich zu unterhalten. Einige spüren Umsatzeinbußen. Im „Travelshop“ meint ein Mitarbeiter. „Leider, leider. Die Bahn gibt den Leuten Kaffee und Wasser und wir gehen fast leer aus.“ Marcus Fiebelkorn (50) vom Zigarettenladen erlebt es anders. „Naja, die Leute haben halt keine besonders gute Laune, weil sie hier festhängen. Aber der Umsatz ist ähnlich wie sonst. Es wird wohl kaum jemand anfangen zu rauchen, weil die Bahn streikt.“

Der Höllenlärm vor dem Bahnhof nimmt zu. Mehr als 150 Demonstranten fordern lautstark 7,5 Prozent mehr Geld. Auch in Griesheim und am Flughafen stehen Mitarbeiter, die streiken, sagt Alexander Beichel, Geschäftsstellenleiter der EVG. „Die Betriebszentrale ist dicht, die Zugverkehrsleiter streiken ebenso wie die Mitarbeiter der DB Sicherheit, Gewerkschaftsvertreter sind da. Passanten voller Gepäck betrachten die Demonstranten. Manche neugierig, fotografierende Asiaten befremdet und manche wütend. Als ein DGB-Mitarbeiter die Demonstranten beglückwünscht zu den leeren Anzeigetafeln im Bahnhof und ruft, dass die meisten Leute das Anliegen der streikenden Bahnmitarbeiter verstünden, ruft ein Mann mit Koffer mit französischen Akzent: „Ich kann das überhaupt nicht verstehen, das ist eine Schande! Ich muss arbeiten und der Streik hier kostet mich Geld“.

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Sein Ruf wird mit Tröten niedergepfiffen und gleichzeitig gehen Streikende zu ihm und versuchen, ihre Motive zu erklären. „Wir sorgen bei der Bahn für Ihre Sicherheit“, sagt ein Mann und legt ihm die Hand auf die rechte Schulter. „Wir erhalten Hungerlöhne dafür, dass wir abgestochen werden können.“ Der Franzose, der jedes Wochenende in Frankfurt verbringt und in Paris arbeitet, kontert. „Sie streiken auf meine Kosten. Suchen Sie sich doch einen anderen Arbeitgeber.“ Der Sicherheitsmann führt aus. „Erst letzte Woche bin ich von einem Mann mit Messer angegriffen

worden. Für 1400 Euro netto. Wir schützen Sie gern, aber wir müssen auch an unsere Familien denken. Wenn niemand mehr auf Sie aufpasst, kann Ihnen niemand helfen, wenn Gefahr droht.“ Der Franzose wird nachdenklich. Wieviel Geld er heute verliert, weil er nicht pünktlich nach Paris kommt, will er nicht sagen. „Mehr, als diese Leute im Monat verdienen. Heute nehme ich mir einen Tag Urlaub. “ Um 9.02 ist der Streik vorbei, der Bahnhof füllt sich, Menschen drängen sich um Anzeigetafel und langsam fangen die Züge wieder an, zu rollen.

Von Sabine Schramek

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