Warten auf Post aus Brüssel

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Während auf den Feldern die jungen Pflänzchen sprießen, wirft Rainer Schecker viele Blicke in den Briefkasten. Bislang allerdings vergebens, denn Post aus Brüssel hat ihn bis jetzt noch nicht erreicht.

Rund eine Woche noch, dann steht für die Oberräder Gärtner die heißeste Zeit des Jahres ins Haus – zumindest bezogen auf das Geschäft mit den Kräutern. Schließlich kommt die Grüne Soße bei vielen Frankfurter Familien traditionell besonders gerne zum Osterfest auf den Tisch. Auf den Feldern und in den Gewächshäusern geht es derzeit also besonders hoch her. In einer anderen Angelegenheit müssen sich die Gärtner dagegen weiter in Geduld üben – etwas anderes bleibt ihnen auch nicht übrig.

„Wir hatten gehofft, bis Ostern etwas aus Brüssel zu hören. Bislang warten wir aber noch vergebens“, sagt Rainer Schecker. Der Oberräder Gärtner, der auf seinen Feldern und in seinen Gewächshäusern die traditionellen Kräuter für die Grüne Soße anbaut, war im vergangenen Jahr Teil einer Delegation, die bei der EU-Kommission um den Schutz der Grünen Soße warb.

Sie soll in Zukunft das Siegel „geografisch geschützte Angabe“ tragen dürfen. Dann wäre sie genauso geschützt wie etwa der berühmte Serrano Schinken oder Rotwein aus Rioja. Dafür kämpfen Schecker und seine Mitstreiter schon seit mehreren Jahren, doch positive Nachrichten von der EU ließen lange auf sich warten.

Doch nach ihrem Besuch in Brüssel waren die Vertreter diverser Gartenbauvereine durchaus optimistisch, ihrem Ziel ein gutes Stück endlich näher gekommen zu sein. „Wir konnten einige Missverständnisse aus dem Weg räumen“, freute sich Schecker nach der über zweistündigen Sitzung mit drei Vertretern der Generaldirektion für Landwirtschaft der Europäischen Kommission. Im Gepäck hatten sie natürlich als Anschauungsobjekt eine Packung der beliebten Kräutermischung, für dessen Schutz sie werben.

Ein paar Hausaufgaben und Nachbesserungen seien ihnen für ihren Antrag zwar mitgegeben worden, grundsätzlich war die Stimmung aber positiv und viel schien dem begehrten Schutz der Grünen Soße nicht mehr im Wege zu stehen. Die letzten ihnen von der EU gestellten Aufgaben wollten die Vertreter der Gartenbauvereine kurzfristig erledigen. Doch nun herrscht bereits seit einem knappen halben Jahr Schweigen. „Aber vielleicht kommt ja bis Ostern noch die Post aus Brüssel“, hofft Schecker auf baldige Neuigkeiten.

Unterdessen sprießen auf den Feldern des Gartenbauers die berühmten Kräuter, ohne die keine Grüne Soße auskommt – und auf die viele Frankfurter gerade zu Ostern nicht verzichten wollen. Für eine gute Ernte stehen die Zeichen ganz ordentlich, meint Schecker. „In diesem Jahr können wir uns bislang wirklich nicht beschweren, was das Wetter angeht. Die kommenden Tage soll es noch einmal schön werden, das wird auch den Pflanzen noch einmal helfen“, sagt der Oberräder. Wenn alles ideal läuft, könnte sogar zu Ostern schon ein erster Freiland-Schnitt möglich sein. „Dann wird die Soße gehaltvoller und kräftiger“, so Schecker.

(göc)

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