39 Jahre lang war Andrea Berkler als Kirchenmusikerin an der evangelischen Andreasgemeinde in Eschersheim tätig. Ende Oktober geht sie in den Ruhestand. Doch die Musik wird auch weiterhin einen wichtigen Teil in ihrem Leben einnehmen.
+
39 Jahre lang war Andrea Berkler als Kirchenmusikerin an der evangelischen Andreasgemeinde in Eschersheim tätig. Ende Oktober geht sie in den Ruhestand. Doch die Musik wird auch weiterhin einen wichtigen Teil in ihrem Leben einnehmen.

Kirchenmusik in Eschersheim

Nun wartet das Gambenspiel auf sie

  • vonAlexandra Flieth
    schließen

Andrea Berkler, Kantorin der evangelischen Andreasgemeinde, geht in den Ruhestand

Andrea Berkler (65) blickt auf 39 Jahre zurück, in denen sie als Kirchenmusikerin der evangelischen Andreasgemeinde tätig gewesen ist. Schon bald ist Schluss damit, denn sie geht Ende Oktober in den Ruhestand. Zwar obliegt ihr dann nicht mehr die Leitung der Kirchenmusik an der Gemeinde, Schluss mit Musik ist aber noch lange nicht. Sie sagt: "Wenn man Musik macht, kann man weitermachen, sein ganzes Leben lang." Sie selbst spiele unter anderem Gambe, ein historisches Streichinstrument. "Das ist noch ausbaufähig", formuliert sie es.

Durch die Corona-Pandemie, insbesondere in der Zeit des Lockdowns, habe sie Zeit gehabt, in Ruhe zu üben und sich intensiv mit Dingen zu befassen. Angst, dass es im Ruhestand langweilig werden könne, habe sie daher nicht. Mehr Zeit zu haben, vor allem an den Wochenenden, an denen sie sonst Dienst hatte, darauf freue sie sich schon, sagt sie. "Ich habe genug zu tun und kann jetzt alles ganz ohne Anspannung erledigen."

Chöre aufgebaut und Konzerte gegeben

Berkler, die gebürtig aus Worms stammt, kam 1981 an die Andreasgemeinde und fühlt sich bis heute im Stadtteil wohl. Auch nach dem Eintritt in den Ruhestand möchte sie weiterhin in Eschersheim bleiben, wo sie viele Menschen kennt und auch viele Menschen sie kennen. 1979 hatte sie ihr Studium an der Kirchenmusikschule der Hessischen Landeskirche abgeschlossen und sammelte schon ein Jahr zuvor erste Erfahrungen als Kirchenmusikerin an der evangelischen Regenbogengemeinde in Sossenheim, wo sie bis zu ihrem Wechsel zur Andreasgemeinde blieb.

In der Gemeinde in Eschersheim baute sie Chöre auf - für Erwachsene, für Mädchen und Jungen sowie für Senioren. Sie gründete Blockflötengruppen für Kinder und eine Gitarrengruppe. Mit den Chören wurden Konzerte gegeben oder Musicals mit biblischem Inhalt aufgeführt. Eine Besonderheit war etwa, dass sie mit dem Kinderchor die "Passion Christi" auf die Bühne brachte, erzählt Berkler. "In der Vergangenheit gab es immer wieder Kinder, die richtig gut waren und später Musik auf Lehramt studiert haben", sagt sie. Regelmäßig habe man auch mit der Andreaskantorei Konzerte gegeben. Etwa 30 aktive Sängerinnen und Sänger sind in dem Erwachsenenchor derzeit noch aktiv.

Auf die Frage, was ihr besonders am Herzen lag, antwortet Berkler: "Die musikalische Gestaltung der Gottesdienste, mit der Kantorei die hohen Feiertage wie Karfreitag, die Osternacht oder den Heiligen Abend zu untermalen und eine möglichst gute Atmosphäre zu schaffen, in der jeder sein Bestes geben konnte." Ihr Credo lautet: "Wenn etwas gut werden soll, muss man auch viel daran arbeiten." Und das sei eben auch mit Anstrengungen verbunden. "Im Alter vom 30 Jahren habe ich die Anstrengungen nie so empfunden, heute merke ich es schon", sagt sie.

Berkler ist selbst in einer Familie groß geworden, in der alle Mitglieder Instrumente gespielt haben. "Angefangen habe ich mit dem Klavier", erzählt sie. Ihre Verbindung zur Kirche bestand schon sehr früh. Ihr Vater sei in ihrer Heimatstadt in der Gemeinde im Kirchenvorstand gewesen. "Mit 13 Jahren habe ich dort meinen ersten Gottesdienst musikalisch begleitet", sagt sie.

Beim Aufbau der Orgel mitgeholfen

Musik ist ihre Leidenschaft, und das Orgelspiel gehört dazu. "Ich hatte das Glück, dass die Andreasgemeinde in meinen Anfangszeiten eine neue Orgel bekam", erzählt die Kirchenmusikerin. Als das Instrument aufgebaut worden sei, habe sie jede freie Minute auf der Empore verbracht. "Alle Holzteile wurden geölt und gewachst. Ich habe mitgeholfen. Das war sehr spannend", erinnert sie sich. Um sich nun von der Gemeinde zu verabschieden, sind wegen Corona zwei kleine Abschiedsfeiern im Oktober geplant. Einmal mit der Gemeinde selbst am Sonntag, 18. Oktober, um 18 Uhr in der Kirche in der Kirchhainer Straße 2, und einmal mit Musikern, die sie in den vergangenen fast 40 Jahren begleitet haben.

Ihre Nachfolgerin im Amt steht bereits fest. "Sie wird am 1. Dezember mit ihrer Arbeit beginnen. Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Sie wird neuen Schwung 'reinbringen", sagt Berkler. "Mir hat die Arbeit immer sehr viel Spaß gemacht. Jetzt habe ich das Gefühl, dass es in gute Hände kommen wird." Alexandra Flieth

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare