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Fußball

Warum die WM 2018 besser war als erwartet

Die WM in Russland war ganz bestimmt nicht die beste WM aller Zeiten - aber so schlecht, wie sie mitunter gemacht wurde, war sie auch nicht. Im Gegenteil. Ein Kommentar.

Fifa-Präsident Infantino hat die Fußball-WM in Russland als die beste WM aller Zeiten bezeichnet. Das war sie sicher nicht. Sie war aber besser als befürchtet. Es gab nicht viele schöne, aber spannende Spiele in den K.o.-Runden. Hässliche Zwischenfälle blieben aus, die Russen waren ungeachtet des zweifelhaften Putin-System gute Gastgeber. Der deutsch-russische Schriftsteller Wladimir Kaminer sagte, er habe seine Landsleute noch nie so freundlich erlebt. Dazu trug sicher auch das gute Abschneiden des russischen Nationalteams bei.

Für Deutschland war die WM sportlich die schlechteste aller Zeiten. Der Titelverteidiger erlebte eine Bruchlandung, die sich abgezeichnet hatte. Schwache Testspiele und Formkrisen verdienter Weltmeister waren selbstherrlich ignoriert worden. Dazu kam noch das schlechte Krisenmanagement im Fall Özil und Gündogan. Der DFB hatte zunächst versucht, die Aufregung um deren Treffen mit dem Autokraten Erdogan unter den Teppich zu kehren. Als die beiden dann auch sportlich schwächelten, trat der sonst so smarte DFB-Manager Oliver Bierhof nach und sagte, man hätte Özil nicht mitnehmen sollen. In dem Moment, wo der Erfolg nicht mehr da war, brach der ganze Marketing-Sprech des DFB zusammen und es wurde grob gefoult. So fragwürdig Özils Verhalten auch war, hat er es nicht verdient, zum Sündenbock gemacht zu werden. Nicht nur er , sondern fast der gesamte DFB-Tross hat versagt.

Denn bei dieser WM, bei der es spielerisch wenig Innovatives gab, imponierten vor allem die Teams, die mannschaftliche Geschlossenheit auf den Platz brachten. Von Teamgeist war bei den Deutschen keine Spur. Ihnen fehlten Antreiber wie sie die Finalteams mit Luka Modric und Paul Pogba hatten – Künstler, die sich in den Dienst der Mannschaft stellten und die anderen mitrissen. Wie der Erfolg kleiner Nationen wie Belgien und Kroatien zeigte, erfordert es hohe Trainerkunst, aus den „Anywheres“, die „irgendwo“ spielen, für vier Wochen „Somewheres“ zu machen, die sich für ihr Land zerreißen. DFB-Trainer Jogi Löw ist es nicht gelungen, eine solche Einheit zu formen. Daher ist er kaum der Richtige für den Neuanfang.

Mit Frankreich ist die Mannschaft verdienter Weltmeister geworden, die insgesamt am besten besetzt war und sich deshalb durch ökonomisches Spiel Kräfte für das Finale aufsparen konnte. Die tapferen Kroaten waren nach drei Verlängerungen etwas müde und hatten dazu noch Schiri-Prech. Apropos Ökonomie: Die Langeweile in der Gruppenphase war alles andere als eine Werbung für die Fifa-Pläne, das Teilnehmerfeld von 32 auf 48 zu erweitern. Das würde nicht nur der Gruppenphase der WM, sondern auch schon der Qualifikation die letzte Spannung rauben. Aber zumindest eine spannende Frage taucht nach dem Ende der WM wieder auf: Was machen wir eigentlich heute Abend?

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