Der Gartenzwerg und ein Hauch Rosmarin sind die einzigen Farbtupfer in diesem ansonsten grauen Vorgarten. In Frankfurt sollen solche Schottergärten bald Geschichte sein. Doch der Weg dahin ist weit. Das gilt vor allem für bereits versiegelte Flächen.
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In Frankfurt sollen klimaschädliche Schottergärten bald Geschichte sein. Doch der Weg dahin ist weit. Das gilt vor allem für bereits versiegelte Flächen.

Klimaschutz

Frankfurt will Schottergärten verbieten – Das ist schwerer als gedacht

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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  • Brigitte Degelmann
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Die Stadt Frankfurt will etwas gegen klimaschädliche Schottergärten tun. Dem stehen allerdings einige Hürden im Weg.

Frankfurt – Die neue Regierungskoalition im Römer hat entschieden, Schottergärten aus dem Frankfurter Stadtbild zu verbannen. Doch das ist gar nicht so leicht. Schon bisher gab es für Vorgärten Einschränkungen, konnte die Stadt auf Privatleute zugehen und fordern, dass diese ihre Vorgärten und Hinterhöfe entsiegeln und begrünen. Die Verfahren jedoch ziehen sich oft über Jahre. Das geht aus einer Antwort von Planungsdezernent Mike Josef (SPD) auf eine Anfrage der Stadtverordneten Ingeborg Leinweber (BFF-BIG) hervor, die wissen wollte, in wie vielen Fällen „der um das Stadtklima besorgte Magistrat erfolgreich auf eine Begrünung von Steingärten“ hinwirken konnte.

Die städtische Bauaufsicht hat nach Angaben Josefs im Jahr 2020 von insgesamt 855 überprüften Vorgärten 26 Schottergärten vorgefunden. Zehn Vorgärten sind bisher schon aufgrund des Eingreifens der städtischen Mitarbeiter entsiegelt und gärtnerisch gestaltet worden.

Jüngst hat der Magistrat die Regeln für private Grünflächen verschärft und das Aus für Schottergärten beschlossen. Die strengeren Vorgaben gelten allerdings nur für private Neu- und größere Umbauten. Künftig darf es in Frankfurts privaten Gärten kein Kies oder Beton mehr geben. Stattdessen soll in den Vorgärten und Hinterhöfen das Grün dominieren. Zudem sollen Hausfassaden, Garagen- und Carportdächer begrünt werden. Das geht aus der neuen Freiraumsatzung hervor, die vom Magistrat vorgelegt wurde und nun noch von den Stadtverordneten abgesegnet werden muss.

Klimaschutz in Frankfurt: 14 Vorgärten in einem Jahr entsiegelt

Ziel ist es, das Stadtbild aufzuwerten und das Stadtklima zu verbessern. Deshalb erteilt der Magistrat mit der neuen Satzung auch der Versiegelung privater Vorgärten sowie meterhohen Sichtzäunen oder künstlichen Pflanzen aus Plastik eine klare Absage. Wer sich nicht an die Regelung hält, muss mit einem Bußgeld von bis zu 15.000 Euro rechnen. Die Freiraumsatzung ist eine Ergänzung bestehender Regeln. Schon jetzt gibt die Hessische Bauordnung vor, dass Grundstücksflächen wasserdurchlässig sein müssen und Freiflächen zu begrünen oder zu bepflanzen sind - Umfang und Qualität der Bepflanzung sind allerdings nicht definiert. Regelungen zur Begrünung baulicher Anlagen fehlen ganz.

Auch die Frankfurter Vorgartensatzung macht klare Angaben dazu, dass Flächen vor den Häusern gärtnerisch gestaltet sein müssen. So waren Kies oder Sand in großen Teilen vor dem Haus schon bisher unzulässig - daran gehalten haben sich aber nicht alle Frankfurter. Die Bauaufsicht hat im Jahr 2019 insgesamt 469 Vorgärten genauer unter die Lupe genommen. Davon waren 409 Vorgärten nicht zu beanstanden, wie Planungsdezernent Josef weiter mitteilte. 60 Gärten jedoch mussten "näher geprüft werden".

14 Vorgärten seien aufgrund des Eingreifens der Bauaufsicht entsiegelt und gärtnerisch gestaltet worden. Das ist jedoch meist schwieriger und langwieriger als gedacht. "Viele Verfahren zum Vorgartenschutz sind noch nicht abgeschlossen, da zum Teil langjährige Fristen laufen", erklärte Josef. Die Bauaufsicht strebe nämlich an, dass die Hauseigentümer sich freiwillig bereiterklären, den Vorgarten im Sinne der Vorgartensatzung umzugestalten. "Hierfür werden im Rahmen der gütlichen Einigung großzügige Fristen auch im Hinblick auf die Auftragslage bei den Fachfirmen und Pflanzperioden gewährt", teilte der Planungsdezernent jetzt weiter mit.

Klimafreundliche Vorgärten in Frankfurt: Verfahren können Jahre dauern

Sofern die Bürger den Forderungen der Bauaufsicht nicht freiwillig nachkämen, sei der Erlass einer Verfügung erforderlich. Josef: "Bei der Einlegung von Widersprüchen gegen die Verfügung ist aufgrund der aufschiebenden Wirkung des Widerspruchs mit einer mehrjährigen Verfahrensdauer zu rechnen."

Mehr Grün statt Grau - auf diesen Nenner lässt sich der Entwurf für die Freiraumsatzung bringen, den der Magistrat nun vorgestellt hat. Unter anderem verbietet er bei privaten Neu- und Umbauten Schottergärten, ebenso die Versiegelung privater Vorgärten, Kunstrasen sowie meterhohe Sichtschutzanlagen. Stattdessen im Programm: die Anpflanzung von Bäumen, Sträuchern, Stauden und Gräsern und ähnlichem auf Freiflächen sowie Dach- und Fassadenbegrünungen.

Schottergärten sollen in Frankfurt abgeschafft werden – zum Wohle des Klimas

"Ziel der Satzung ist es, eine angemessene und ausreichende Begrünung und Bepflanzung der Grundstücksfreiflächen und baulicher Anlagen sicherzustellen", schreibt der Magistrat. "Damit sollen zum einen das Orts- und Stadtbild aufgewertet und vor Verödung geschützt werden sowie zum anderen gesunde Lebensverhältnisse gewährleistet und die natürlichen Lebensgrundlagen gewahrt werden." Eine Begrünung trage nachweislich zur Sicherung und Verbesserung gesunder Wohn- und Arbeitsverhältnisse bei. Nicht nur im Hinblick auf das Klima, sondern auch in Bezug auf den Schallschutz und die Bindung von Luftschadstoffen.

Klimatisch zähle Frankfurt zu den heißesten Städten Deutschlands. Das zeigten nicht nur stark reduzierte Jahresniederschläge, sondern auch die Temperatur-Rekorde zwischen 2018 und 2020. Umso wichtiger sei die Erhaltung und Verbesserung der "grün-blauen Infrastruktur" Frankfurts, zu der neben den öffentlichen Grün- und Wasserflächen auch die privaten Grünflächen gehörten. Nach Angaben des Magistrats werden gut 30 Prozent des 248 Quadratkilometer großen Stadtgebietes derzeit von Gebäude- und Grundstücksfreiflächen eingenommen. Laut Satzung sind die Grundstücksfreiflächen künftig "insgesamt wasserdurchlässig zu belassen oder herzustellen". Zulässig befestigte Flächen müssten so angelegt werden, dass Niederschläge entweder versickern, verdunsten, gesammelt würden oder in angrenzende Pflanzflächen abfließen könnten. "Ziel ist auch hier vor allem die Rückhaltung von Regenwasser auf den Grundstücken, was angesichts der zunehmenden Zahl von Starkregenereignissen mit erheblichen Gefährdungen der Bebauung durch Überflutungen wichtig ist", so der Magistrat.

Frankfurt: 15.000 Euro Strafe bei Verstoß gegen Klima-Verordnung

Darüber hinaus macht die Satzung auch konkrete Vorgaben zur Begrünung. Je angefangene 200 Quadratmeter der Grundstücksfreiflächen sei "ein standortgerechter mittel- oder großkroniger Laubbaum zu pflanzen" - also ein Baum mit einem Kronendurchmesser von mehr als zwölf Metern. Mindestens zehn Prozent der Bereiche sind für standortgerechte Sträucher reserviert. Bei der Gestaltung der zulässig befestigten Flächen seien vorrangig helle Oberflächenmaterialien zu verwenden, die sich und ihre Umgebung bei Sonneneinstrahlung weniger stark aufheizen als dunkle. Und: Grundstückseinfriedungen dürften nur "als offene, licht- und luftdurchlässige Einfriedung oder als Hecken realisiert werden", so der Magistrat. "Der Einbau von Sichtschutzzäunen, Kunststoffplanen, Kunststoffflechtwerk oder ähnlichem ist nicht zulässig, weil regelmäßig das Stadtbild dadurch beeinträchtigt wird. Zudem kommt es in der Folge auch zu unerwünschten Einträgen von Plastikteilen in die Umwelt."

Außerdem sind Dächer von Carports, Garagen und Nebenbauten mit einer mindestens acht Zentimeter hohen Vegetationstragschicht zu begrünen. Eine Kombination mit Solaranlagen ist zulässig, wenn die Funktion der Dachbegrünung nicht beeinträchtigt wird. Dächer mit einem Neigungswinkel bis zu 20 Grad müssen mit einer mindestens zwölf Zentimeter messenden Vegetationstragschicht versehen werden. Nach dem Willen des Magistrats sind künftig auch Fassaden bis zu einer Höhe von sechs Metern mit Rank- oder Kletterpflanzen zu begrünen, und zwar zu mindestens einem Viertel der Fläche. Größtenteils nach Osten, Süden und Westen orientierte Fassaden müssen überwiegend in heller Farbe gestaltet werden, um ein Aufheizen zu verhindern.

Verstöße können mit Bußgeldern bis zu 15.000 Euro geahndet werden. Zwar könnten sich durch die neuen Vorschriften Mehrkosten für Eigentümer und Bauwillige ergeben, räumt der Magistrat ein. Diese stünden aber "im Verhältnis zur wirtschaftlichen und vor allem nachhaltigen Nutzung der Baugrundstücke". Darüber hinaus erreichten beispielsweise Gründächer eine deutlich längere Lebensdauer und es fielen geringere Sanierungskosten an. Negative Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit aufgrund der Regelungen der Satzung, insbesondere im Wohnungsbau, seien deshalb nicht zu befürchten, schließt der Magistrat. (Julia Lorenz, Brigitte Degelmann)

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