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„Alibi-Lösung“: Neuer Schnellbus nach Frankfurt hilft Pendlern kaum

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Der X95 fährt schnell von der U-Bahn in Enkheim nach Bruchköbel, Erlensee, Ronneburg und Büdingen. Seltene Fahrten, stundenlange "Löcher" im Fahrplan und ein früher Betriebsschluss machen den Schnellbus für Frankfurt-Pendler trotzdem unattraktiv.
Der X95 fährt schnell von der U-Bahn in Enkheim nach Bruchköbel, Erlensee, Ronneburg und Büdingen. Seltene Fahrten, stundenlange "Löcher" im Fahrplan und ein früher Betriebsschluss machen den Schnellbus für Frankfurt-Pendler trotzdem unattraktiv. © Leonhard Hamerski

Frankfurt-Pendler aus dem östlichem Umland soll der X95 aus Autos locken. Doch es gibt heftige Kritik am Schnellbus.

Frankfurt -Eine Schnellbuslinie verbindet seit Mitte Dezember Städte im östlichen Umland bis nach Büdingen direkt mit den Frankfurter U-Bahn-Linien 4 und 7. Bisher steigen aber erst wenige Menschen ein. Das könnte auch daran liegen, dass das neue Angebot zwei entscheidende Nachteile hat - weshalb die Kritik aus Sicht der Fahrgäste denn auch groß ist.

"Diese Buslinie könnte sehr viel bringen", sagt Kristine Schaal, Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn in Frankfurt. Wer aus Erlensee, Bruchköbel, Ronneburg oder Büdingen nach Frankfurt pendelt, fährt bisher per Auto am schnellsten und bequemsten. Von hier gibt es keine direkten Zugstrecken in die Metropole. Viele Pendler aus dem östlichen Umland quälen sich daher durch den Riederwald, wo der A66-Lückenschluss bis 2030 gebaut wird. Und fahren oft über die Hanauer Landstraße, den Schaumain- oder den Mainkai, wobei letztere Straße die Römer-Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt gern für Kraftfahrzeuge dicht machen will. Die Test-Sperrung war kläglich gescheitert, weil ein Verkehrskonzept mit Umleitungsangeboten fehlte.

Nur 39 Minuten von Bruchköbel bis zur Konstablerwache in Frankfurt

Entlastung soll der Schnellbus X95 bringen, der seit Dezember das östliche Umland zwischen Hanau und Büdingen mit der U-Bahn-Station Enkheim verbindet. Der Bus fährt ein Stück auf der A 66, die Fahrzeiten sind daher recht kurz. Bruchköbel-Konstablerwache sei nun in 39 Minuten zu schaffen, wirbt André Kavai, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). "Da ist man auch mit dem Auto nicht schneller auf der Zeil."

Doch auf der A66 gleich das erste Problem: Im Berufsverkehr steht der Bus am Autobahnende oft im Stau. Das gefährde die Schnelligkeit, warnt Schaal. Gerade wenn es auf Straßen eng sei, müsse der Bus fahren können. "Das kann ihn attraktiver machen."

Land blockiert 150 Meter Busspur auf der A66 bei Frankfurt

Eine Busspur am Ende der A 66 fordern auch der RMV und die Stadt Frankfurt. "Wir begrüßen jede Linie, die Entlastung für die Pendler bringt", so Wolfgang Siefert, Büroleiter von Verkehrdezernent Stefan Majer (Grüne). "Ein Bus, der im Stau steht, bringt nichts." Doch das Verkehrsministerium winkt ab. Sie sei "sehr aufwendig" einzurichten, da der Seitenstreifen 600 Meter vor dem Autobahnende ende und die A 66 verbreitert werden müsste, sagt Wolfgang Harms, Sprecher von Minister Tarek Al-Wazir (Grüne). Planung und Bau dauerten bis zu fünf Jahre. Doch tatsächlich befinden sich auf 450 Metern dieser Strecke bisher gesperrte Spuren.

UnternehmenRhein-Main-Verkehrsverbund (RMV)
BrancheAnbieter öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV): Bus und Bahn
HauptsitzHofheim am Taunus
Fahrgastzahlen808 Millionen (2019)
Buslinien gesamt/Bushaltestellen im VerbundgebietRund 1.000/ Circa 12.000

Diese temporär umzumarkieren ist laut Harms "leider keine Lösung, da immer noch ein erheblicher zweistreifiger Abschnitt als Engstelle verbliebe". Wer dort entlangfährt, sieht aber: Die Engstelle ist nur rund 150 Meter lang.

Diese kurze Strecke temporär im Berufsverkehr auf eine Fahrspur für Autos zu reduzieren, lehnt das Ministerium dennoch ab. "Das würde die Kapazität dieser ohnehin stauanfälligen Stelle für den Individualverkehr halbieren." Fahrzeuge könnten "nicht mehr in ausreichendem Maß" auf die Borsigallee abfließen, es gebe mehr Stau und "Risiken für die Verkehrssicherheit auf der A 66".

Frankfurt: Vier Stunden über Mittag pausiert der X95-Bus

Wieso aus 150 Metern einspuriger Verkehrsführung ein großer Rückstau zu erwarten sein soll, kann Kristine Schaal nicht nachvollziehen. Schließlich fließe der Verkehr im Erlenbruch ja auch nur noch einspurig. Sie vermisst "kreative Lösungen" für das Problem. "Man fragt sich schon, ob der Wille einfach nicht da ist."

Problem zwei ist der Takt des X95: Stündlich verkehren die Expressbusse nach Frankfurt, machen sogar zwischen 9 und 13 Uhr vier Stunden Pause, am Wochenende fahren sie nur alle zwei Stunden, abends ist die letzte Abfahrt in Enkheim schon um 19.09 Uhr. "Damit kann man niemanden hinter dem Ofen hervorlocken", ist Kristine Schaal entsetzt.

Pro Bahn zu Bus nach Frankfurt: Das ist nur ein Alibi-Angebot

Der Betriebsschluss sei zu früh für Pendler, das stündliche Angebot "viel zu dürftig" und schlechter als selbst auf vielen Strecken auf dem Land. "Wer einen Stundentakt am Frankfurter Stadtrand anbietet, der will nur eine Alibi-Lösung", geißelt Schaal.

Der RMV hatte eigenen Angaben nach nicht genug Geld, um einen Halbstundentakt für den X95-Bus zu finanzieren.
Der RMV hatte eigenen Angaben nach nicht genug Geld, um einen Halbstundentakt für den X95-Bus zu finanzieren. © Arne Dedert/dpa/Arhciv

RMV: Stundentakt bei neuem Angebot "nicht unüblich"

Der Stundentakt sei "für ein vollkommen neues Angebot im ersten Fahrplanjahr nicht unüblich", erklärt dagegen RMV-Sprecherin Vanessa Rehermann. Der RMV habe einen Halbstundentakt geplant. "Leider standen seitens des Landes dafür nicht ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung." Gebe es mehr Geld, könnte das Angebot besser werden, sofern auch "die Nachfrage entsprechend gegeben" sei.

Das jetzige Angebot könne diese Nachfrage nicht wecken, so Schaal. Es sei zu schlecht, als dass "jemand deswegen den Zweitwagen abschafft". Auch werde das Image des X95 geschädigt, wenn sich der Eindruck des schlechten Angebots in der Region festsetze, warnt die Pro-Bahn-Chefin. Daher müssten Takt und Abendverkehr schnell ergänzt werden. "Da muss man sich etwas trauen und klotzen." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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