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Warum die Anti-Terror-Poller in Frankfurt hässlich bleiben

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Sind all diese Betonklötze wirklich nötig, um die Freßgass vor Auto-Attacken zu schützen? Nicht jeder Standort wirkt sinnvoll.
Sind all diese Betonklötze wirklich nötig, um die Freßgass in Frankfurt vor Auto-Attacken zu schützen? Nicht jeder Standort wirkt sinnvoll. © Pfeiffer-Goldmann, Dennis

In Frankfurt sollen Betonklötze potenzielle Fahrzeug-Attentäter aufhalten. Viele zweifeln die Ästhetik der Anti-Terror-Poller an – und deren Sinn.

Frankfurt – Seit Jahren ärgern sich viele in Frankfurt über die großen hässlichen Betonsperren gegen Terroranschläge mit Fahrzeugen. Die Stadt löst das Problem aber nicht, sie reagiert anders.

Die Zukunft der hässlichen Terrorsperren in der Innenstadt und in Sachsenhausen bleibt zunächst weiter ungelöst. Die Stadt hat nun lediglich eine neue "interdisziplinäre Arbeitsgruppe" gebildet. Diese solle eine Lösung finden, "die zugleich stadtgestalterisch und funktional ansprechend als auch langfristig ist", erklärt die Stadtregierung in einem frisch veröffentlichten Bericht.

Frankfurt: Anti-Terror-Poller sollen Anschlag wie am Breitscheid-Platz verhindern

Die an übergroße Legosteine erinnernden Betonsperren wurden nach den Anschlägen von Nizza und vom Breitscheidplatz in Berlin als Ad-hoc-Lösung für den Schutz vor terroristischen Angriffen per Fahrzeug aufgestellt. Sie stehen unter anderem an der Alten Oper, in der Freßgass, vor der Hauptwache und im Amüsierviertel in Sachsenhausen.

Allerdings sind die grauen Betonsperren sehr hässlich und auch häufig verdreckt. "Unbestritten ist, dass die Sperren in ihrem Erscheinungsbild nicht ins Stadtbild passen", räumt der Magistrat ein. Die Erkenntnis ist nicht neu. Doch hatten sich in der vorigen Regierung erst jahrelang die Dezernenten für Stadtplanung, Verkehr und Sicherheit den Ball für die Zuständigkeit gegenseitig zugespielt. Schließlich wurde das Verkehrsdezernat für zuständig erklärt. Im vorigen Frühjahr aber lehnte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) eine hübschere Lösung mit Verweis auf die Finanznot der Stadt ab.

Verschönerung von Anti-Terror-Betonklötzen: Frankfurt will Fördergelder einwerben

Vorigen Dezember setzte die CDU aus der Opposition einen Antrag durch, dass die Stadt sich endlich doch um eine Lösung bemühen solle. Die Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt trug das ebenso mit wie AfD und BFF-BIG. Die Terrorabwehrblöcke sollten durch fest installierte und sicherheitszertifizierte Stadtmöblierung ersetzt werden, fordert die CDU. Dafür sollten Pollersysteme sowie "aufenthaltsförderndes Mobiliar" mit Begrünung genutzt werden. Die Koalition hingegen will die vorhandenen Sperren behalten, diese aber "mit kreativen Mitteln begrünen, verschönern", was "Initiativen, Schulen, Anwohnerinnen, Einzelpersonen, Künstlerinnen, Gewerbetreibende" erledigen sollten.

Welchen Weg die Stadt einschlagen will, dazu legt sich der Magistrat aktuell nicht fest. Er erklärt nur, die neue Arbeitsgruppe habe "die Erarbeitung von auf die Örtlichkeit abgestimmten Gestaltungskonzepten" zum Ziel. Außerdem sollten "nach Möglichkeit" Fördergelder eingeworben werden. 2021 hatte Klaus Oesterling welche verfallen lassen.

Wie sinnvoll sind die Anti-Terror-Poller in Frankfurt?

Ganz grundsätzlich über das Thema nachzudenken, hatte Jutta Ditfurth (Ökolinx) in der Parlamentsdebatte über die Terrorsperren Anfang Dezember angeregt. "Terrorismus hält man nicht mit Pollern ab", denn auch vor dem Anschlag mit einem Lastwagen am Berliner Breitscheidplatz hätten die Sicherheitsbehörden gewusst, dass etwas drohe.

Deshalb zweifelt Ditfurth an, dass die Poller reale Sicherheit bieten. Da helfe es auch nicht, die Betonblöcke "ästhetisch zu gestalten - egal, ob mit Deutschlandfahne oder Blümchen oder Kinderbildern oder irgendetwas von der Eintracht". In der Tat erscheint nicht jeder Betonklotz in der Innenstadt so platziert, als dass er überhaupt notwendig wäre, um den heranrasenden Terroristen-Lastwagen abzuhalten.

So stehen etwa vor der Alten Oper nur einige der Sperren aus der großen Phalanx der Betonblöcke tatsächlich auf technisch überhaupt möglichen Fahrtrouten eines potenziellen Attentäters aus Richtung Bockenheimer Landstraße. Gleiches gilt zum Beispiel auch für die Betonklötze an der Ecke Neue Mainzer und Goethestraße: Hier müsste ein Attentäter recht eng um die Kurve fahren, um in die Fußgängerzone Freßgass zu gelangen. Mit hoher Geschwindigkeit würde dabei ein Lastwagen wohl ohnehin umkippen. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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