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Sängerin Fee im Video-Portrait

Warum diese Frankfurter Musikerin bei einem großen Label kündigte

  • vonDominik Rinkart
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Wie lebt es sich als junger Mensch, der nur von seiner Leidenschaft Musik zu machen über die Runden kommen will? Die Frankfurter Musikerin Fee musste so manch einen Rückschlag verkraften, ehe sie ihr neues Glück fand. Unser Portrait zeigt eine Künstlerin, die stets ihren eigenen Weg gegangen ist: authentisch, ehrlich und kompromisslos.

Wenn Fee die Bühne betritt, jubeln sie alle: Die junge Studentin, der lässige Hipster, der ältere Herr oder die Dame Mitte 50. Die Musik der jungen Künstlerin ist ohne Zweifel massentauglich, dabei jedoch keineswegs beliebig. Das ihr Publikum dabei so heterogen ist, hat einen einfachen Grund: Wer Musik von Fee hört, erlebt handgemachten Pop ohne werberelevante Zielgruppen-Attitüde.

Fee verkauft sich nicht, sie bleibt sich treu. Alles in ihren Arrangements ist so, wie es sein soll. Auch die Band, mit der sie am vergangenen Montag im Frankfurter Nachleben ihr erstes eigenes Album vorstellte, tanz nach ihrer Pfeife. „Ich bin die unangefochtene Chefin“, betont die 27-Jährige lachend im FNP-Interview.

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Ihr Lachen hat die leidenschaftliche Musikerin nie verloren, ihren musikalischen Schwung und ihre künstlerische Freiheit vor einigen Jahren jedoch schon. Es ist der Ruf einer großen Kariere, als ein bedeutendes Major-Label bei ihr und ihrer damaligen Band Neoh anklopft. Der Durchbruch wirkt von diesem Moment an stets in Reichweite. Doch was als Band-Traum beginnt, entpuppt sich schnell als ziemlich schnödes Business: „Es ist mittlerweile üblich, dass die Künstler und Bands ihre Songs nicht mehr selbst schreiben sollen“, blickt sie zurück. Doch Fee, die schon als kleines Mädchen am heimischen Kassettenrecorder erste Lieder aufnahm, ist niemand, der sich gerne fremdbestimmen lässt. Ohne Kompromisse. So trifft sie eine Entscheidung, die sie bis heute nicht bereut und lässt Band und Label hinter sich.

Große Tourneen als Vorband von Culcha Candela und Christina Stürmer gehören ab da der Vergangenheit an. Alleine, ohne Band und nur mit einer Akustikgitarre findet sie sich bei ihrem ersten Soloauftritt auf einer Open-Stage wieder. Trotz, oder vielleicht sogar weil, die Technik vor Ort jegliche Professionalität vermissen lässt, entdeckt Fee die alte Freude am befreiten musizieren wieder. Genau das ist es, was sie schon immer machen wollte: Auf einer Bühne stehen, Gitarre spielen und singen, live die Leute begeistern. Darum drehen sich ihre Gedanken, über mehr denkt sie auch gar nicht nach: „Ich habe überhaupt keinen Plan“, betont sie unumwunden lachend. In guten Monaten legt sie sich etwas Geld zurück, ihr Lebensstil ist bescheiden, doch Altersvorsorge oder größere Sicherheiten: „Das ist komplett nicht auf meiner Agenda“, berichtet sie.

Diese Bescheidenheit, drückt sich auch im Titel ihres ersten Albums aus: „Ein Zimmer Küche Bad“. Zwölf Songs, meinst geprägt von Rhythmik und Fröhlichkeit, nehmen den Zuhörer mit in Fees Leben. Die Songs sind authentisch, aus dem Alltag gegriffen. Um die Songs zu schreiben, so erzählt sie, verschanze sie sich manchmal tagelang in ihrem Zimmer. An anderen Tagen reist sie durchs Land, tritt auf und stellt im Radio ihre Songs vor. „Kein Tag ist wie der andere“, freut sie sich. Einen Plan vermisst sie nicht: „In den Tag leben zu können, das ist ein ganz großes Geschenk.“

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