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Matthias Grabenhorst und Ilkay Isik messen die Synchronisierung ihrer Gehirnströme.

Forscher des Max-Planck-Instituts

Warum uns etwas gefällt

Warum erzeugt das eine Lied bei uns Gänsehaut, während das andere uns langweilt? Wie reagiert unser Gehirn auf eine spannende Szene in einem Kinofilm, wie auf eine schaurige? Die Wissenschaftler im Max-Planck-Institut erforschen genau diese Fragen – und leisten damit eine einzigartige Forschungsarbeit.

„Was machen Neurowissenschaften?“, fragt der neue Geschäftsführende Leiter Prof. David Poeppel und antwortet gleich selbst: „Ein Ding auseinander nehmen und in seine Einzelteile aufbrechen.“ Die Einzelteile der Geistes- und Naturwissenschaften aufeinander zu beziehen, dass sei Aufgabe des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik. Ergebnis ist ein Zusammenspiel der wissenschaftlichen Disziplinen.

Der etwa eine Million Euro teure Laborkomplex wurde 2015 eröffnet. Mittlerweile sind dort mehr als 130 Mitarbeiter aus 25 Nationen beschäftigt. Es ist die einzige außeruniversitäre Forschungseinrichtung, die ästhetische Wahrnehmungen und Bewertungen aus dem Blickwinkel verschiedener wissenschaftlicher Fachrichtungen untersucht. Zurzeit gibt es drei Abteilungen am Institut: Neurowissenschaften, Sprache und Literatur und Musik. Ziel ist es, von den Erkenntnissen, Ansätzen und Methoden der anderen Fachrichtungen zu profitieren.

Es gehe darum, Brücken zu schlagen zwischen den Fachrichtungen und die „theoretischen Einsichten und praktischen Absichten aufeinander zu beziehen“, sagt Prof. David Poeppel, neuer Geschäftsführender Leiter. Dies geschieht zum Beispiel im „Art Lab“, das Veranstaltungssaal und Forschungslabor gleichzeitig ist. Dort können die Wissenschaftler unter realistischen Bedingungen erforschen, wie die Besucher etwa auf Filme, Musik oder Theaterstücke reagieren. Dafür werden die Probanden mit an den Sitzen angebrachten Tablets verbunden, die den Forschern den gemessenen Puls übermittelt. Hochauflösende Kameras an den Decken lassen die Wissenschaftler selbst kleinste Bewegungen der Gesichtsmuskeln erkennen und analysieren, wie aufmerksam die Besucher einem Film oder einem Musikstück folgen.

Die erforschten Themen sind vielfältig. Mit einer neuen Herangehensweise können die Forscher nun herausfinden, ob Schülern der Unterricht gefällt – oder nicht. Auch Aussagen über die Sympathie zwischen zwei Menschen können gemacht werden. Bei dieser neuen Studie wird die Synchronisierung der Gehirnströme der Schüler gemessen. Diese spiegelt wider, wie sehr die Gymnasiasten den Unterricht annehmen, aber auch wie sympathisch sie sich finden, wenn sie direkt mit einander interagieren. „Wie stark unsere Gehirnströme mit denen einer anderen Person synchronisiert sind, scheint ein guter Prädiktor zu sein, wie gut wir miteinander auskommen“, so die Hauptautorin der Studie Suzanne Dikker.

Die Arbeit liefere eine vielversprechende neue Methode für die neurowissenschaftliche Untersuchung von Gruppenaktionen, sagt Poeppel. Seit 2014 ist er Leiter der neurowissenschaftlichen Abteilung und für die nächsten zwei Jahre auch Geschäftsführender Leiter des Instituts. Er löst damit Prof. Dr. Winfried Menninghaus, Direktor der Abteilung Sprache und Literatur, ab. Die Aufgaben des Chefs sind vielfältig, und es stehen viele Veränderungen an. Ein neuer Standort muss her, das ehemalige Bankgebäude im Grüneburgweg ist nur eine Interimslösung. Aber auch Bauvorhaben wie das neue „Brain Imaging Center“ in Niederrad will Poeppel umsetzen. Das Tagesgeschäft Forschung wolle er in allen Abteilungen energisch vorantreiben, formuliert der gebürtige Freiburger die Ziele seiner Amtszeit.

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