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Warum Frankfurt Wohnmobil-Touristen bisher abschreckt

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Von: Thomas J. Schmidt

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Entspannte Urlaubstage im Wohnmobil? In Frankfurt ist das bisher noch nicht so schön möglich: Die Stadt findet keine passenden Stellplätze.
Entspannte Urlaubstage im Wohnmobil? In Frankfurt ist das bisher noch nicht so schön möglich: Die Stadt findet keine passenden Stellplätze. © picture alliance/dpa

Bisher blieb es beim Versuch, neue Gelände zu erschließen - Schnell erreichbarer Nahverkehr ist wichtig

Frankfurt -Die Zahl der Wohnmobile steigt. Immer mehr Bürger kaufen sich ein solches Fahrzeug, um damit die Welt zu erkunden. Alleine 2020 verzeichnete das Kraftfahrtbundesamt 76 000 Neuzulassungen, ein Plus von 41 Prozent. Und das bei einem insgesamt um 19 Prozent gesunkenen Gesamtmarkt im Vergleich zu 2019. Alleine in Frankfurt sind derzeit 2132 Wohnmobile und Anhänger zugelassen. Indes, was fehlt, sind Stellplätze - nicht etwa für in Frankfurt angemeldete Wohnmobile, sondern vor allem für Frankfurt-Besucher.

Der Bedarf ist da, aber Frankfurt deckt ihn nicht ab

Es gibt zu wenige Camping-Gelegenheiten, auf denen Touristen ihre Fahrzeuge abstellen und Frankfurt erkunden können. Der Bedarf ist da, sagt auch Gerhard Schönweitz, stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der Campingwirtschaft in Hessen. Und er werde, was Frankfurt angehe, von den beiden einzigen Plätzen nicht gedeckt. Diese sind der Campingplatz Mainkur und das City Camp in Heddernheim, beide nicht zentral genug und nicht gut an den Nahverkehr angeschlossen.

Thomas Feda, Geschäftsführer der städtischen Tourismus + Congress GmbH, bewertet das City Camp als recht groß, es hat rund 100 Stellplätze. Doch derzeit eben nicht: Beide Plätze werden nicht in den Wintermonaten betrieben. "Camping war von Corona nicht so stark betroffen wie Hotels", sagt Feda. "Und Reisemobile steigen in der Zulassung", urteilt Gerhard Schönweitz. Derzeit betrage die Wartezeit für ein Wohnmobil rund 15 Monate. "Die Leute kaufen die Fahrzeuge" - und wollen damit schöne Gegenden und interessante Städte erkunden. Wie zum Beispiel Frankfurt.

Eine wichtige Voraussetzung fehlt an allen Standorten

Doch die Stadt hat das Platzproblem nicht exklusiv. "Auf allen Campingplätzen gibt es nur eine begrenzte Kapazität", erläutert Schönweitz "Unter 30 Stellplätzen braucht man erst gar nicht anzufangen", so der Camping-Experte, "da lohnt sich die Bewirtschaftung nicht." Voraussetzung für eine interessante Lokalität in Frankfurt wäre entweder ein etwas zentralerer Standort oder zumindest ein S-Bahn-Anschluss fußläufig. Und, wichtig, eine gewisse Infrastruktur, was Wasser, Abwasser und Strom angehe.

Thomas Feda erreichen immer wieder "Anfragen und Vorstöße". Das Höchst gegenüber liegende Schwanheimer Mainufer war ebenso im Gespräch wie das Messegelände außerhalb der Messezeiten. Schönweitz zufolge sei dies machbar: "Die Kunden können digital reservieren, und dann ist der Platz eben in der entsprechenden Zeit belegt." Auch Feda glaubt, ein Stellplatz muss attraktiv und wenigstens einigermaßen an den Nahverkehr angebunden sein. Deswegen sind Vorstöße in Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach bislang nicht erfolgreich gewesen.

Industriegebiete? Die Dezernentin winkt ab

In der vergleichsweise kleinen Metropole Frankfurt mangelt es aber insgesamt an Raum. Weder gibt es genug Pendlerparkplätze, noch gibt es genug Industrieflächen. Die Chance, etwa auf der freigewordene Fläche im Industriepark Griesheim einen Wohnmobilplatz zu errichten, will das Wirtschaftsdezernat deshalb nicht ermöglichen. Dies hat sich mit dem Regierungswechsel nicht geändert. Zwar sei es Dezernentin Stephanie Wüst (FDP) ein Anliegen, dass die Tourismusbranche sich schnell erholt, schreibt sie, doch "touristische Verkehre oder Stellplätze für Wohnmobile sehe ich zurzeit auf Industrie- und Gewerbegebieten nicht. Als zuständige Dezernentin muss ich dafür Sorge tragen, dass die Firmen dort ohne Einschränkungen arbeiten können." Frankfurt habe jetzt schon eine absolute Flächenknappheit, was Industrie und Gewerbe angehe. "Meine Priorität liegt klar darin, den Unternehmen, die am Standort bleiben oder wachsen möchten, eine Perspektive zu geben." So sind auch freie Flächen in Griesheim keine Option für den Tourismus. Selbst wenn das direkt am Fluss liegt, Strom und Wasser vorhanden sind. (Thomas J. Schmidt)

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