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Denis Bambusek leitet die Bolzplatzliga seit ihrer Gründung.

Interview zu Fußball-Projekt für Frankfurter Jugendliche

Warum die Frankfurter "Bolzplatzliga" funktioniert

Die Kinder und Jugendlichen der Frankfurter „Bolzplatzliga“ haben am Samstag wieder ihren großen Tag. An der Commerzbank-Arena finden die Endspiele der diesjährigen Saison statt. Mitarbeiter Peppi Schmitt hat mit Denis Bambusek (36), der das Projekt des Sportkreises seit seiner Einführung vor vier Jahren begleitet, gesprochen. Im Grunde ist es so etwas wie „sein Baby“.

Herr Bambusek, wie lange ist es her, dass sie sich zum ersten Mal mit einer „Bolzplatzliga“ beschäftigt haben? Wer hatte wann die Idee?

DENIS BAMBUSEK: Wir, das Gallus-Projekt-Team, haben uns im Jahr 2012 das erste Mal mit der Idee einer stadtweiten Bolzplatzliga intensiver beschäftigt. Ausgangspunkt waren die Jugendlichen im Galluspark, denen zwei Turniere im Jahr zu wenig waren. Sie wollten bei all dem Training nicht immer gegen die Gleichen spielen. Sie wollten neue Gegner und damit neue Herausforderungen, um ihr Können zu zeigen. Und sie wollten andere Bolzplätze kennenlernen. Somit ist die Idee der Liga entstanden.

Jetzt geht die vierte Saison zu Ende, es ist nicht übertrieben, wenn von einer „Erfolgsgeschichte“ gesprochen wird. Was das so zu erwarten oder hat am Anfang die Skepsis überwogen?

BAMBUSEK: Als ich mit der Idee zu den Einrichtungen bin, habe ich ganz unterschiedliche Reaktionen erhalten. Die meisten fanden die Idee gut. Leider hat es aber nicht immer mit der Teilnahme geklappt. Bei denen, die mitgemacht haben, hat man aber gemerkt, dass alle, also Teamleiter, Sozialarbeiter und Spieler sowie die Einrichtung, dahinter stehen. Da hab ich mir gedacht, wenn ich mehr Engagierte wie die finde, wird es klappen.

Gibt es eigentlich Spieler und Mannschaften, die von Anfang an dabei waren und es immer noch sind?

BAMBUSEK: Ja, praktisch alle, die nicht zu alt für die Liga sind, sind noch dabei. 99 Prozent der Teams, die einmal mitgemacht haben, bleiben dabei, bis sie zu alt sind oder aus anderen Gründen ausscheiden. Vor allem die Teams aus dem Gallus, Griesheim und Nied sind die Gründungsteams der Liga. Diese Quote zeigt am deutlichsten, dass die Liga funktioniert und nicht unnötig ist.

Muss man als Verantwortlicher eigentlich Jahr für Jahr Überzeugungsarbeit für die Teilnahme an der Liga leisten oder ist sie inzwischen etabliert?

BAMBUSEK: Bei den Teams, die schon einmal mitgemacht haben, nein. Das sind Selbstläufer. Bei allen anderen muss ich Überzeugungsarbeit leisten. Da geht es vor allem darum zu erklären, dass der Aufwand nicht so groß ist und für alle im Grunde auch leistbar sein müsste. Aber hier stoßen manchmal die angesprochenen Einrichtungen einfach an ihre Grenzen, weil ihnen die Mitarbeiter dafür fehlen. Ein anderer Punkt ist, dass es zwar Sportangebote in den von mir angesprochenen Einrichtungen gibt, diese aber überhaupt nicht organisiert sind. Somit ist es schwer, eine Mannschaft zusammenzustellen. Manchmal können wir dann helfen, eine studentische Aushilfskraft zu integrieren, die das Sportangebot in die Hand nimmt. Der erhoffte Effekt kann aber auch erst nach einem Jahr sichtbar werden.

Vieles läuft gut in der Bolzplatzliga, aber niemals ist alles gut. Was kann man also noch verbessern?

BAMBUSEK: Wir lernen jedes Jahr dazu. Verbessern kann man immer etwas. Für dieses Jahr konnten wir unser Team vergrößern, was uns mehr Flexibilität bei den Spieltagen eingebracht hat. Die Öffentlichkeitsarbeit, vor allem jene, die die Jugendlichen ansprechen soll, ist noch ausbaufähig. Mit unserer projektbezogenen Website haben wir einen Anfang gemacht.

Gibt es auch eine Akzeptanz über die Verantwortlichen in der Stadt und im Sportkreis und den Betreuern hinaus? Könnte nicht gerade bei den Eltern der Spieler mehr Interesse herrschen? Oder auch bei den Politikern?

BAMBUSEK: Ich glaube, bei den Politikern und anderen Entscheidern ist die Akzeptanz da. Das mit den Eltern ist so eine Sache. Viele habe ich noch nicht gesehen. Allerdings spielen wir unter der Woche und da haben die Eltern nicht immer so viel Zeit wie am Wochenende. Andererseits gibt es auch Teams, die ihre Gastgeberrolle sehr ernstnehmen und die zu ihren Heimspielen auch Fans organisieren. Da steigt die Stimmung natürlich.

Die politische Situation hat sich in den vergangenen beiden Jahren gerade in Bezug auf Flüchtlinge deutlich verändert. Spürt man das auch bei der Bolzplatzliga? Ist es schwieriger, Sponsoren für die Liga zu gewinnen? Ist es schwerer geworden, ganz grundsätzliches Verständnis für die Lage vielen beteiligten Spieler aufzubringen?

BAMBUSEK: Nein, das Interesse an der Liga ist durch die Teilnahme von Geflüchteten eher gewachsen. Sponsoren oder Stiftungen sehen das sehr positiv. Mit dem Sportamt läuft es super, wir würden uns aber über mehr aktive Unterstützung seitens des Jugendamtes freuen. Die „einheimischen“ Jugendlichen haben sich auch schnell daran gewöhnt. Teams mit Geflüchteten gehören zur Liga wie Bolzplätze mit Bäumen in der Mitte des Spielfelds. Schade für uns ist, dass so viele Einrichtungen dieses Jahr schließen mussten.

Wie sehr ist die Liga für sie Aufgabe, Beruf oder auch Berufung?

BAMBUSEK: Es ist Beruf, bis ein Spiel losgeht, dann ist es Berufung. Und wenn ich donnerstags zum Mittagessen gehe und einige Jugendliche aus der Liga mich auf der Straße sehen und von ihrem unglaublichen Sieg vom Vortag erzählen auch. Das gilt auch wenn mich die Schiedsrichter um 23 Uhr noch versuchen anzurufen, weil sie vergessen haben wann und wo sie als nächstes Pfeifen.

Was würden sie sich ganz persönlich in Bezug auf die Liga wünschen?

BAMBUSEK: Dass die Liga noch viele Jahre weitermachen kann und sich jedes Jahr mehr Teams aus mehr Stadtteilen, wir haben über 40, daran beteiligen. Und dass wir das Finale irgendwann im Stadion spielen können. Davor ist schon sehr geil, aber im Stadion . . .

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