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Pater Paulus Terwitte vor dem Franziskustreff am Liebfrauenberg. Dort bekommen Obdachlose nicht nur ein Frühstück.

Obdachlosenhilfe

Warum 25 Jahre Franziskustreff in Frankfurt kein Grund zum Jubeln sind

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Zu seinem 25. Geburtstag erweitert der Franziskustreff des Liebfrauenklosters die Angebote für seine Gäste, gibt mit Zeitschrift und Freiluftfrühstück Einblicke in verschiedene Lebenswege. Von einem „Jubiläum“ möchte Bruder Paulus nicht sprechen – und nennt dafür einen Grund.

Klaus (65) ist von Beruf Lehrer und lebt seit drei Jahren im Frankfurter Stadtwald. Mehmet (53) kann wegen der Augenkrankheit „grauer Star“ nicht mehr arbeiten, lebt mit einem Kumpan unter einer Brücke, sehnt sich aber nach einer Wohnung zurück. Weg von der Straße sind inzwischen Peter, Wolfgang K. und Wolfgang W. – sie haben dank eines Wohnungsangebots in der Nähe des Liebfrauenklosters in der Neuen Kräme eine Männer-WG gegründet.

Diese und viele andere Lebenswege kreuzen sich täglich, wenn der Franziskustreff seit 25 Jahren von 7.45 Uhr bis 11.15 Uhr zum Obdachlosenfrühstück im Liebfrauenkloster einlädt. In der neuen kostenlosen Zeitschrift „Unterwegs“, die vorerst in öffentlichen Einrichtungen wie Arztpraxen verteilt wird und bei Bedarf per Post erhältlich sein soll, erzählen die fünf oben genannten Männer ihre Geschichte. Weitere Gäste berichten im neuen Blog „Obdachlose Stadtschreiber“ unter aus ihrem Leben.

Doch der Treff geht noch einen Schritt weiter und möchte seine Gäste unter dem Motto „Ein Schritt nach vorn auf dem Weg zurück“ mit

Beratungsangebote

n und Wegbereitern wieder in ein normales Leben führen. Von einem Jubiläumsprogramm möchte Bruder Paulus Terwitte, Guardian des Liebfrauenklosters und Vorstand der Stiftung Franziskustreff, bewusst nicht sprechen. „25 Jahre Franziskustreff sind kein Grund zum Jubeln. Es ist ja traurig, wenn Menschen in die Obdachlosigkeit geraten und unsere Einrichtung aufsuchen“, stellt er klar. Rund 400 Menschen gelten derzeit in Frankfurt als obdachlos, etwa die Hälfte von ihnen lebt in der Innenstadt. Rund 2700 Menschen sind wohnungslos, was bedeutet, dass sie zumindest eine Unterkunft haben.

Zeitnah zum Tag der Wohnungslosen in Deutschland veranstalten die Brüder des Kapuzinerordens am Samstag, 8. September, um 7.45 Uhr einen „Gläsernen Franziskustreff“, ein Freiluftfrühstück, zu dem jeder Bürger eingeladen ist und wie die Gäste einen Beitrag von 50 Cent zahlt. Wer dort ins Gespräch kommt oder sich auch sonst weiter für die Obdachlosen engagieren möchte, kann nach Voranmeldung an Donnerstag, 25. Oktober, zusammen mit prominenten Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Bildung zum ersten Wegbereiter-Abend ins Liebfrauenklosterkommen.

„Wir suchen Menschen die ihr Leben wahrscheinlich erfüllt nennen, aber auch viel Mitgefühl für Menschen mit weniger Glück und Erfolg haben und Hilfestellungen anbieten können“, sagt Bruder Paulus. Eine solche Hilfestellung könnte etwa eine gerade nicht benötigte Wohnung sein, aber auch ein Praktikum, das man etwa einem früheren Ingenieur anbieten könne, der lange Zeit auf der Straße gelebt hat. Wobei dann auch das nötige Verständnis dazugehört, wenn man an einen solchen Praktikanten erst einmal nicht die üblichen Maßstäbe anlegen könne, was die Pünktlichkeit und Arbeitsleistung betrifft.

Vor Ort baut der Franziskustreff seine Sozialräume für das weitere Gesprächs- und Beratungsangebot aus und investiert dafür rund 140 000 Euro an Stiftungsgeldern. „Wir helfen jedem Bedürftigen und akzeptieren seinen eigenen Weg, den er mit seiner eigenen Geschwindigkeit gehen möchte“, betont Paulus. Oft gehöre dazu sehr viel Geduld und Einfühlungsvermögen. Aber es lohnt sich, wie nach seinen Angaben das Beispiel des Lehrers Klaus zeigt: „Gerade sind wir dabei, ihm einen Weg zu zeigen, um eine neue Tür zu öffnen.“

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