Warum Wohnungsbau so teuer ist

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Mit der Mietpreisbremse versucht die Politik derzeit, die steigenden Wohnkosten zu dämpfen. Doch die Preistreiber sind vor allem Vorschriften, die ebenfalls politisch beschlossen wurden, haben Experten gestern bei einer Tagung in Frankfurt festgestellt.

Wohnungen zu bauen wird immer teurer. Um 20 Prozent sind in den vergangenen zehn Jahren die Baukosten in Hessen gestiegen, die Grundstücke wurden sogar um 40 Prozent teurer – unter anderem durch die erhöhte Grunderwerbssteuer. Als Hauptschuldigen hat die vor allem von der Bau- und Wohnungswirtschaft getragene Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“ bei einer Fachtagung gestern die Politik ausgemacht. Sie drehe auf allen Ebenen an der Preisschraube, sagte Rudolf Ridinger, Chef des Verbandes der südwestdeutschen Wohnungswirtschaft und Sprecher der Initiative. Auf der Tagung nannten Experten mehrere Beispiele: Energieeinsparung: Durch die aktuelle Fassung der Energieeinsparverordnung erhöhten sich die Baukosten um etwa sieben Prozent, rechnete Hans-Hartwig Löwenstein vor, der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes. Für den Mieter sei das ein schlechtes Geschäft, betonte Tobias Rösinger, Geschäftsführer des Projektentwicklers Wentz & Co. Durch den erhöhten Aufwand steige die Monatsmiete um etwa 30 Cent pro Quadratmeter. Im Gegenzug würden aber nur 15 Cent Heizkosten eingespart. Außerdem müsse die aufwendige Haustechnik oft schon nach 15 Jahren erneuert werden. Stellplätze: Ein großer Kostentreiber ist die Pflicht, Parkplätze zu errichten. Wo es eng ist, geht das meist nur unter der Erde. 30 000 bis 40 000 Euro kostet das pro Stellplatz. „Diese Kosten werden meist auf die Miete umgelegt“, sagte Ridinger. Deshalb forderte er, die Stellplatzsatzung in Frankfurt zu überarbeiten. „Ich verstehe nicht, warum man da nicht vorankommt.“ Die Stellplatzfrage verhindere oft auch, dass durch die Nachverdichtung bestehender Siedlungen preisgünstige Wohnungen entstehen, sagte Stefan Bürger, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft GWH.

Die aktuellen Bauvorschriften verlangen mehr Platz für Barrierefreiheit oder das Abstellen von Fahrrädern. Dadurch sinkt die Flächeneffizienz, die Baukosten steigen.

Brandschutz: Die Feuerwehr ist mit immer größeren Fahrzeugen unterwegs. „Die Zufahrten müssen deshalb fast schon wie eine Autobahn betoniert werden“, sagte Ridinger. Außerdem müsse bei jeder Aufstockung eines Gebäudes ein neues Brandschutzkonzept vorgelegt werden. Zusatzkosten: Investoren werden häufig verpflichtet, soziale Infrastruktur wie Kindergärten zu finanzieren. Ridinger warnte vor weiteren Belastungen, etwa durch eine Nahverkehrs-Abgabe.

Auf der Tagung wurde ein Forderungskatalog erarbeitet, in dem mehrere Ansätze aufgezeigt werden, wie die Politik den weiteren Preisanstieg dämpfen könnte.

(mu)

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