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Warum zwei Schauspieler in Frankfurt für einen vor zwei Jahren gedrehten Film werben

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Von: Enrico Sauda

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Machen gerade in Frankfurt Werbung für ihren neuen Film: Die österreichischen Schauspieler Verena Altenberger und Lukas Miko.
Machen gerade in Frankfurt Werbung für ihren neuen Film: Die österreichischen Schauspieler Verena Altenberger und Lukas Miko. © enrico sauda

Migration und der Umgang mit ihr in Europa: Brandaktuell ist der Film, für den zwei Schauspieler nun in Frankfurt werben.

Frankfurt -Premiere hatte der Film vor ungefähr zwei Jahren. Die Dreharbeiten liegen noch weiter zurück. Jetzt kommt „Me, we“ in die deutschen Kinos und die beiden österreichischen Darsteller Verena Altenberger und Lukas Miko düsten in die Mainmetropole, um für den Streifen zu werben. „Und trotzdem ist er aktueller denn je - durch den Ukrainekrieg“, sagt Miko.

Und darum geht’s: Vier ineinander verwobene Geschichten erzählen in dieser Tragikomödie von Flucht, Migration und dem Umgang damit in Europa. Marie (Verena Altenberger), eine junge Freiwillige, fährt ans Mittelmeer, um zu helfen. Der halbstarke Marcel gründet einen Geleitschutz für Frauen aus Angst vor angeblich übergriffigen Migranten. Die Redakteurin Petra nimmt einen minderjährigen Flüchtling bei sich auf. Und der Asylheimleiter Gerald (Lukas Miko) wird von einem seiner Schützlinge auf eine harte Probe gestellt. y

Vor zehn Jahren bereits zwei Filme am Main gedreht

„Me, We“ erzählt von vier Menschen, deren Haltung zu Flucht und Asyl durch die Konfrontation mit der Realität massiv auf die Probe gestellt wird. Ein Film aus der Sicht der „Gastgeber“ sozusagen. „Me, We“ stellt Fragen wie, „ob’s in der Realität so ist, dass alle miteinander kooperieren oder eher gegeneinander oder Angst haben voreinander“, so Miko, der in Frankfurt vor ungefähr zehn Jahren „Im Labyrinth des Schweigens“ und vergangenes Jahr „Last Song for Stelle“ drehte. „’Me, We’ ist für mich ein sehr wichtiger Film, weil die Humanitätskrise uns schon sehr lange begleitet und viele rechtsextreme Parteien sie nutzen und Fremdenhass schüren. Und wir sehen jetzt, dass, wenn aus der Ukraine Menschen flüchten, die Leute denken, es beträfe sie mehr, weil’s vor der eigenen Haustür ist“, meint Miko. Die Fragen seien die gleichen, „aber plötzlich brennt es ganz nah. Und so entsteht das Gefühl, dass das auch wir sein könnten“, findet der Schauspieler.

„Es ist ein Thema, das mich interessiert und das ich gerne künstlerisch bearbeite, weil ich glaube, dass Filme etwas bewirken können“, sagt Verena Altenberger. „Aber im Endeffekt war’s so, dass das Drehbuch sehr gut war und dass David Clay Diaz ein sehr guter, junger Regisseur ist“, so die Schauspielerin, die auch durch ihre Rolle der Polizeioberkommissarin Elisabeth „Bessie“ Eyckhoff im „Polizeiruf 110“ bekannt ist. Gereizt habe sie, dass ein Großteil dieser Rolle auf Lesbos gedreht wurde und das viel mit echten Helfern. „Wir sind nach wie vor in Kontakt“, sagt Verena Altenberger.

Der Wunsch des Flüchtlingskinds beeindruckt

Beeindruckt habe sie einer der ersten Abende im Camp für Geflüchtete, als sie mit den Helfern zusammensaß und einer Geburtstag hatte. „Jeder durfte sagen, was er sich für die Zukunft wünscht. Ich sagte, welche Rolle ich mir wünschen würde. Und das Geburtstagskind wünschte sich authentisch und echt, dass weniger Menschen wegen irgendwelcher Kriege sterben. Das hat mich verändert, weil ich gemerkt habe, dass ich nicht auf die Idee gekommen bin, dass das mein Fokus sein könnte.“ Das habe ihr gezeigt, dass es Menschen gibt, denen es das größte Bedürfnis ist, anderen zu helfen. „Das hat mich sehr inspiriert“, so Verena Altenberger. Für sie geht es jetzt weiter im Herbst mit der Abschlussfolge beim „Polizeiruf 110“. „Ich bin niemand, der alt wird in einer Rolle. Ich freue mich aufs Weiterziehen und wir hatten uns von Anfang an auf vier Jahre geeinigt.“ Aber der Abschied falle ihr nicht leicht. „Ich mag die Rolle sehr und schätze die Redaktion sehr. Aber es ist gescheit, wieder weiterzuziehen.“

Ihn habe „Me, we“ - übrigens das kürzeste Gedicht der Welt, das Boxlegende Muhammad Ali in Harvard improvisierte - „ein bisschen auf den Angriffskrieg der Russen auf die Ukraine vorbereitet“, so Miko, der drei Geflüchtete aufgenommen hat. „Da zu sein und ständig etwas zu tun zu haben und Verantwortung übernehmen: Es entsteht eine Beziehung“, schildert Miko. Sein nächstes Projekt ist bereits in Arbeit. Er sitzt an einem Drehbuch über den ungarisch-österreichischen Mediziner Ignaz Semmelweis. „Er fand heraus, warum Mütter an Kindbettfieber starben. Das ist eine Geschichte, die mich schon lang umtreibt und ich schreibe mit David Clay Diaz das Drehbuch und hoffe, er wird’s inszenieren und ich werden den Arzt spielen.“ (Enrico Sauda)

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