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Was dürfen Schuhe für Obdachlose kosten?

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Von: Matthias Bittner

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Streitpunkt Schuhe FOTO: dpa
Streitpunkt Schuhe © PantherMedia / Patrizio Martoran

BOCKENHEIM Stadtteilparlamentarier diskutieren über Zuschuss an die AdA-Kantine

Dürfen Winterschuhe zwischen 130 und 150 Euro kosten? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) in seiner jüngsten Sitzung. Ausgangspunkt der kontrovers geführten Diskussion war ein Antrag von Grünen, SPD, Linke und BFF, die Weihnachtsaktion der AdA-Kantine mit 3000 Euro aus dem Ortsbeiratsbudget zu unterstützen.

Überraschendes

Ergebnis

Die AdA-Kantine ist eine solidarische Küche in der ehemaligen "Akademie der Arbeit" auf dem alten Uni-Campus. Sie wird von etwa 200 ehrenamtlichen Helfern, verschiedenen Vereinen und mit Hilfe von Spenden betrieben und gemeinnützig durch die Initiative Zukunft Bockenheim geleitet. Das Angebot ist für alle offen, vor allem wird hier aber Obdachlosen und Bedürftigen ein Mittagessen serviert. Bei der Weihnachtsaktion 2021 waren Gäste gefragt worden, was sie am dringendsten benötigen. Das Ergebnis: Winterschuhe. "Wir waren selber überrascht", sagt Anette Mönich. Deshalb wollen die Initiatoren der Aktion nun den etwa 30 Bedürftigen ihren Wunsch erfüllen und Winterschuhe besorgen. Kalkuliert wird mit 130 bis 150 Euro pro Paar.

"Die Intension ist ja sehr gut", lobte Birgit Weckler (CDU). Die Kalkulation erscheine ihr allerdings etwas zu hoch, sagte sie mit Verweis auf ihre eigenen Stiefel. "Die Schuhe, die ich trage, haben zehn Euro gekostet", erklärte sie. Grundsätzlich aber stelle sich ihr die Frage, ob das Ortsbeiratsbudget mit Unterstützung der Aktion zweckentfremdet werde. Und: "Ist das überhaupt unsere Aufgabe im Ortsbeirat?" Auch FDP-Fraktionsvorsitzende Sophie Hartmann äußerte Bedenken. Es sei nicht gerecht, dass andere ein langwieriges Antragsverfahren im sozialen Sicherungssystem durchlaufen müssten während über die Weihnachtsaktion doch relativ unkompliziert neue Winterschuhe zu bekommen seien.

SPD-Fraktionsvorsitzender Martin Völker störte die Argumentation: "Man kann doch nicht das Engagement einerseits loben, dann andererseits die Unterstützung verwehren." Er erinnerte daran, dass Verbände wie Awo oder VdK vom Staat und der Stadt unterstützt würden. Deshalb sei es in Ordnung, wenn der Ortsbeirat hier Geld gebe. Knut G. Emmert (BFF) erklärte, in solchen Einzelfällen sei es gerechtfertigt, lokale Initiativen zu unterstützen.

Grünen-Sprecherin Katrin Haus wollte eigentlich nicht über Schuhpreise reden - tat es dann aber. "Die Menschen, die es betrifft, haben in der Regel nur ein Paar Schuhe, das sie täglich tragen. Sie laufen auch weit. 130 bis 150 Euro sind da angemessen", sagte sie. Da müssten andere lange sparen, um sich das leisten zu können, entgegnete Axel Kaufmann (CDU), der die Sitzung in Abwesenheit von Ortsvorsteher Thomas Gutmann leitete. "Haben Sie es schon mal in Kleiderkammern gefragt?", wollte er von den Initiatoren wissen. Dort seien nicht die passenden Größen vorrätig, sagten sie. Man habe auch in diversen Geschäften nach Rabatten gefragt - vergeblich.

Manfred Zieran, Stadtverordneter von Ökolinx-ARL, erklärte, das Gremium solle nicht so kleinlich sein. "Überall, wo Menschen in Not geholfen wird, ist Geld sinnvoll eingesetzt", meinte er.

Vorgesehen für

Verschönerungen

Grundsätzlich ist das Budget der Stadtteilparlamente für Maßnahmen vorgesehen, die zur Aufwertung des Stadtteils beitragen. Kleiner Umbauten oder die Anschaffung von Spielgeräten sind möglich. Während der Corona-Pandemie war und ist es den Ortsbeiräten auch erlaubt, Vereinen mit einer finanziellen Spritze zu unterstützen. Auch Schriftführer Carlo Trinklein wusste keine Antwort. "Einfach beantragen, wenn etwas dagegen spricht, meldet sich der Magistrat schon", riet er.

Der Antrag wurde schließlich mit knapper Stimmenmehrheit angenommen. Matthias Bittner

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