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Frankfurter über OB Feldmann: „Was er sich geleistet hat, geht gar nicht“

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Von: Thomas J. Schmidt

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(Ab)wählen in der Falkschule: Im Klassenraum der 6a ist ein Wahlbüro untergebracht. Der Spiegel an der Wand des Klassenzimmers gewährt einen Einblick. FOTO: Rainer Rüffer
(Ab)wählen in der Falkschule: Im Klassenraum der 6a ist ein Wahlbüro untergebracht. Der Spiegel an der Wand des Klassenzimmers gewährt einen Einblick. © rainer rüffer

Im Wahllokal in der Falkschule im Gallus in Frankfurt war am Vormittag noch nicht viel los. Viele Wähler hätten beim Bürgerentscheid bereits per Brief abgestimmt, berichten Wahlhelfer.

Frankfurt - Ob der Oberbürgermeister bleiben kann, wird heute auch im Gallus entschieden. In der Falkschule, Ludwigstraße, hat ein Wahllokal geöffnet. Ein kleiner Klassenraum - normalerweise paukt hier die 6 a - ist umgerüstet. Im Stimmbezirk 161-01 können bis zu 1446 Wahlberechtigte abstimmen. Gegen 12 Uhr war nur ein Bruchteil da gewesen.

Eben kommt Violetta aus der Schule. Die 23 Jahre alte Auszubildende hat ihre Stimme abgegeben - gegen Peter Feldmann. „Das war mir wichtig. Es kann ja nicht so weitergehen mit Frankfurt.“

Einige Minuten später kommt der nächste Stimmberechtigte über den Schulhof und verschwindet hinter der Tür. Wenige Minuten später tritt er heraus. „Ich bin ganz klar für die Abwahl“, kommentiert er und geht weiter.

Bürgerentscheid in Frankfurt: Keine Zwischenfälle in Wahllokal im Gallus

Drinnen, im Klassenraum der 6 a, geht es noch entspannt zu. Ab und zu ein Wähler, manchmal auch keiner. Beisitzerin Sarah Burmester hat einige Bücher mitgebracht und liest darin, wenn sie Zeit hat. Sie ist zum zweiten Mal als Wahlhelferin im Auftrag der Stadt im Einsatz. Iris Winkler, ebenfalls Beisitzerin, ist „schon immer“ Wahlhelferin. Vor ihr stapeln sich die Stimmzettel, die sie und ihre Kollegin ausgeben. An der Stirnseite befinden sich zwei Wahlkabinen. Die Köpfe der Wähler sind dahinter zur Hälfte zu sehen. Was sie ankreuzen, wird von einer weißen Resopal-Platte verdeckt.

Dann mal kurz Aufregung: Eine Frau, die ihre Stimme abgegeben hat, muss aus dem Wählerverzeichnis ausgestrichen werden, ist aber nicht aufzufinden. „Ich stehe hier, die zweite von oben“, entdeckt sie ihren Namen noch vor Schriftführer Pietro Prodan, der zum ersten Mal als Wahlhelfer dabei ist. Neben ihm sitzt Simon Lacoste: „Ich bin der stellvertretende Wahlamtsleiter, der richtige kommt in der Spätschicht.“ Spätschicht? „Wir haben uns aufgeteilt. Wir haben um 7.30 Uhr den Raum hergerichtet und um 8 Uhr das Wahllokal geöffnet, um 13 Uhr kommt die Ablösung.“

Bis jetzt sei es ruhig, sagt Lacoste, es gab keine Zwischenfälle. Außer jetzt vielleicht, als sich fünf oder sechs Wahlwillige in dem kleinen Klassenraum drängen. Manchmal geht das Geschäft stoßweise, und die beiden Beisitzerinnen eilen sich, die Wahlberechtigungen zu prüfen und die Stimmzettel auszugeben.

Bürgerentscheid in Frankfurt: Wahlhelferin wartet in der Novembersonne

Draußen auf dem Schulhof hingegen ist alles ruhig. In der Sonne wartet eine Frau. Will sie wählen? Traut sie sich nicht hinein? Nein. „Ich bin Wahlhelferin“, sagt sie. „Mein Dienst beginnt in einer Viertelstunde.“ Monika Pangritz, so heißt die Frau, ist seit 2003 bei Wahlen im Stadtgebiet im Einsatz ist. „Ich habe es schon oft erlebt“, sagt sie, „dass vormittags eher wenig los ist. Die meisten kommen so ab 14 Uhr, nach dem Mittagessen, wenn sie vielleicht den Spaziergang machen.“ Vormittags gibt es eher einen „Stoßverkehr“ nach der Kirche. „Ich bin gespannt, wie es dieses Mal wird.“ Der Anteil der Briefwähler sei ja recht hoch, das Auszählen der Stimmzettel hingegen vergleichsweise einfach. Es gibt nur Ja und Nein, kein Kumulieren und Panaschieren, wie sonst bei der Kommunalwahl.

„Um 18 Uhr kommt die Frühschicht an Wahlhelfern zurück, und gemeinsam zählen wir dann die Stimmen aus“, erläutert Pangritz. Ihr Kollege René Karsubke ist hinzugekommen und steht neben ihr, in der Novembersonne auf dem Schulhof. Er ist seit 2008 Wahlhelfer und bereitet sich jetzt auf die Stunden im Wahllokal vor. „Wir machen das freiwillig, und es gibt ja auch eine Aufwandsentschädigung“, sagt er. Monika Pangritz ergänzt: „Manche sind ganz froh, etwas Geld hinzuverdienen zu können. Ich selbst bin dabei, weil mein Mann in einer Partei ist. So bin ich auf die Idee gekommen.“

Eben, kurz vor 13 Uhr, Monika Pangritz und René Karsubke machen sich schon auf zum Schultor, kommt ein Paar zur Falkschule. Christina (30) ist Frankfurterin und darf abstimmen, ihr Freund nicht. Für Hotelfachfrau Christina steht die Entscheidung fest: „Ich wähle den OB ab. Was er sich geleistet hat, das geht nicht.“ Er sei isoliert, er schade seiner Stadt, und irgendwann sei es genug: „An seiner Stelle würde ich mich unwohl fühlen.“ Selbst, wenn er im Amt bleiben sollte. (Thomas J. Schmidt)

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