Das Lyoner Quartier ändert sich fast wöchentlich. Überall wird gebaut. FOTO: archiv
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Das Lyoner Quartier in Frankfurt ändert sich fast wöchentlich. Überall wird gebaut.

Wo Frankfurt fast täglich wächst

Lyoner Quartier in Frankfurt wächst enorm – doch es fehlt ein Verkehrskonzept

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Rasantes Wachstum, aber kein Verkehrskonzept: Die Standortinitiative ist mit der Entwicklung im Lyoner Quartier in Frankfurt trotzdem zufrieden.

Frankfurt – David Roitmann ist Vorsitzender der Standortinitiative Neues Niederrad (SINN). Er hat als Geschäftsführer der Argaman Projektmanagement GmbH selbst im Lyoner Quartier investiert und sprach mit FNP-Redakteur Thomas J. Schmidt über die Chancen des Viertels.

Herr Dr. Roitmann, wie geht es dem Lyoner Quartier?

Es entwickelt sich sehr positiv. Vor fünf Jahren haben hier rund 1000 Menschen gewohnt, jetzt sind es 5000.

Frankfurt: 5000 Menschen wohnen im Lyoner Quartier

Wie viele sind es bis zum Jahresende?

Derzeit sind weitere 2600 Wohnungen genehmigt und 1300 in der Bauberatung beim Stadtplanungsamt. Es könnten noch gut 1500 Einwohner dazukommen. Aber das ist noch lange nicht das Ende.

Wie hoch sind die Mieten und Preise für Eigentum?

Wohneigentum kostet 6000 bis 6500 Euro pro Quadratmeter, die Mieten liegen im Neubau bei 16 bis 18 Euro. Corona hat daran nichts geändert, wir haben keine negativen Effekte wahrgenommen.

Frankfurt: Lyoner Quartier wird kein reines Wohngebiet

Dennoch, Unternehmen ziehen weg. Woran liegt das denn? Wird es bald ein reines Wohnquartier?

Nein, mit Sicherheit nicht. Das Quartier bleibt ein Mischgebiet, und das ist auch seine Stärke. Sie müssen folgendes sehen: Nestlé und Siemens verlassen das Quartier weil sie in alten Gebäuden sind, 30 bis 50 Jahre alt, und gerne in neue Immobilien wechseln wollen. Aber im Lyoner Quartier sind keine neuen Bürogebäude mit entsprechenden Flächen frei. Deswegen verlassen diese Firmen das Quartier. Es gibt hier für sie keine Entwicklungsmöglichkeit.

Gibt es auch Beispiele von Firmen, die in das Lyoner Quartier kommen?

Ja, die Bahn hat ihre Flächen in den vergangenen Jahren stark erweitert. Auch die Krankenkasse Barmer hat große Büroflächen gemietet. Man kann sagen, dass neue Büroflächen im Quartier sofort vermietet werden können. Es gibt aber zu wenige neue Büroflächen. Ältere Bürogebäuden genügen den heutigen Ansprüchen an Büros nicht, weshalb sie abgerissen werden.

Und die zum Teil in Wohngebäude umgewandelt werden.

Ja, aber der Neubau ist wichtiger. Die ABG wird rund 500 Wohnungen erstellen bzw. hat sie bereits erstellt, die Nassauische Sparkasse und die Landesbank Baden Württemberg haben ebenfalls investiert und weitere 600 Wohnungen fertiggestellt. Wir spüren nichts von einer negativen Entwicklung, auch nicht wegen Corona.

Frankfurt: Verkehrskonzept fehlt im Lyoner Quartier

Von der Bürostadt zum Lyoner Quartier - was bedeutet das?

Wir haben ein Alleinstellungsmerkmal. Es ist das einzige nicht innerstädtische Quartier, das Wohnen und Arbeiten ermöglicht, das einzige gemischt genutzte Viertel außerhalb der Innenstadt. Es ist für Unternehmen interessant, die den Stress der Innenstadt vermeiden wollen, ohne in einem reinen Gewerbegebiet zu sein. Es ist für die Anwohner attraktiv. Die Nahversorgung entwickelt sich positiv, zum Teil sind Einzelhandel und Verbrauchermärkte in Wohngebäude integriert, es gibt Kitas und Gastronomie.

Was fehlt Ihnen noch im Quartier?

Es fehlt wie überall ein Verkehrskonzept. Wir brauchen Straßen mit Boulevardcharakter, statt einfach rote Fahrradstreifen aufzumalen. Der Grünstreifen zum Stadtwald hin soll noch als Erholungsgebiet ausgebaut werden. Wir erwarten, dass dies auch bald geschieht.

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