Crack-Abhängige im Bahnhofsviertel.
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Crack-Abhängige im Bahnhofsviertel.

Kriminalität

Was Frankfurt gegen das Drogen-Elend im Bahnhofsviertel tut

  • vonBrigitte Degelmann
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Corona hat die Lage der Drogensüchtigen im Frankfurter Bahnhofsviertel verschärft. Inzwischen kümmert sich die Stadt verstärkt darum. Reicht das?

Frankfurt -Die Klagen über die Zustände im Bahnhofsviertel sind in den vergangenen Monaten immer lauter geworden. Weil während der Corona-Pandemie Touristen und Messebesucher fehlen, fällt das Drogen-Elend dort stärker ins Auge. Die FDP in der Stadtverordnetenversammlung regt deshalb grundsätzliche Änderungen in der Stadtpolitik an, vor allem beim "Frankfurter Weg" in der Drogenpolitik. Ein "Weiter so" könne es hier nicht mehr geben, heißt es in einem Antrag der Freien Demokraten.

FDP: Drogensüchtige zurückschicken an Heimatort

Stattdessen müssten die Hilfs- und Beratungsofferten erweitert oder zusätzliche Angebote eingerichtet werden. Und: "Da es eine Vielzahl von Drogenabhängigen gibt, die nicht aus Frankfurt kommen, muss überlegt werden, ob direkt bei den Hilfs- und Beratungsstellen in Frankfurt angesetzt werden könnte." Sie sollten mit entsprechenden Stellen in den Heimatkommunen der Drogenabhängigen Kontakt aufnehmen und mit ihnen einen Weg finden, damit die Drogenabhängigen wieder an ihren ursprünglichen Wohnort zurückkehren könnten, schlägt die FDP vor.

In seiner kürzlich veröffentlichten Stellungnahme erteilt der Magistrat diesem Ansinnen eine Abfuhr. Zwischen den Diensten und Einrichtungen der Sucht- und Drogenhilfe in der Metropolregion Rhein-Main bestünden bereits "gute kooperative Strukturen".

Stadt: Mehr Kooperation der Drogenhilfe nützt nichts

Außerdem besuchten Drogennutzer aus dem Umland Frankfurt in der Regel nicht, "um hier Angebote der Sucht- und Drogenhilfe in Anspruch zu nehmen, sondern wegen der hohen und ständigen Verfügbarkeit illegaler Drogen. Eine weitere Intensivierung der Kooperationen würde daran nichts ändern". Nach Angaben des Magistrats stammten 43,4 Prozent der Drogennutzer, die 2019 in die Konsumräume kamen, aus Frankfurt selbst; jeweils rund 28 Prozent kamen aus dem übrigen Hessen beziehungsweise aus anderen Bundesländern.

Darüber hinaus wird in der Stellungnahme betont, dass es im Bahnhofsviertel "ein ausdifferenziertes Hilfesystem für drogenabhängige Menschen" gebe. Das Angebot von Streetwork, Konsumräumen, Kontaktläden, Beratungsstellen und Notschlafplätzen trage wesentlich dazu bei, die Belastung durch Auswirkungen der Drogenszene zu begrenzen. Beispielsweise würden jedes Jahr rund 200 000 Konsumvorgänge in den Konsumräumen durchgeführt und nicht auf der Straße.

Elbestraße: Mehr Beratung im Drogennotdienst

Im Drogennotdienst Elbestraße sei Anfang Januar die medizinische Ambulanz um eine humanitäre Sprechstunde erweitert worden. "Seither können dort auch Drogenabhängige sehr niedrigschwellig behandelt und substituiert werden, die bislang nicht erreicht werden konnten", informiert der Magistrat - unter anderem Drogenabhängige ohne Krankenversicherung. Auch eine psychiatrische Sprechstunde habe man eingerichtet.

Dennoch gebe es während der Corona-Pandemie Probleme, räumt der Magistrat ein. Wegen der Hygienebestimmungen habe man die Konsumplätze im Frühjahr reduzieren müssen, "was die Situation auf der Straße verschärft hat". Seit Januar hätten aber die Konsumräume Niddastraße und der Drogennotdienst in der Elbestraße ihre nächtlichen Öffnungszeiten erweitert. Auch das Nachtcafé in der Moselstraße sei seit mehr als zwei Monaten länger offen. "Das Angebot im Bahnhofsviertel hält eine ausreichende Zahl von Plätzen in Einrichtungen für Drogenabhängige vor", resümiert der Magistrat deshalb. Dass dennoch viele Abhängige auf der Straße zu sehen sind, erklärt er auch damit, dass dort die Dealer zu finden seien. In Drogenhilfeeinrichtungen selbst müsse der Handel dagegen unterbunden werden, wegen der Gesetzeslage.

Insgesamt sei der gegenwärtige Blick auf die Lage im Bahnhofsviertel "stark durch die Auswirkungen und Reaktionen auf die Corona-Krise geprägt", heißt es in der Stellungnahme. Hier würden auch kurzfristig verfügbare Interventionen mit Angebotserweiterungen eingeführt, um die Auswirkungen zu mildern und Hilfen einzuleiten. Langfristige Zielsetzungen könnten aus der aktuellen Situation jedoch "nur begrenzt abgeleitet werden", betont der Magistrat.

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