Ortsbesichtigung dieser Tage. An der Instandsetzung des denkmalgeschützten Rathauses sind viele beteiligt: Ämter, Baufirmen, bald verschiedenste Gewerke. Da sind abgestimmte Zeitpläne schon eine Herausforderung für sich. FOTO: sauda
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Ortsbesichtigung dieser Tage. An der Instandsetzung des denkmalgeschützten Rathauses sind viele beteiligt: Ämter, Baufirmen, bald verschiedenste Gewerke. Da sind abgestimmte Zeitpläne schon eine Herausforderung für sich.

Frankfurter Denkmal

Was lange währt, soll nun auch am Rathaus endlich gut werden

  • Friedrich Reinhardt
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Noch fehlen einige Gutachten, aber im Frühjahr 2022 sollen die Handwerker in Bergen-Enkheim mit der Sanierung loslegen

Noch immer ist das Alte Rathaus Bergen-Enkheims in ein Gerüst gehüllt und wird von Netzen bedeckt. Der Zustand scheint seit Jahren der gleiche zu sein, doch der Schein trügt: Hinter den Kulissen wird geplant, statische Gutachten werden eingeholt, der Bauablauf und die Kosten werden kalkuliert. "Die Finanzierung im Mai war ein Meilenstein", sagt Christine Hammel vom Amt für Bau und Immobilien. Dadurch habe man nun die zwingend notwendigen Bauvorbereitungen in Angriff nehmen können.

"Wir haben jetzt 80 bis 90 Prozent der Informationen, die wir für einen reibungslosen Bauablauf benötigen und dann kann es losgehen", sagt Annabel Gräfin zu Stolberg, die Prokuristin des Bauunternehmens "Die Baurunde". Die für Baudenkmalpflege zuständige Firma hatte die Instandsetzung des Alten Rathauses übernommen, nachdem das letzte Architekturbüro abgesprungen war.

"Bei einem so sensiblen Bauwerk muss man genau wissen, wo man anfängt, und wie man seine Schritte setzt", erklärt Helmut Jäger, der Geschäftsführer der Baurunde. Mit den Jahren seien über 80 Prozent des Fachwerks durch Durchfaulung und Tierschaden schädigt worden. Auch kleine statische Veränderungen seien über die Jahre erfolgt und hätten das Bauwerk instabil werden lassen.

2,5 Jahre dauert's, schätzt die Baufirma

"Einige wenige Gutachten fehlen uns noch, dann können wir uns bald nach geeigneten Handwerkern umsehen", sagt Stolberg. So soll Anfang 2022 die Baustelle eingerichtet werden. Hierzu gehöre nicht nur der Ausbau der Fenster und wichtiger Bestandteile, die aufbereitet und wiederverwendet werden sollen, sondern auch der Austausch des Gerüsts. "Das derzeitig angebrachte Sicherungsgerüst hat nur einen statischen Zweck und soll die Stabilität unterstützen. Man braucht für die Arbeiten aber ein richtiges Baugerüst, das auch schwere Lasten tragen kann", erklärt Jäger.

Im Frühjahr sollen schließlich die Arbeiten am Dach beginnen. Es seien auch viele Sicherheitsarbeiten notwendig, sodass die Bauzeit bei ungefähr 2,5 Jahren liege, schätzt Jäger. Dabei würde erst die Hülle und dann die Innenräume bearbeitet. "Irgendwann wird es aussehen wie ein Schweizer Käse", sagt Amtsarchitektin Hammel, "doch keine Sorge, das ist nur eine Zwischenstation."

Aufgrund der "besonderen Herausforderung durch die geringe Fläche um das Gebäude", so Hammel, seien bereits Fachplaner engagiert worden. Diese würden es so einrichten, dass die Durchfahrt auf der Marktstraße bleiben könne, aber einige Parkplätze müssten weichen. Gabriele Schuster vom Kulturamt befände sich bereits im Gespräch mit den Anwohnern. "Zwei Parkplätze werden für die Baustelleneinrichtung abgeben. Die beiden anderen Parkplätze, angrenzend zur Hausnummer 44, können bleiben", sagt Schuster. Außerdem sei sie in Kontakt mit dem Hähnchenverkäufer, dessen Stand an einen anderen Ort verlegt werden müsse. Wenn nicht weitere Komplikationen auftreten, können sich die Bergen-Enkheimer bald wieder an einem Rathaus erfreuen, das nicht nur das Heimatmuseum beherbergt, sondern vielfältig genutzt wird. "Vorträge, Lesungen und Sonderausstellungen werden dann auch möglich sein. Außerdem werden wir mit einem behindertengerechten zweiten Eingang und einer Behindertentoilette zumindest im Erdgeschoss Barrierefreiheit gewährleisten können", sagt Schuster.

Doch trotz der vielen kleinen Probleme, die noch gelöst werden müssen, soll's losgehen. "Nächste Woche werden wir be den Brunnen vor dem Rathaus abtragen und einlagern", sagt Stolberg. Auch der große Baum auf dem Platz vor dem Rathaus soll für einen reibungslosen Bauablauf bald etwas gekürzt werden.

Jana Weber

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