Zwei Grubenhäuser aus dem 10. und 11. Jahrhundert, die an der Marktstraße 53 gefunden wurden.
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Zwei Grubenhäuser aus dem 10. und 11. Jahrhundert, die an der Marktstraße 53 gefunden wurden.

Bergen-Enkheim

Ausgrabungen in Frankfurt: Archäologen machen spektakulären Fund

  • vonFriedrich Reinhardt
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Bei Grabungen in Frankfurt Bergen-Enkheim entdecken Archäologen einen Brunnen und ein knapp 2500 Jahre altes Kindergrab.

Frankfurt – Die älteren Bergen-Enkheimer werden sich an ihn noch erinnern, an den alten Stillsbrunnen an der Marktstraße. Mindestens bis zum Jahr 1965 soll er direkt an der Straße gestanden haben. Bei Ausgrabungen auf dem Grundstück Marktstraße 53 hat das Frankfurter Denkmalamt ihn im Sommer wiederentdeckt. Und es war nicht der einzige Fund.

Dass der Stillsbrunnen "verloren gegangen ist", wie Andrea Hampel, die Leiterin des Denkmalamtes, sagt, wundert nicht. Er wurde genutzt, um Pferde zu tränken. Mit der massenhaften Verbreitung des Automobils sind Pferde aus dem Stadtbild verschwunden. Auch für die Wasserversorgung spielen Brunnen in Bergen-Enkheim schon länger keine Rolle mehr. "Deshalb wurden Brunnen im öffentlichen Raum eher als Verkehrshindernis wahrgenommen", sagt Hampel.

Archäologische Funde in Frankfurt: Brunnenkammer gibt Aufschluss auf Originalstandort

Nur an exponierten Stellen blieben sie erhalten. Auf Marktplätzen etwa. Der Stillsbrunnen stand allerdings mitten auf dem Gehweg. Wann genau er abgetragen worden ist, kann auch Hampel nicht sagen. Von einem Bergen-Enkheimer hat die Leiterin des Denkmalamts immerhin erfahren, dass der Brunnen bis mindestens 1965 an der Marktstraße gestanden haben muss.

Seit der Brunnen abgebaut wurde, hat man ihn nur noch unterirdisch anhand der Brunnenkammer nachweisen können, die zurückgeblieben ist. Zwar gibt es Fotos, welche die Existenz belegen und auch zeigen, wo der Brunnen einst gestanden hat. "Die Ansicht auf den Fotos aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts unterscheidet sich allerdings schon sehr stark davon, wie es heute vor Ort aussieht", sagt Hampel. "Da ist es sehr schön, wenn man den Stillsbrunnen an dem Originalstandort nachweisen kann."

Spektakulärer Fund in Frankfurt: Archäologen belegen mittelalterliche Siedlung in Bergen-Enkheim

Spektakulär war laut Andrea Hampel auch der Fund zweier Grubenhäuser bei den Grabungen an der Marktstraße 53. Außerdem hat das Denkmalamt bei den Grabungen auch noch zwei sich überlagernde Grubenhäuser gefunden. "Das sind Gebäude, die ein wenig in den Boden eingetieft werden." Aufgrund des Inhalts der Grubenhäuser habe man sie auf das zehnte und elfte Jahrhundert datieren können - die obere Grube war die jüngere.

Solche Grubenhäuser sind laut Hampel seltene Funde in Frankfurt. Besonders aus dieser Zeit des Mittelalters gebe es wenige Funde. "Für die Bergener ist es ein Beleg, dass es dort eine begünstigte Siedlungslandschaft gibt", sagt Hampel, "und man auch schon in dieser Zeit richtige Bergener angetroffen hat." Die Siedlungsgeschichte in Bergen reicht aber noch weiter zurück, wie ein weiterer Fund an derselben Stelle zeigte. Sehr viel weiter zurück.

Ausgrabungen in Frankfurt: Archäologen finden in Bergen-Enkheim 2500 Jahre altes Kindergrab

Auch ein Kindergrab aus der älteren Eisenzeit aus dem Jahr 500 vor Christus hat das Denkmalamt ausgegraben. Das Kind war zwischen ein bis zwei Jahre alt, erläuterte Hampel beim Jahresrückblick 2020 des Frankfurter Denkmalamtes. Anthropologisch lasse sich das Geschlecht eines Kindes diesen Alters zwar nicht bestimmen. "Aber das Kind hatte sehr kleine Glasperlen dabei und trug einen Armreif. Daher können wir es auch als Mädchen ansprechen." Die Armreifen aus dieser Zeit seien für das Kind zu groß gewesen, erklärte Andrea Hampel. Was das Mädchen als Armreif trug "war eigentlich ein Ohrring". Gefundene Schmuckstücke wie dieses werden häufig für das Historische Museum in Frankfurt aufgereitet und dort ausgestellt. (Friedrich Reinhardt)

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