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Sie fürchtet um ihre wirtschaftliche Zukunft: Elif Kalkan, die 40 Prozent mehr Miete zahlen soll. Ihr Kiosk ist in der Holbeinstraße in Sachsenhausen, mitten in einem Wohngebiet mit wenig Laufkundschaft.

Mieterhöhung

Wasserhäuschen: Betreiber sollen bis zu 70 Prozent mehr Pacht zahlen

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Die Pächter von elf Wasserhäuschen müssen eine Mieterhöhung fürchten: Radeberger/Binding, die Brauerei, der viele der Kioske gehören, hat massive Mieterhöhungen angekündigt. Jetzt fürchten die Pächter um ihre Existenz.

Für Elif Kalkan geht es um Geld. Viel Geld: „Die Miete für mein Wasserhäuschen soll von 560 auf 800 Euro steigen“, sagt die Betreiberin des Traditionskiosks in Sachsenhausen. Die Erhöhung beträgt etwa 40 Prozent.

 

Damit ist Elif Kalkan noch gut dran. Ein anderer Betreiber, ein anderer Stadtteil: Der Mann, der seinen Namen nicht nennen will („Ich stehe noch in Verhandlungen“) soll künftig statt 559 Euro 957 Euro zahlen, eine Erhöhung um 398 Euro oder 71 Prozent. Aus einer Sammelmappe zieht der Mann Kopien seiner Verträge und die Schreiben der Radeberger Gruppe, der viele Frankfurter Wasserhäuschen gehören.

Elif Kalkan betreibt ihren Kiosk seit viereinhalb Jahren. „Ich stehe hier zwölf Stunden täglich.“ Das Wasserhäuschen ist in der Holbeinstraße, in einem Wohngebiet mit wenig Laufkundschaft. „Im Sommer geht es, aber im Winter ist es sehr schwierig. Was soll ich machen, wenn die Pacht erhöht wird? Ich kann doch nicht zwei Euro für eine Flasche Bier verlangen.“ Momentan verlangt sie 1,60 Euro.

„Wir haben es ohnehin schwer. In der Sommerhitze haben viele Leute beim nahe gelegenen Lidl gekühlte Getränke gekauft. So günstig wie Lidl kann ich nicht sein“, sagt die Kioskbetreiberin. Ob sie weitermacht, wenn die Erhöhung kommt, weiß sie noch nicht. Bis zum 21. August soll Frau Kalkan Antwort geben auf das Schreiben der Radeberger Gruppe.

Gewerbeimmobilien und Gewerbegrundstücke unterliegen nicht dem strengen Mieterschutz von Wohnungen. Preiserhöhungen sind ohne Einschränkungen möglich. Der Kioskbetreiber, dem die Erhöhung von 71 Prozent droht, überlegt, sein Büdchen für immer zu schließen. „Wie soll ich das im Winter überstehen?“, fragt er. Einem dritten Pächter geht es ähnlich. Auch er will seinen Namen nicht sagen und nicht, wo sein Wasserhäuschen steht. „Ich betreibe es seit zehn Jahren, und das hier in der Nähe einer Kirche, mitten im Wohngebiet. Es hat in diesen zehn Jahren nicht einen Polizeieinsatz gegeben, nichts. Alles ist ruhig bei mir.“

Er sieht seine Aufgabe in dem Stadtteil fast als die eines Sozialarbeiters, der schwierige Kunden mal zur Seite nehmen kann und so das Leben für alle friedlicher macht. Doch seine Zukunft ist ungewiss. „Mehr als 50 Prozent steigt meine Miete, wenn ich nicht mit Radeberger spreche.“ Was beim Gespräch herauskommen wird, weiß der Mann aber nicht. Er zuckt mit der Schulter.

Radeberger bestätigt die Erhöhungen. Allerdings sei es die Stadt, die den Pachtzins für Radeberger erhöht hat. Die Stadt verpachtet die Grundstücke für 64 Wasserhäuschen. Etwa die Hälfte davon wurde an die Brauerei Radeberger, elf in einem alten Sammelvertrag von 1977 vergeben. Deren Grundstückszins wurde nun angepasst. „Wir nehmen keine Wucherpacht, sondern lediglich eine marktübliche“, sagt ein Vertreter des zuständigen Amts für Bau und Immobilien.

Radeberger verpachtet im Rhein-Main-Gebiet rund 80 Wasserhäuschen. „Bei elf davon sind in den letzten Wochen Mietanpassungen vorgenommen worden“, sagt eine Sprecherin des Braukonzerns. Diese Anpassung resultiere ausschließlich aus der Pachterhöhung für die Grundstücke der Stadt, auf denen diese Wasserhäuschen stehen. „Wir haben die Erhöhung – ohne weitere Aufschläge – an die Betreiber weitergegeben. Allerdings nicht ohne zuvor mit der Stadt Frankfurt ausführlich im Sinne der Wasserhäuschen-Betreiber zu verhandeln, um den finanziellen Mehraufwand für die Pächter gering zu halten. So standen zum Beispiel längere Nachzahlungszeiträume im Raum, die wir zusammen mit unseren Ansprechpartnern bei der Stadt deutlich verringern konnten“, sagt die Sprecherin.

Den betroffenen Betreibern wird das kaum Mut machen. Radeberger will nicht drauflegen. Und das, obwohl das Unternehmen die Kultur der Wasserhäuschen schätzt. „Wir sind bereit, mit dem Feedback der Wasserhäuschen-Betreiber noch mal das Gespräch mit der Stadtverwaltung zu suchen und zu besprechen, ob es weiteren Spielraum gibt. Denn natürlich sind wir daran interessiert, dass unsere Wasserhäuschen-Betreiber auskömmlich wirtschaften können“, so die Radeberger-Sprecherin.

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