Jagoda Oechsler betreibt mit ihrer Schwiegertochter dieses farbenfrohe Wasserhäuschen - und freut sich schon auf wärmere Tage.
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Jagoda Oechsler betreibt mit ihrer Schwiegertochter dieses farbenfrohe Wasserhäuschen - und freut sich schon auf wärmere Tage.

Tradition

Wasserhäuschen in Frankfurt winkt ungewöhnliches Zusatzgeschäft

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Toiletten an Wasserhäuschen plant die Stadt Frankfurt. Sie verhandelt mit der Radeberger-Gruppe darüber. Das könnte ein mehrfach lohnendes Geschäft werden.

Frankfurt - Alte Wasserhäuschen - halbrund und aus Holz - sind selten geworden. "Mitsamt der Trinkhallen schätze ich ihre Zahl auf etwa 40 bis 60", sagt Oliver Tepper, Vorsitzender des Vereins "Linie 11". Rechne man die Kioske im Erdgeschoss von Gebäuden hinzu, könnten es rund 300 Kioske in der Stadt sein. Einige der Betreiber könnten demnächst ein Zusatzgeschäft machen: Als Toilettenwächter für die Reinigung öffentlicher WC. Die Stadt jedenfalls prüft den Bedarf solcher Örtlichkeiten, nachdem Bau- und Immobiliendezernent Jan Schneider (CDU) 2017 eine Umfrage gestartet hatte. 232 Standort-Vorschläge haben die Frankfurter Bürger damals gemacht. 84 davon habe das Amt näher untersucht, 23 seien "potenziell geeignet". Schneider hat angekündigt, Wasserhäuschen als Standorte zu favorisieren. Damit könne man Vandalismus vorbeugen.

Rebecca Fohl, die mit ihrer Familie und ihrer Schwiegermutter Jagoda Oechsler das Wasserhäuschen Nox in der Holbeinstraße in Sachsenhausen betreibt, könnte sich das vorstellen: "An sich ist das eine gute Idee", falls sie die öffentliche Toilette absperren könne, wenn das Kiosk geschlossen hat. "Man müsste verhandeln." Generell gebe es in Frankfurt zu wenige öffentliche Toiletten. "Wir haben eine für unsere Kunden. Da lassen wir notfalls auch andere darauf." Allerdings sei das Örtchen derzeit wegen Corona geschlossen.

Frankfurt: Toiletten an Wasserhäuschen – Die Stadt hat einen effektiven Hebel

Fohl hat ihren Kiosk von Radeberger gepachtet. Und wie in allen Wasserhäuschen Frankfurts muss auch sie sich derzeit warm anziehen: "Wir haben zwar eine Heizung eingebaut, bislang gab es nur einen Ofen. Aber vom Boden her ist es kalt, und es ist ja auch ein Holzhäuschen. Also nicht so wie zu Hause in der wärmeisolierten Wohnung", sagt Rebecca Fohl und lacht. "Hoffentlich wird es in der kommenden Woche wieder ein bisschen wärmer."

Derweil verhandelt Schneiders Dezernat mit der Radeberger Gruppe, der die Binding-Brauerei gehört. Denn: "Die Stadt hat keine eigenen Wasserhäuschen", erklärt Günter Murr, Sprecher des Immobiliendezernenten. Radeberger hat von der Stadt 46 Flächen gepachtet, darauf die Wasserhäuschen errichtet und diese dann an Betreiber weiterverpachtet. Will die Stadt also Toilettenhäuschen, muss sie den direkten Zugriff auf die eigenen Flächen zurückerhalten. "Der Pachtzins soll sich nicht verändern", sichert Murr zu.

Frankfurt: Stadt will Toiletten an Wasserhäuschen errichten – Brauerei signalisiert Bereitschaft

Die Verhandlungen mit der Brauerei jedoch gestalten sich schwierig und zäh. Schon 2018 haben sie begonnen. Für die Brauerei sind die Kioske eine Absatzmöglichkeit für ihre produzierten Getränke. Die Pachtverträge laufen zum Teil seit Jahrzehnten. Sie jetzt aufzulösen, ist schwierig. "Dann kam noch Corona hinzu", sagt Murr. "Ein Ergebnis kann man noch nicht verkünden." Und ankündigen könne man das Ende der Verhandlungen auch noch nicht. Zu schwierig seien sie in der Vergangenheit gewesen.

Bei Radeberger sagt die Binding-Sprecherin Claudia Geisler: "Ob, wie viele und welche dieser Grundstücke, respektive Wasserhäuschen, wir möglicherweise an die Stadt Frankfurt zurückgeben oder verkaufen, ist allerdings offen. Unsere Bereitschaft dazu haben wir aber grundsätzlich gegenüber dem Amt für Bau und Immobilien signalisiert."

Städtischerseits ist klar: Wo die Stadt Toiletten an Wasserhäuschen errichten wird, sollen die Betreiber für Toilettenpapier und Seife, Sauberkeit und Sicherheit sorgen. Der dadurch entstehende Aufwand und die Kosten werden sich in der Höhe der Pacht niederschlagen können, versichert Murr. Damit - und mit der erwarteten höheren Frequenz am Wasserhäuschen - könnte den Kioskbetreibern unter dem Strich ein Zusatzgeschäft entstehen.

Frankfurt: Verhandlungen mit Radeberger-Gruppe – Keine Hoffnung auf schnelle Entscheidung

Bis Ende März, kündigt ein Magistratsbericht an, soll das Toilettenkonzept veröffentlicht werden. Schon vor einem Jahr war es in der "Endabstimmung", so ist die weitere Ankündigung der Veröffentlichung ein Hoffnungsschimmer.

Günter Murr indes will nicht viel Hoffnung schüren, dass in der Sache bald Klarheit herrscht. Denn solange die Verhandlungen mit der Radeberger-Gruppe nicht abgeschlossen seien, könne man auch nicht mit den möglichen interessierten Betreibern sprechen. Bis diese vielleicht 23 neuen Standorte für öffentliche Toiletten ergo bekanntgegeben werden, wird es also noch etwas dauern. Hinzu kommt: "Dann muss die Investitionssumme erst noch in den Haushalt eingestellt werden", erläutert Günter Murr. (Thomas J. Schmidt)

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