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Weber, Josef und Hartwig vor der Wiederwahl: Wer es einfach hat - und wer sich selbst im Weg steht

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Von: Mark-Joachim Obert

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Muss darauf achten, dass er sich nicht selbst foult: Mike Josef, Dezernent für Planung und Sport. FOTOs: peter jülich
Muss darauf achten, dass er sich nicht selbst foult: Mike Josef, Dezernent für Planung und Sport. © peter-juelich.com

Die drei Frankfurter SPD-Dezernenten müssen nun liefern. Wegen - oder trotz heikler Doppelfunktionen.

Frankfurt -Mehr Macht, mehr Verantwortung - mehr Schwierigkeiten, vor allem mit sich selbst? Auf alle drei Dezernenten der SPD, die morgen zur Wiederwahl stehen, warten Herkulesaufgaben. Von Mike Josef, Sylvia Weber und Ina Hartwig wird es abhängen, ob die Stadt gute Weichen für die Zukunft stellt.

Im Besonderen gilt das für SPD-Chef Mike Josef, der zusätzlich zur Planung nun auch den Sport geerbt hat. Und für Sylvia Weber: Bislang zuständig für Bildung und Integration, hat sie die Integration abgegeben und die Baupolitik übernommen. Die Konflikte, die die in der Fläche kleine, an Menschen aber wachsende Stadt in ihrer DNA trägt, verdichten sich somit in ihren Ressorts. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, hat es vergleichsweise leicht, da kommt sich nichts in die Quere: Gegner ihrer Politik sind immer die anderen.

Mike Josef im Spagat zwischen Bauen und Klimaschutz

Wenn Mike Josef in diesen Tagen auf seine kommende Amtszeit blickt, wird deutlich, welchen Spagat er meistern muss. Viel bauen will er vor allem für den unteren Mittelstand, den die steigenden Mietpreise in allen Stadtteilen zu verdrängen drohen. Mit seiner bisherigen Bilanz ist er zufrieden, auch mit dem umstrittenen Baulandbeschluss. Seine zupackende Politik hat ihm weit über die Grenzen Frankfurts hinaus Ansehen verschafft, der Deutschlandfunk würdigte ihn unlängst als leuchtendes Vorbild für lokale Sozialdemokratie.

Nun haben aber auch die Genossen die Klimaziele ganz oben auf die Agenda gesetzt. Die Stadt vom Grün her denken, so klingt das bei Wohnungsplaner Josef. Dass Lobbygruppen wie die Kleingärtner im Nordend die Stadt noch grüner denken und deshalb gegen ambitionierte Quartiersprojekte wie die Günthersburghöfe protestieren, begreift Josef diplomatisch als Lehrgeld, das er bezahlt habe. Allen Planungen, allen Absprachen zum Trotz wendete sich am Ende sogar der alte und neue Koalitionspartner, die Grünen, gegen das Quartier zwischen Friedberger Landstraße und Günthersburgpark.

Eine andere Lobby hingegen ruft schon lange nach mehr Fläche - und fühlt sich von der Planungspolitik chronisch vernachlässigt: der Sport. In Frankfurt boomt er gewaltig, vor Corona registrierten die Fußballklubs und etliche Hallensportvereine regen Zulauf. Die Sorge, dass der Sport angesichts der ehrgeizigen Wohnungspolitik Josefs untergeht, war immer wieder lautstark geäußert worden. Nun, da er auch den Sport unter seinen Fittichen hat, schreibt sich Mike Josef einen kühnen Plan in die Agenda: "Mehr von allem!"

Sylvia Weber will 24 neue Schulen - und Baumaßnahmen an 65 weiteren

Kollegin Weber wird da schon konkreter: "Wir müssen noch 24 neue Schulen einrichten und haben 65 Schulbaumaßnahmen vor uns - eine Mammutaufgabe, die ich mit meiner neuen Stabsstelle zügig angehe." Im vorherigen Magistrat knirschte es zuweilen zwischen ihr, der Bildungsdezernentin, und Jan Schneider von der CDU, der das Dezernat für Bauen verantwortete. Immerhin neun neue Schulen haben sie gemeinsam gestemmt. Eine solche Leistungsbilanz habe es zuvor in Frankfurt noch nicht gegeben, sagt Weber. Stolz sei sie darauf - genauso wie auf den Aktionsplan gegen Rassismus und Rechtsextremismus, den sie als Integrationsdezernentin auf den Weg gebracht hat. Aber klar seien es die Eröffnungen der Schulen gewesen, die ihr aus ihrer ersten Amtszeit als schönste Erlebnisse in Erinnerung sind. Wie sich die Bildungsdezernentin Weber und die Baudezernentin Weber künftig an Wunsch und Wirklichkeit abarbeiten, wird ähnlich wie bei Mike Josef zu den spannendsten Aspekten der neuen Stadtregierung gehören. Die beiden sehen freilich mehr Chancen denn Hindernisse in ihren Doppelfunktionen. Mal schauen, ob sie sie nutzen.

Ina Hartwig hat schon alles, was sie wollte

Bei Ina Hartwig kann man sagen: Das Feld ist weitgehend bestellt. Oper und Schauspiel bleiben in der Innenstadt - so, wie sie es wollte. Ein neues Kinder- und Jugendtheater entsteht im Zoo-Gesellschaftshaus - so, wie sie es wollte. Ob der Corona-bedingt angespannte Haushalt da noch neue Fakten schafft, bleibt abzuwarten. Hartwig jedenfalls ist zufrieden, zählt reichlich Projekte auf, die freilich erst noch glücklich vollendet werden wollen. Da kann noch viel passieren. Sie will's mit "Freude" vorantreiben, sagt sie. Ein Erfolg steht: Die Zweifler, die ihr Beharrungskraft und Durchsetzungsvermögen anfangs nicht zutrauten, sind leiser geworden. Sie hätte gerne allen Frankfurtern kostenlosen Zugang zu den Museen ermöglicht, antwortet sie auf die Frage nach Niederlagen. Aber bitte: Wirklich als Niederlage will sie auch das nicht verstanden wissen.

Darf jetzt auf sich selbst bauen: Sylvia Weber, Dezernentin für Bildung und - eben: Bauen. FOTO: peter jülich
Darf jetzt auf sich selbst bauen: Sylvia Weber, Dezernentin für Bildung und - eben: Bauen. © peter-juelich.com
Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig. Bei ihr kommt sich nix in die Quere. FOTO: christoph boeckheler
Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig. Bei ihr kommt sich nix in die Quere. © christoph boeckheler*

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