1. Startseite
  2. Frankfurt

Politik-Hickhack um neuen Standort: Europäische Schule schließt Wegzug aus Frankfurt nicht aus

Erstellt:

Von: Julia Lorenz

Kommentare

Gemacht war sie für 900 Schüler, mittlerweile besuchen 1600 Kinder und Jugendliche die Europäische Schule am Praunheimer Weg.
Gemacht war sie für 900 Schüler, mittlerweile besuchen 1600 Kinder und Jugendliche die Europäische Schule Frankfurt am Praunheimer Weg. © Enrico Sauda

Die Suche nach einer größeren Heimat für die Europäische Schule Frankfurt zieht sich seit zehn Jahren hin. Langsam wird es eng.

Frankfurt – Wenn Ferdinand Patscheider, Leiter der Europäischen Schule, morgens im Foyer des Hauptgebäudes steht und die Schüler treppauf, treppab laufen sieht, hält er den Atem an und denkt: "Wenn das mal gut geht." Denn die Europäische Schule am Praunheimer Weg in der Nordweststadt ist eigentlich nur für maximal 900 Schüler konzipiert. Derzeit wird sie aber von 1600 Kindern und Jugendlichen besucht - von der Vorschule bis zum Abitur. "Wir brauchen dringend mehr Platz", sagt Patscheider. Die Aula, die Kantine, die Bibliothek - alles sei zu klein. Perspektivisch rechnet die Schule mit 2200 Schülerinnen und Schülern.

Seit zehn Jahren sucht die Stadt deshalb händeringend nach einem neuen Standort für die Europäische Schule in Frankfurt - ohne Erfolg. Doch die Stadt hat sich gegenüber der Bundesrepublik, die für den Bau von Bildungseinrichtungen für die Mitarbeiter europäischer Institutionen in Deutschland verantwortlich ist, verpflichtet.

Europäische Schule in Frankfurt: Stadt prüft aktuell drei mögliche Standorte

"Schon mein Vorgänger hat sich mit der Suche nach einem neuen Grundstück beschäftigt", sagt Patscheider, der seit September 2015 die Schule leitet. Der Vorgänger habe einen Plan erstellt, mit Zwischenlösungen bis 2022. "Bis dahin sollte dann der Umzug vonstattengegangen sein."

Mittlerweile gibt es auf dem Schulgelände Containeranlagen und zusätzliche Gebäude in Modulbauweise - einen neuen Standort gibt es aber immer noch nicht. Das Bau- und Bildungsdezernat der Stadt lässt dazu lediglich verlautbaren, dass man weiterhin verschiedene Standortalternativen prüfe.

In einem in dieser Woche veröffentlichten Magistratsbericht heißt es dazu nun, dass drei Standorte in die Prüfung einbezogen seien. Genannt werden sie nicht, die Parteien haben Vertraulichkeit vereinbart. Sonderlich geheim sind die infrage kommenden Flächen aber auch nicht. Es geht um ein Gelände in der Nähe des Kaiserleikreisels, den Festplatz am Ratsweg und eine Fläche nördlich der Heerstraße in Praunheim.

Leiter der Europäischen Schule besucht mögliche Standorte in Frankfurt

Zur Erinnerung: Die alte Koalition aus CDU, SPD und Grünen hatte sich nicht auf ein Grundstück einigen können. Während die CDU die Fläche an den Mainwasen in Sachsenhausen favorisiert hatte, wollte die SPD die Schule in Zukunft lieber auf einem Areal am Kaiserlei sehen.

Der Plan, die Schule am jetzigen Standort zu erweitern, ist, ebenso wie das Grundstück an den Mainwasen, mittlerweile vom Tisch. Letzteres ist nach Angaben des Magistrats nicht mehr Gegenstand der vertiefenden Prüfung. Ferdinand Patscheider hat sich alle Standorte angesehen, die bislang im Gespräch waren. Auch zum Ratsweg ist er gefahren. "Auf den ersten Blick hat der Dippemess-Festplatz einen guten Eindruck gemacht", sagt der 61-Jährige. Am Kaiserlei hingegen herrscht ihm zu viel Verkehr.

Schulleiter Ferdinand Patscheider vor einem Bücherregal.
Ferdinand Patscheider ist Leiter der Europäischen Schule Frankfurt, für die seit Jahren ein neuer Standort gesucht wird. © Enrico Sauda

Politik entscheidet über neuen Standort der Europäischen Schule Frankfurt

Aber muss die Einrichtung denn unbedingt in Frankfurt am Main bleiben? "Nein", sagt Patscheider. Auch wenn es natürlich komisch wäre, wenn die Europäische Schule Frankfurt nicht mehr in Frankfurt ansässig wäre. "Letztlich ist das aber eine politische Entscheidung", sagt Patscheider. "Wenn es eine andere Gemeinde wird, werden wir nicht dagegen demonstrieren." Der Schulgemeinde sei es wichtiger, dass das Grundstück ausreichend groß und gut angebunden ist.

"Unsere Schüler kommen aus allen Himmelsrichtungen. Sie müssen die Schule gut erreichen können", sagt Patscheider. Zudem sei es der Schule wichtig, dass sie sich an einem neuen Standort zur Umgebung, zum Stadtteil öffnen könne. In der Aula, der Bibliothek, den Sportstätten und der Kantine sollen sich nicht nur die Schüler begegnen, sondern Europäer und Frankfurter. "Natürlich so weit, wie es der Sicherheitsanspruch zulässt", sagt Patscheider, der gerne mehr Kinder aus Frankfurter Familien auf der Schule aufnehmen würde. Aber dafür braucht die Schule mehr Platz - und den gibt es eben immer noch nicht. (Julia Lorenz)

Auch interessant

Kommentare