Sachsenhäuser sammeln Müll auf dem Schweizer Platz anlässlich des "World Cleanup Day" (von links): Christa Goede, Initiator Jochem Heumann vom CDU-Stadtbezirksverband und Margit Grohmann
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Sachsenhäuser sammeln Müll auf dem Schweizer Platz anlässlich des "World Cleanup Day" (von links): Christa Goede, Initiator Jochem Heumann vom CDU-Stadtbezirksverband und Margit Grohmann

World Cleanup Day

Wegräumen, was Rüpel einfach fallenlassen

  • vonKatja Sturm
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Der CDU-Stadtbezirksverband Frankfurt-Sachsenhausen lud anlässlich des "World Cleanup-Day" engagierte Bürger ein, sauberzumachen.

Sachsenhausen, sagt Jochem Heumann, sei eigentlich ein sauberes Pflaster. Wenn man mal vom alten Quartier absieht, das immer wieder Spuren der dort gerne gefeierten Partynächte aufweist. Dennoch lud der Vorsitzende des CDU-Stadtbezirksverbandes am Samstag aus Anlass des "World Cleanup Day" zu einer Reinigungsaktion an den Schweizer Platz ein. "Das hat logistische Gründe", erklärt Heumann. Die Verkehrsanbindung sei günstig; zudem lasse sich gut Aufmerksamkeit erzielen. Sich draußen zu präsentieren, das sei derzeit umso nötiger, da Veranstaltungen in Räumen derzeit wegen der Corona-Krise nur schwer möglich bis gar nicht umsetzbar sind.

Es ist nur ein kleines Grüppchen, das sich locken und mit Handschuhen, Holzzangen und Müllsäcken ausrüsten lässt. Zwei Personen ziehen kurz nach der Begrüßung schon wieder weiter, zur "versifften Stresemannallee", wie eine davon, Christa Goede, erklärt. Dort, nahe der Kreuzung zur Oskar-Sommer-Straße, bestehe auf einer Privatstraße der Bahn größerer Bedarf. Sie könne nicht verstehen, "dass die Leute ihren Dreck nicht wegräumen", sagt die Anwohnerin.

Passanten loben, aber eilen weiter

Heumann sieht die Initiative, die nach einem Vorbild an der Küste von Estland 2008 am gleichen Tag in ähnlicher Art auch an anderen Orten in Frankfurt stattfindet, auch als symbolischen Akt. Eigentlich sei es Aufgabe der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES), für die Sauberkeit in der Öffentlichkeit zu sorgen. Doch Ziel sei es, alle Menschen dafür zu sensibilisieren, erst gar keinen Abfall liegen zu lassen. Lob dafür kommt von manchen Passanten, die aber lieber weitereilen, statt selbst mit anzufassen.

Von mehr Bußgeldbescheiden, die Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) im Zusammenhang mit Müllsündern gerne sähe, hält Heumann als Parteikollege des kürzlich vom OB wegen der Müllsituation angegriffenen Ordnungsdezernenten Markus Frank wenig. Das Problem sei, dass man die Täter nur zur Rechenschaft ziehen könne, wenn man sie auf frischer Tat ertappe. "Es geht eher darum, Bewusstsein zu schaffen, dass man seinen Dreck nicht einfach hinterlässt", sagt Heumann.

Kippen liegen direkt unter dem Mülleimer

Acht Müllbehälter zählt er allein am Schweizer Platz. Als die Gruppe sich einem nähert, sieht man direkt darunter Zigarettenkippen auf dem Asphalt liegen. Dabei gibt es für diese eigens eine Öffnung zum Entsorgen im Deckel der Abfalltonne. Heumann schüttelt den Kopf darüber, dass Raucher diese nicht nutzen.

Zu viert geht es weiter, in Richtung Mainufer. Wie Heimann erwartet hatte, war am Schweizer Platz nicht viel Müll zu finden. Dass es recht wenig Resonanz auf die Initiative gab, erklärt Heumann damit, dass einige CDU-Mitglieder aus dem Süden anderweitig gebunden sind.

Nicht alle, die sich engagieren, sind Parteikollegen. Margit Grohmann jedoch, die nach 40 Jahren in der Sozialarbeit ihre Rentenzeit nicht tatenlos verbringen will, sieht hier eine gute Möglichkeit, sich schon vor ihrer erhofften Wahl in den Ortsbeirat 5 sinnvoll einzubringen. Sie bemängelt, dass vor der International School of Management in der Mörfelder Landstraße oft junge Leute rauchend vor dem Eingang stehen und dann ihre Kippen auf die Straße werfen. Beim Gang durchs Viertel hebt Grohmann gerade schockiert eine benutzte Spritze mit Blutresten im Inneren auf.

An einem der Tische auf dem Bürgersteig sitzt Brigitte Bilger. Die Yogalehrerin erklärt, sie würde für die Stadt gerne einen Businessplan erstellen, aus dem hervorgehen würde, dass sich allein durch die Verfolgung und Bestrafung von Müllsündern zusätzliche Stellen finanzieren lassen würden. "Die Stadt braucht doch Geld", betont Bilger. Und erzählt, sie habe kürzlich jemandem seine Kippen aufs Autodach gelegt, weil er sie nicht wegräumen wollte. "Dann fahren Sie sie eben heim", habe sie dabei gesagt. Nun müsse sie sich für diese Tat verantworten - und sieht so die Falsche bestraft.

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