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Oft hängt an den Aufzügen in Bahnhöfen ein Hinweiszettel, dass die Anlage defekt ist ? so wie hier am Flörsheimer Bahnhof.

Rollstuhlfahrer besonders betroffen

Wehe, wenn der Aufzug steht: Frankfurt hat ein Lift-Problem

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Rollstuhlfahrer sind auf Aufzüge angewiesen. Um so schlimmer, wenn diese kaputt sind. Das ist oft genug der Fall. Manchmal ist Vandalismus die Ursache.

„Miquel- / Adickesallee Fahrtrichtung Dornbusch: Der Aufzug (von der Straße bis zur B-Ebene) ist aufgrund eines technischen Defekts bis auf Weiteres außer Betrieb“, weist die Verkehrsgesellschaft (VGF) auf ihrer Internetseite hin. Das ist ein Ärgernis für beeinträchtigte Menschen wie Rollstuhlfahrer, die auf den Aufzug angewiesen sind. Allzu oft stehen die Lifte – so wie aktuell beispielsweise am Bahnhof in Höchst, wo Vandalen die neuen Aufzüge beschädigten. „Für Behinderte ist es manchmal eine Katastrophe“, kommentiert es Hannes Heiler von der Frankfurter Behinderten-Arbeitsgemeinschaft (FBAG).

Auch Aufzüge in Parkhäusern sind betroffen, wenn auch weniger häufig als die der VGF oder der Bahn. Im Parkhaus Theater in der Taunusanlage war einer der beiden Aufzüge von Samstag bis Mittwochabend defekt; der andere ist schon seit Monaten außer Betrieb. „Es wird auch noch einige Zeit dauern, bis er wieder läuft“, erklärt Michael Bachmann, Geschäftsführer der Parkhaus-Betriebsgesellschaft. Denn die Reparatur ist sehr aufwendig, Ersatzteile werden benötigt, die nicht kurzfristig zu erhalten sind.

Ein Problem ist, wenn wie jetzt auch der zweite Aufzug ausfällt. Dann bleibt Gehbehinderten oft keine andere Möglichkeit, als über die Zufahrt nach draußen zu rollen. „Wir warnen in einem solchen Fall mit Schildern vor der Zufahrt, damit Autofahrer von den defekten Aufzügen wissen“, sagt Bachmann. Behinderte Beifahrer können dann schon oben aussteigen. Schon im Oktober war der zweite Aufzug für einige Tage ausgefallen.

Die PBG betreut insgesamt 32 Großgaragen mit 18 000 Parkplätzen. Direkt verantwortlich ist das städtische Unternehmen jedoch nur für 40 Aufzüge, denn für den Betrieb der Aufzüge im Nordwestzentrum ist das Einkaufszentrum selbst zuständig.

Ärger mit Aufzügen und Rolltreppen gibt es auch an den 27 Stationen der VGF. Gestern wurden auf der Internetseite der städtischen Gesellschaft Defekte an sechs Stationen gemeldet, ein Aufzug und fünf Rolltreppen liefen nicht. „Nicht jede Rolltreppe, die steht, ist defekt“, sagt VGF-Sprecher Bernd Conrads. Oft würde auch nur der Notaus gedrückt. Dann geht nichts mehr. Neue Modelle schalten sich nach zehn Sekunden automatisch wieder ein.

Conrads hat beobachtet: Am häufigsten geschieht dies und geschehen andere Fälle von Vandalismus in der Nähe weiterführender Schulen. „Schüler sind die Hauptverursacher“, so Conrads. Vermutlich eine Frage des Alters. Die VGF hat insgesamt 270 Rolltreppen im Stadtgebiet in Betrieb, und jährlich gibt es 5000 Einsätze wegen Reparatur und Wartung. Hinzu kommen 54 Aufzüge in 25 der 27 Stationen. Vandalismusschäden gibt es hier vor allem an den Schaltern, aber auch „an allem, was sich eintreten lässt“, sagte Conrads. Alleine um die Schäden an den Aufzügen zu beheben, wendet die VGF jährlich rund 100 000 Euro auf. Da sind normale Reparaturen inbegriffen, es ist nicht nur Vandalismus.

Auch bei der Bahn haben die „mutwilligen Nothalte“ Folgen, alleine am 21. Februar standen neun Rolltreppen deswegen. Alleine im Dezember standen Rolltreppen an insgesamt 248 Stunden, mehr als zehn Tagen also. Dies verteilt sich auf 171 Rolltreppen, die die Bahn an 108 Bahnhöfen betreibt. Hinzu kommen 71 Aufzüge. Zwei Personenaufzüge und fünf Fahrtreppen werden derzeit bei der Bahn von Grund auf Instand gesetzt. Aber 97 Prozent aller Fahrtreppen und Aufzüge sind laut einem Bahnsprecher einsatzfähig. Das Bahnhofsmanagement Frankfurt habe 2016 über zwei Millionen Euro für Wartung und Reparaturen investiert, laufende Schäden durch Vandalismus sind dabei nicht berücksichtigt.

Hannes Heiler, Sprecher Fachausschuss Verkehr und Beförderungsdienste bei der FBAG, sieht die kritischsten Probleme am Hauptbahnhof. „Das ist immer so“, sagt der 62-jährige Behindertensprecher. Etwas verbessert sei die Lage an der Station Rödelheim. „Da höre ich keine Klagen mehr wegen der Aufzüge.“ Ein Schock war hingegen der jüngste Vandalismus in Höchst.

„Für Rollstuhlfahrer gibt es dann oft nur die Möglichkeit, in den nächsten Zug einzusteigen und weiterzufahren zur nächsten Station.“ Denn vom Bahnsteig komme man nicht weg, wenn der Aufzug defekt ist. Bei der VGF können sogenannte Treppensteiger angefordert werden, Geräte, die Behinderte samt Rollstuhl auf den Treppen heben. „Was fehlt, ist ein klares und schnelles Informationssystem“, so Heiler.

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