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Die Walze des Sossenheimer Wehrs ist für Fische unüberwindbar. Wie zuvor das Höchster, soll nun auch das Sossenheimer Wehr zurückgebaut werden, um die Nidda ein weiteres Stück zu renaturieren.

Sossenheimer Anlage

Das Wehr fällt frühestens 2020

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Es ist noch ein langer Weg bis das Sossenheimer Wehr abgerissen werden kann. Über die nächsten Schritte informierte Stefanie Toth von der Stadtentwässerung Frankfurt gestern. Dabei kann nicht jeder Bürgerwunsch berücksichtigt werden.

Wann das Sossenheimer Wehr abgerissen wird, kann Stefanie Toth von der Stadtentwässerung Frankfurt (SEF) noch nicht genau sagen. Das Planfeststellungsverfahren muss erst einmal eingeleitet werden. „Das soll noch in diesem Jahr geschehen, voraussichtlich im November“, sagt Toth. Sie rechne damit, dass das Verfahren rund ein Jahr dauern wird – abhängig davon, ob Einspruch eingelegt werde oder nicht. „Danach folgt die Ausschreibung und die Ausführungsplanungen müssen erstellt werden.“ Mit dem Abriss werde voraussichtlich im Jahr 2020 begonnen.

Als Sachgebietleiterin Gewässer der SEF, die unter anderem für die Nidda zuständig ist, war Toth von der CDU Nied eingeladen worden, Bürger an Ort und Stelle über den Stand der Planungen zu informieren. Das Sossenheimer Wehr befindet sich auf Nieder Gemarkung. Um die verschiedenen Maßnahmen besser zu veranschaulichen, nimmt die Expertin einen Plan zur Hand und legt ihn aus. Daraus geht hervor, dass die Wehr-Schilder abgerissen, die Brücke darüber jedoch auch in Zukunft erhalten bleiben soll. Damit die Stabilität gewährleistet ist, bleibt der Mittelpfeiler stehen, die Häuser hingegen sollen ebenfalls weichen.

Mit dem Abriss des Wehrs sind weitere Maßnahmen verknüpft. Die Nidda selbst soll zum Grill’schen Altarm, mit dem sie nicht verbunden ist, an zwei Stellen geöffnet werden. Hier ergibt sich ein kleine, aber überwindbare Schwierigkeit: Das Abflusswasser von der in der Nähe liegenden Autobahn A 648 wird in unmittelbarer Nähe des bestehenden Wehres in die Nidda eingeleitet. „Weil es den Altarm kreuzt, müssen die Rohre tiefer gelegt werden“, erklärt die Expertin.

„An den Öffnungen des Grill’schen Altarms zur Nidda sind jeweils Brückenbauten geplant“, schildert Toth. Diese sind notwendig, weil nur so der heute bestehende durchgängige Weg, der sowohl von Fußgängern als auch von Radfahrern rege genutzt wird, erhalten werden kann. Dass dieser Uferweg in seiner bisherigen Nutzungsmöglichkeit bestehen bleibt, ist den anwesenden Bürgern wichtig.

„Wenn man mit dem Rad fährt, kommt man auf diesem Weg sehr schnell von Nied ins Gewerbegebiet nach Rödelheim, aber auch nach Bockenheim und ins Europaviertel“, schildert etwa Daniela Riedel aus Nied. Die Strecke werde daher von Berufspendlern genauso genutzt wie von Freizeitsportlern. Sie selbst jogge hier sehr gerne.

Die Idee hinter dem Abriss ist, der Natur wieder einen Raum zu geben, in der sie sich entfalten kann. Renaturierung der Nidda lautet das Stichwort. So ist etwa eine Raue Rampe geplant, was im Prinzip eine Treppe für Fische ist, um ihnen einen ungehinderten Fluss-Aufstieg zu ermöglichen. Ist der Grill’sche Altarm erst einmal wieder an die Nidda angebunden, so befindet sich laut Stefanie Toth bei niedrigen und mittelhohen Wasserständen die hauptsächliche Fließrichtung dort.

Vorab gab es bereits eine Planungswerkstatt, an der sich Bürger beteiligen konnten. „Wir haben versucht, Anregungen mit in die Planungen einfließen zu lassen“, sagt Toth. Manches, wie etwa einen Inselcharakter entstehen zu lassen, sei jedoch nicht realisierbar. So gebe es Gasleitungen, die jederzeit erreichbar sein müssten. Diskutiert worden sei in der Planungswerkstatt auch über die Frage, welchen Weg die Baustellenfahrzeuge nehmen werden. „Hierfür werden wir extra einen Baustellenweg einrichten, damit die Bewohner der Siedlung ,Am Neufeld‘, die unweit des Niedwaldes wohnen, nicht zusätzlich belastet werden“, erklärt die Expertin.

Die Kosten für die Maßnahmen sind aktuell auf 4,4 Millionen Euro angesetzt. „Wir werden hierbei vom Land gefördert“, sagt sie. Die Kosten könnten bis zum Baustart aber auch noch steigen, räumt die Expertin ein. Bevor es losgeht, soll der Wehrsteg noch einmal ertüchtigt werden. „Das hat dann aber noch nichts mit den geplanten Maßnahmen zu tun.“

Ganz zufrieden aber waren einige Besucher des Ortstermins nicht. Sie hätten sich einen konkreteren Zeitplan gewünscht.

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