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Mit voller Kraft rammt Felicia ihr Knie in das Kissen, das Trainer Dirk Schubert hält. Das soll ihr Selbstbewusstsein stärken.

Selbstverteidigungskurs in der Kita

So wehren sich Kinder

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Seit über einem Jahr bietet die Kita In den Aspen Selbstverteidigung für Kinder an. Nicht Kämpfen steht dabei im Vordergrund, sondern Prävention: Kinder sollen lernen, wie man sich in kritischen Situationen verhält.

„Feste“, fordert Dirk Schubert Felicia auf – und die rammt ihr Knie mit voller Kraft in das Kissen, das der Trainer vor sie hält. Ihre ganze Kraft soll sie nutzen im Bewegungsraum der Kita In den Aspen. Kampfsport für Kinder, in einer evangelischen Kita – geht das? „Ja, aber Krav Maga ist kein Kampfsport, sondern reine Selbstverteidigung“, korrigiert Schubert sofort. Und vor allem bringe er den Kindern nicht das Kämpfen bei, sondern sich in einer bedrohlichen Situation angemessen zu verhalten.

Seit Mai 2015 gibt es den Kurs bereits. „In erster Linie geht darum, die Persönlichkeit der Kinder zu stärken“, sagt Heidi Sehl vom Elternbeirat, die den Kurs mit initiierte. Die Teilnahme ist freiwillig, nur Hortkinder machen mit. Ganz bewusst sollen aber auch Kinder teilnehmen, die eher schüchtern und zurückhaltend sind.

Für Schubert, der auch Jugendliche und Erwachsene trainiert, steht bei der Arbeit mit jüngeren Kindern nicht das Kämpfen, sondern Prävention im Vordergrund: Wie verhalte ich mich, wenn mich jemand anspricht? Auf der Straße oder aus dem Auto heraus? Oder mich am Telefon belästigt? Nein zu sagen, laut und selbstbewusst, zu schreien und schnell wegzulaufen, sei eine Möglichkeit sich zu schützen, erklärt Schubert den Kindern. Denn lautes Schreien überrasche ihr Gegenüber, so dass man Zeit gewinne, um wegzulaufen. „Wo lauft ihr dann hin?“, fragt Schubert und die Kinder zeigen auf das „Notausgang“-Schild auf anderen Ende des Raums. „Genau, das Schild bedeutet: Hier kommt ihr immer raus“, schärft er ihnen ein. Dann stellen sich die Kinder auf. „Nein“ brüllen sie ihm nacheinander direkt ins Gesicht, so laut sie können – und flitzen zum Notausgang.

„Es ist faszinierend, welche Fortschritte die Kinder in kurzer Zeit machen, wie selbstbewusst sie werden“, sagt Sarah Bauer vom Elternbeirat. Bewegung helfe den Kindern, aus sich herauszugehen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln, sagt Sehl. „Sie lernen auch zu reflektieren und bewusst mit ihren Gefühlen umzugehen.“

Entstanden sei der Kurs in einer Zeit, als in der Kita das Personal knapp war und der Förderverein die Kita mit eigenen Angeboten unterstützen wollte, sagt Sehl. „Zunächst wurde die Tanz-AG von Ines Kenger gegründet, kurz darauf die Krav-Maga-AG“, ergänzt Bauer, ebenfalls vom Förderverein. Nicht nur Kinder der Kita In den Aspen können mitmachen, sondern auch solche aus anderen Kitas. „Damit stärken wir auch das Gemeinwesen im Stadtteil“, meint Kita-Leiter Tobias Trapp.

Eine kleine Vorführung dessen, was sie lernen, geben die Krav Maga-Kinder – zusammen mit jenen der Tanz-AG – beim Sommerfest der Kita am morgigen Samstag, In den Aspen 2. Dabei hilft auch der Förderverein mit, der die beiden AGs finanziert, aber auch Musikinstrumente und andere kleine Anschaffungen. Aber auch einen Spendenlauf und einen Kinderflohmarkt hat er schon organisiert. Gefeiert wird von 14 bis 18 Uhr unter dem Motto „Burgfräulein und Drachenreiter“. Seit Fastnacht beschäftigen sich die Kinder mit dem Thema, haben Burgen und mittelalterliche Kostüme kreiert, die sie morgen präsentieren. Sie haben gelernt, wie die Menschen im Mittelalter lebten, was sie aßen und dass es weder Mikrowellen noch Supermärkte gab. Gäste sind willkommen, sollten aber in ihrem Bündel einen Becher, Teller und Besteck mitbringen.

(hau)

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