Risikominimierung

Weihnachten und Coronavirus: Virologe Drosten gibt Tipps

  • vonJoel Schmidt
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Weihnachten 2020 findet mitten in der Corona-Pandemie statt. Kann das gut gehen? Virologe Christian Drosten gibt Tipps.

  • Die Corona*-Zahlen nehmen in ganz Deutschland rapide zu.
  • Viele Menschen sorgen sich deshalb um das gemeinsame Weihnachten 2020.
  • Mit einigen Tipps kann trotz Coronavirus die Weihnachtsfeier gelingen.

Frankfurt – Was wird aus Weihnachten 2020? Diese Frage stellen sich seit Ausbruch der zweiten Corona-Welle vermutlich viele Menschen, die hierzulande das christliche Fest im Kreise ihrer Familie verbringen wollen. Die drastischen Einschränkungen, die ab dem 2. November zu einer Stilllegung des öffentlichen Lebens in Deutschland führen*, haben neben der Eindämmung des Coronavirus genau das als Fernziel: Ein Weihnachtsfest im engsten Kreis der Liebsten zu ermöglichen, statt alleine in der Quarantäne zu verharren.

Banges Warten auf Weihnachten 2020. Doch das Corona-Risiko für unsere Familie können wir mit ein paar Maßnahmen senken.

Corona-Zahlen steigen vor Weihnachten 2020 rasant an

Die Prognose von fast 19.200 Corona-Neuinfektionen zu Weihnachten, mit der Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Ende September vor der rasanten Entwicklung der Pandemie warnte, sorgte damals noch für erstauntes Aufhorchen, berichtet das „ZDF“. Mittlerweile kommen aber seit Tagen jeweils mehr als 10.000 neue Corona-Fälle hinzu – womit sich die Merkel-Prognose für Weihnachten als alles andere als unwahrscheinlich herausgestellt hat. Der Höchstwert mit 19.059 Corona-Neuinfektionen – nur knapp unter der Merkel-Prognose – wurde am Samstag, 31.10.2020, erreicht. Am Mittwoch, 04.11.2020, meldete das Robert Koch-Institut bundesweit 17.214 neue Corona-Infektionen.

Können wir es also verantworten, mitten zur Hochzeit der Corona-Pandemie einmal quer durchs Land zu fahren, uns in überfüllte Zugabteile zu drängen, nur um dann etwas Zeit mit potenziellen Risikopatienten zu verbringen? Kann in einem Setting stetig steigender Corona-Zahlen, in dem jede Risikobegegnung zu Verunsicherung führt, die Gesundheitsämter bei der Kontaktverfolgung an ihre Grenzen stoßen und die Intensivbetten in den Krankenhäusern immer knapper werden, überhaupt noch besinnliche Feststimmung zu Weihnachten 2020 aufkommen?

Steigende Corona-Zahlen vor Weihnachten 2020: Experten raten zur Quarantäne

Der Star-Virologe Christian Drosten hat im Hinblick auf Weihnachten 2020 ein paar Tipps parat. Gegenüber der „Zeit“ plädiert er angesichts der Entwicklung der Corona-Zahlen etwa zu einer sogenannten Vorquarantäne. Wer sich bereits vor einem Familienbesuch zu Weihnachten vorsorglich freiwillig isoliere, könne dadurch das gemeinsame Weihnachtsfest risikoärmer gestalten. „Ich halte das Prinzip der Vorquarantäne für eine gute Idee. Also dass Menschen einige Tage, optimalerweise eine Woche, vor dem Familienbesuch mit Oma und Opa soziale Kontakte so gut es geht vermeiden“, sagt der Charité-Virologe Drosten gegenüber der Wochenzeitung.

Viele Bangen aufgrund der Corona-Pandemie um das diesjährige Weihnachtsfest (Symbolbild).

Freiwillige Quarantäne: So kann Weihnachten 2020 trotz Corona gelingen

Der Weihnachtsbesuch bei der Verwandtschaft ließe sich Drosten zufolge nach einer Vorquarantäne deutlich entspannter antreten. Schließlich würde durch reduzierte Kontakte auch die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus sinken. Sollte man sich dann doch mit dem Coronavirus angesteckt haben, „dann hat man sich vielleicht eher in der Woche zuvor angesteckt, und dass in diesem Fall alle aus der Familie symptomfrei bleiben, ist eher unwahrscheinlich“, weiß der Virologe Drosten zu berichten. Zwar könne das Risiko einer Corona-Infektion durch besagte Quarantäne vor dem Weihnachtsbesuch gesenkt werden, dennoch appelliert der Virologe an das Verantwortungsbewusstsein: „Menschen müssen Risiken in einer Pandemie ein Stück weit selbst abwägen. Es gibt keine totale Sicherheit, es bleiben immer Restrisiken“, rät er den Lesern der „Zeit“.

Die wichtigsten Corona-Tipps zu Weihnachten 2020 im Überblick:

  • Bestenfalls eine Woche vorher freiwillig in Quarantäne gehen.
  • Auch schon im Vorfeld soziale Kontakte reduzieren.
  • Den Körperkontakt untereinander einschränken.
  • Verantwortungsbewusst Infektionsrisiken einschätzen.

Weihnachten 2020 während Corona: Quarantäne zur Risikominimierung

Auch die Leiterin des Zentrums für Viruserkrankungen an der Universität Genf in der Schweiz, Isabella Eckerle, stimmt dem Vorschlag der freiwilligen Quarantäne vor dem Weihnachtsfest zu. Gegenüber der „Zeit“ rät sie außerdem zur Festlegung einer Kernfamilie, mit der die Weihnachtsfeiertage verbracht werden. „Mit dieser Gruppe teilen wir dann nicht nur unsere Plätzchen, den Weihnachtsbraten und die Festtagsstimmung, sondern auch ein gemeinsames Infektionsrisiko“, fasst sie ihre Überlegung zusammen. Darüber hinaus gelte Eckerle zufolge, dass man gefährdete Angehörige im Blick haben und den Körperkontakt untereinander reduzieren sollte. (Joel Schmidt) *merkur.de und fnp.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Yui Mok/dpa

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